"Far Cry 5" im Test: Oberflächliche Jagd nach dümmlichen Sektenjüngern

    28. März 2018, 09:59
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    Neuester Ableger der Open-World-Ego-Shooter-Reihe macht vieles richtig, weist aber auch grobe Mängel auf

    Joseph Seed ist kein guter Mensch, obwohl er sich selbst als unfehlbaren Gott sieht. Im fiktiven Hope County, Montana, hat er die Sekte Eden's Gate gegründet. Seed glaubt an den Untergang der Menschheit und dass nur er andere davor beschützen kann. Seine Anhänger sehen in ihm den Erlöser und begehen im Namen des Kultes schreckliche Taten. Um Seed und seine fanatischen Schäfchen zu stoppen, wird ein Einsatzteam aus Gesetzeshütern geschickt, die den Sektenführer verhaften sollen. Hier startet die Geschichte von "Far Cry 5" (PC, Xbox One und PS4), dem neuesten Ableger des Open-World-Ego-Shooters aus dem Hause Ubisoft.

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    Launch-Trailer zu "Far Cry 5".

    Aussichtslose Lage

    Ob göttliche Fügung oder nicht, bei dem Zugriff auf Seed geht alles schief, was nur schiefgehen kann. Der Helikopter stürzt ab, der Sektenführer kann fliehen, und man selbst muss um sein Leben kämpfen. Die Lage wirkt aussichtslos, glücklicherweise bietet ein Widerstandskämpfer aber Unterkunft in seinem Bunker an. Auch er glaubt an den Untergang der Menschheit, nicht aber an Sektenführer Seed. Damit man aber zumindest bis dahin im hinterwäldlerischen Hope County überleben kann, werden vom Widerstandskämpfer die Basics gelehrt.

    Kein Turmkraxeln mehr

    Im Vergleich zum starken Vorgänger hat sich bei den Grundlagen ein wenig getan. Die Spielkarte muss nun nicht mehr mittels Erklimmen von Türmen aufgedeckt werden – dies geschieht, sobald man in unbekannte Regionen vordringt. Tiere jagt man nun außerdem nicht mehr, um etwa zusätzliche Waffenplätze zu craften – stattdessen verdient man sich bestimmte Punkte, die zum Freischalten von Fähigkeiten ausgegeben werden können. Zudem wurde der Koop ausgebaut. Sämtliche Missionen und auch Nebenschauplätze können mit Tier oder Mensch gemeinsam angegangen werden.

    Fahren, töten und looten

    Ansonsten präsentiert sich "Far Cry 5" in altbekannter Manier. Mit geballter Schusswaffenkraft gilt es verschiedene Aufgaben zu lösen, die sich größtenteils mit "Fahr dorthin, bringe Leute um und komm mit der Beute wieder zurück" zusammenfassen lassen. Abwechslung bringen etwa Sammelaufgaben oder Rennen. Man kann die Zeit aber auch einfach totschlagen, indem man das eindrucksvolle Hope County erforscht. Immer wieder stößt man hier auf Nebenaufgaben, die bei einem Erfolg Respekt beim Widerstand mit sich bringen. So müssen etwa Zivilisten aus den Fängen von Eden's Gate befreit oder Straßensperren aufgelöst werden.

    Dumme Sektenanhänger

    Obwohl an fast jeder Ecke Aufgaben warten, fühlt sich die grafisch beeindruckende Spielwelt allerdings nach einer gewissen Zeit seelenlos an. Nach ein paar Stunden beginnt man die Nebenschauplätze zu ignorieren. Dies hat zweierlei Gründe: Einerseits sind die NPCs dumm wie Brot, und andererseits ist ihr Handeln nicht wirklich nachvollziehbar. Dort wird wieder mal ein Zivilist ermordet, da eine Straßensperre errichtet und an anderer Stelle auf tote Tiere geschossen – wieso eigentlich? Als Spieler fühlt man sich irgendwann erleichtert, wenn die wunderschöne Welt nicht erneut von den Sektenjüngern gestört wird.

    Hoffnungslose Mitspieler

    Stichwort dumm wie Brot: Nicht nur Gegner, sondern auch KI-Mitspieler zählen nicht gerade zu den Hellsten. Bei Missionen oder Befreiungsaktionen laufen diese oftmals hoffnungslos umher und sind kaum hilfreich. Im schlimmsten Fall kann es sogar vorkommen, dass man von ihnen getötet wird. Als Spieler kann man auf eine große Auswahl an unterschiedlichen menschlichen KI-Mitspielern und einem Hund namens Boomer zurückgreifen. Egal ob Mensch oder Tier, hier hat Ubisoft noch ordentlichen Nachholbedarf. Bis dahin kann man sich mit echten Mitspielern aus der Freundesliste aushelfen.

    Schwache Story ohne Tiefgang

    Nicht nur beim weitreichenden Koop, auch bei der Story wurde ferner Potenzial verschenkt. Die Themen Sekten, Kulte und Radikalismus hätten so viel mehr hergegeben, als in "Far Cry 5" geboten wird. Die sensiblen Sujets werden in oberflächlicher Hollywoodmanier abgehandelt. Eden's Gate könnte auch einfach eine Mafiatruppe aus Italien oder eine Drogengangster-Bande aus Südamerika sein. Zwar blitzen die Themen immer wieder kurzzeitig auf, insgesamt hätte man dies aber mit deutlich mehr Tiefe abhandeln können. Vor allem, wenn Ubisoft selbst den Anspruch erhebt, Sujets wie Fanatismus und extremen Patriotismus ernsthaft aufzuarbeiten.

    Gelungener Humor

    "Far Cry 5" zeigt sich dafür vielerorts mit gelungenen Humor-Elementen und nimmt sich dabei oftmals selbst aufs Korn. Auch reale Geschehnisse wie etwa das vermeintliche "Golden Shower"-Sextape von US-Präsident Donald Trump sind Teil des Open-World-Shooters. Die übernatürlichen Fähigkeiten der Vorgänger sind übrigens drogeninduzierten vermeintlichen Supertalenten gewichen. Bei einem alkoholbedingten Rausch ist es schwierig zu zielen, und nach dem Konsum von Cannabis – das nicht als solches deklariert ist – reagiert man etwas träge und langsamer.

    Weitreichender Map-Editor

    Positiv herauszustreichen sind der gelungene Soundtrack und der interessante Map-Editor, der sich hinter dem sogenannten Arcade-Modus verbirgt. Dort ist es möglich, eigene Levels zu erstellen und diese mittels Assets aus dem gesamten Ubisoft-Spektrum zu bestücken. Gemeinsam oder allein können diese Werke dann gespielt werden. Auch Karten von anderen Nutzern sind spielbar. Erwähnenswert ist auch, dass "Far Cry 5" Mikrotransaktionen mit sich bringt. Diese sind allerdings auf kosmetische Items beschränkt – man muss somit kein Geld ausgeben, um einen spielerischen Vorteil zu erhalten.

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    Wir spielen "Far Cry 5".

    Fazit

    Der neueste Ableger der "Far Cry"-Reihe macht vieles richtig, aber auch einiges falsch. Positiv zu erwähnen sind etwa die wunderschöne Spielwelt, die gelungenen Schießereien dank riesigen Waffenarsenals, der Spielhumor und auch die zum Teil abwechslungsreichen Missionen. Weniger gefällt die Story und wie die Themen Sekten und Fanatismus abgehandelt wurden. Die KI ist zudem erschreckend mies – hier kann man nur hoffen, dass Ubisoft sehr deutlich nachbessert. Zuletzt wirkt die formelhafte Spielstruktur zum Teil auch etwas in die Jahre gekommen. "Far Cry 5" ist insgesamt ein guter Shooter, nicht aber der erhoffte Knaller – und auch nicht besser als der exzellente Vorgänger. (Daniel Koller, 28.3.2018)

    "Far Cry 5" ist für PC, Xbox One und Playstation 4 ab 18 Jahren erschienen. UVP: 59,99 Euro.

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Das PS4-Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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    "Far Cry 5"

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