Künstler Ernst Eisenmayer 97-jährig in Wien gestorben

    28. März 2018, 10:03
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    Maler und Bildhauer kehrte nach Vertreibung durch die Nazis in den 1990er Jahren nach Wien zurück

    Wien – Der Maler und Bildhauer Ernst Eisenmayer ist im Alter von 97 Jahren in Wien verstorben, wie die Tageszeitung "Die Presse" in ihrer Mittwoch-Ausgabe berichtet. Entscheidend geprägt wurde der Lebensweg des Künstlers durch den Terror des Nationalsozialismus, vor dem Eisenmayer aus seiner Heimatstadt Wien flüchten musste. Nach Jahrzehnten kehrte er wieder zurück.

    Ernst Eisenmayer wurde am 18. September 1920 in ärmliche jüdische Verhältnisse geboren. Nach dem "Anschluss" Österreichs an den NS-Staat versuchte der 18-Jährige, nach Frankreich zu flüchten, wurde jedoch an der Grenze verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Nach seiner Entlassung gelang ihm 1939 die Emigration nach England. Allerdings musste er auch dort mehrere Internierungslager durchlaufen, wo er begann, erste Objekte für Ausstellungen in den Lagern anzufertigen und sich journalistisch für die Lagerzeitung zu betätigen.

    Arbeit als Werkzeugmacher

    Als Künstler erstmals an die Öffentlichkeit trat Eisenmayer, der zwischenzeitlich als Werkzeugmacher arbeitete, 1944, im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung über österreichische Kunst im Exil in London, bevor er 1946 mit dem Kunststudium an der Camberwell School of Art begann. Oskar Kokoschka wurde in England ein wichtiger Förderer seiner Laufbahn.

    Eisenmayers Werk stand in der Tradition der klassischen Moderne. Er fokussierte sich immer wieder auf den Mensch und sein Schicksal, auch im Zeichen der Auseinandersetzung mit Gewalt, Unterdrückung und Machtmissbrauch. Während sein Frühwerk von Aquarellen und Ölgemälden geprägt war, wandte er sich später auch der Skulptur zu und arbeitete dabei mit geschweißtem bzw. gegossenem Stahl, Bronze und Stein. Ab den 1960ern hatte er in London mehrere große Einzelausstellungen, denen sich der Erfolg in den USA anschloss. Aber auch in Österreich wurde der vertriebene Sohn langsam wiederentdeckt, als etwa 1967 in der Wiener Secession eine Ausstellung angesetzt wurde oder 1969 in der Galerie Welz in Salzburg.

    Eisenmayer verließ Großbritannien und lebte zwischen 1975 und 1988 bei Carrara in Italien. Daraufhin folgten einige Jahre in Amsterdam, bevor er 1996 nach Wien zurückkehrte. Hier präsentierte das Jüdische Museum 2002 mit "About the Dignity of Man" eine große Retrospektive seiner Arbeiten. 2004 wurde Eisenmayer mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet. (APA, 28.3.2018)

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