Schelte wegen Sexismus für britischen Außenminister Boris Johnson

    Video28. März 2018, 14:00
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    Der konservative Politiker sorgte neuerlich für einen Eklat – dieses Mal im britischen Unterhaus

    Dass ein Mitglied der britischen Regierung vom Vorsitzenden des Unterhauses gerügt wird, kommt selten vor. Aber auch in diesem Bereich setzt Boris Johnson, Außenminister Großbritanniens, neue Maßstäbe.

    In einer Debatte über den Wert des Commonwealth-Staatenbundes spottete Johnson über die Abgeordnete Emily Thornberry, indem er sie "Lady Nugee" nannte – eine Anspielung auf ihren Ehemann Sir Christopher Nugee, einen Richter am obersten Gericht. Thornberry ist die Schattenaußenministerin der Labour-Partei, trägt aber selbst keinen Titel.

    Nach der Rede Johnsons intervenierte John Bercow, Vorsitzender des Unterhauses, und erteilte Johnson eine Rüge. "Wir beschimpfen in dieser Kammer niemanden. Wir nennen Personen nicht mit den Titeln ihrer Ehepartner. Die Schattenministerin für Äußeres hat einen Namen – und er lautet nicht 'Lady irgendwas'", mahnte Bercow.

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    Danach kam Bercow, ein Parteifreund Johnsons, aber erst richtig in Fahrt: "Es ist unangebracht und freiheraus sexistisch, in dieser Art und Weise zu sprechen, und ich will davon in dieser Kammer nichts wissen. Egal wie hochrangig ein Mitglied dieses Hauses ist, diese Ausdrucksweise ist nicht legitim, und sie wird nicht gestattet werden."

    Entschuldigung

    Der Rüffel wurde vom Applaus einiger Labour-Abgeordneten begleitet – im britischen Parlament ausgesprochen ungewöhnlich. Die Debatten im House of Commons folgen einem jahrhundertealten Verhaltenskodex. Trotz der Härte der Argumente wird auf Etikette besonderer Wert gelegt: Abgeordnete sprechen sich nicht direkt an, sondern richten ihre Redebeiträge an den jeweiligen Vorsitzenden oder dessen Stellvertreter. Nur dieser "Mr. Speaker" darf direkt angesprochen werden. Selbst wenn andere Abgeordnete indirekt angesprochen werden, geschieht dies in der Regel nicht unter Verwendung des Namens, sondern unter der Nennung des Wahlkreises ("The Honourable Member for…"). Der Vorsitzende der Kammer ist für die Durchsetzung dieses Regelwerkes zuständig und kann in Extremfällen auch Abgeordnete ausschließen.

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    Nicht ohne Präzedenz: Als der Labour-Abgeordnete Dennis Skinner 2016 den Premierminister David Cameron "zwielichtiger Dave" nannte, wurde er vom Vorsitzenden Bercow ausgeschlossen.

    Johnson entschuldigte sich nach der Rüge für sein Verhalten in der Parlamentskammer. (stb, 28.3.2018)

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