Osterskitouren in Zederhaus

    30. März 2018, 15:00
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    Im Nahendfeldtal ziehen Skibergsteiger abseits des Tourenrummels ihre Spuren

    Schneesicherheit aufgrund der hohen Ausgangslage, Niederschläge sowohl bei Nordwestwetter als auch bei Mittelmeertiefs, Tourenmöglichkeiten von einfach bis anspruchsvoll und das von Dezember bis Ende Mai, einfache Erreichbarkeit über die Tauernautobahn und dazu noch mit Kirchenwirt Peter Gruber einen allzeit hilfs- und auskunftsbereiten Skitourenwirt – die kleine Lungauer Gemeinde Zederhaus steht im Zielkatalog der österreichischen Skitourengeher zu Recht Jahr für Jahr ganz weit oben. Und seit der Einhausung großer Teile der Autobahn ist es im Tal auch um einiges leiser geworden.

    Parkplatznot

    Die Popularität hat freilich auch ihre Schattenseiten. An schönen Wochenenden herrscht am Tourenparkplatz im Talschluss in Wald richtiggehend Parkplatznot. Die Mehrheit zieht es ins Großkesseltal, andere streben über die "Hölle" genannte Felsengasse der Felskarspitze zu. Auch der Kleinkessel gehört zu den beliebten Tourenzielen.

    Wesentlich ruhiger geht es im Nahendfeldtal zu. In den weiten Talboden quasi gegenüber der Kesseltäler an der rechten Seite des Zederhauserbaches verirren sich nur wenige Kenner und Könner. Das mit den "Könnern" hat seinen Grund: Die Anstiege und Abfahrten sind zwar nicht extrem aber doch etwas steiler. Sie verlangen entsprechende Skitechnik und – noch wichtiger – lawinenkundliches Beurteilungsvermögen. Dazu kommt der vergleichsweise langwierigere Zustieg, der auf die Bequemen unter den Fellgehern abschreckend wirkt.

    Drei gleichwertige Ziele

    Im hinteren Nahendfeld, wie das Tal umgangssprachlich genannt wird, stehen drei nahezu gleichwertige Gipfelziele wie in einem großen Amphitheater zur Auswahl: Die Plankowitzspitze (2.412 m) und die Felskarspitze (2.506 m) verdienen durchaus das Prädikat "anspruchsvoll" – der am häufigsten besuchte Barleitenkopf (2.431 m) ist um einen Tick einfacher.

    In dieser besonders schneereichen Saison wird das Nahendfeld auch bis weit nach Ostern, vermutlich noch bis Ende April ein lohnendes Ziel bleiben. Dafür lohnt es sich jedenfalls, die Skier auf den Rucksack zu schnallen und die erste halbe Stunde ins Tal hineinzutragen. (Thomas Neuhold, 30.3.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service

    karte: der standard

    Anreise: Mit dem Pkw nach Zederhaus (von Norden Ausfahrt Zederhaus, von Süden Ausfahrt St. Michael). Dann weiter taleinwärts unter der Tauernautobahn durch bis zur Nahendfeldbrücke (1.285 m), wo ein großer Holz- und Parkplatz genügend Raum bietet.

    Route: Vom Parkplatz bei der Nahendfeldbrücke folgt man der Zufahrtsstraße über den Bach zu einem Bauernhof. Dahinter beginnt der alte Almweg, dem man an der orographisch linken Seite konsequent taleinwärts bis zu einer neuen Almstraße folgt. Diese Straße führt an der Dicktlalm vorbei ins Nahendfeld. Hier teilen sich die Anstiege.

    Will man auf die Plankowitzspitze dreht sich die Spur nach links (Südwest) und folgt einem deutlich erkennbaren Graben, der sich nach oben hin ziemlich aufsteilt. Der Übertritt über die Wechte kann fallweise heikel sein. Dahinter in einfachem Gelände nach Südost auf den höchsten Punkt. Abfahrt wie Anstieg.

    Will man auf den schon von weitem deutlich sichtbaren Barleitenkopf, steuert man vom Talschluss westwärts in das breite Becken zwischen Barleitenkopf und Felskarspitze. Orientierungspunkt ist ein kleines, verlassenes Jagdhüttl. Hinter der Hütte weiter nach Westen langsam steiler werdend in einen Sattel und nach links (Süden) flach auf den Gipfel. Abfahrt wie Anstieg.

    Will man auf die Felskarspitze dreht man vom Sattel zwischen Barleitenkopf und Felskarspitze nach Norden und mittelsteil über den oft vom Wind hartgepressten Hang hinauf zum Gipfel. Abfahrt wie Anstieg oder aber besser vom Gipfel am Nordostgrat kurz Richtung Seewand hinunter und dann einen Abschnitt sehr steil in das Becken mit dem Jagdhütterl hinunter.

    Unterkunft/Einkehr: www.alpingasthof-kirchenwirt.at

    Ausrüstung: Skitourenausrüstung, Harscheisen.

    Literatur für andere Skitouren in der Region: Clemens M. Hutter/Thomas Neuhold, "Skitourenatlas Salzburg-Berchtesgaden", 2. Auflage, Verlag Pustet, Salzburg 2014.

    Karte: Kompass Nr.50, "Kartenset Nationalpark Hohe Tauern", 1:50.000.

    Lawinenwarndienst: www.lawine.salzburg.at

    • Der Anstieg zum Barleitenkopf und zur Felskarspitze führt durch ideales, aber fallweise lawinengefährdetes Tourengelände.
      foto: thomas neuhold

      Der Anstieg zum Barleitenkopf und zur Felskarspitze führt durch ideales, aber fallweise lawinengefährdetes Tourengelände.

    • Nordföhn sorgt im Zederhaustal oft für schönes, aber kaltes Tourenwetter.
      foto: thomas neuhold

      Nordföhn sorgt im Zederhaustal oft für schönes, aber kaltes Tourenwetter.

    • Die letzten Meter vor dem Felskarspitz-Gipfel mit dem beeindruckenden Szenario der Dreitausender im Rücken.
      foto: thomas neuhold

      Die letzten Meter vor dem Felskarspitz-Gipfel mit dem beeindruckenden Szenario der Dreitausender im Rücken.

    • Der Barleitenkopf ist der dominierende Gipfel im Zederhauser Nahendfeld.
      foto: thomas neuhold

      Der Barleitenkopf ist der dominierende Gipfel im Zederhauser Nahendfeld.

    • Ernste Warnzeichen: Windverfrachtung am Grat des Barleitenkopfes.
      foto: thomas neuhold

      Ernste Warnzeichen: Windverfrachtung am Grat des Barleitenkopfes.

    • Die steile Anstiegsrinne auf die Plankowitzspitze erfordert stabile Verhältnisse und im oberen Bereich entsprechende Skitechnik.
      foto: thomas neuhold

      Die steile Anstiegsrinne auf die Plankowitzspitze erfordert stabile Verhältnisse und im oberen Bereich entsprechende Skitechnik.

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