Mountainbiker löste in Vorarlberg Waldbrand aus

    27. März 2018, 07:00
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    Heiße Bremsscheiben führten am Muttersberg zu einem großflächigen Brand. Ein kurioser Fall mit Seltenheitswert. Ob der Biker mit Konsequenzen zu rechnen hat, entscheidet die Staatsanwaltschaft

    Innsbruck/Nüziders – Rund ein Hektar Wald stand am Sonntagnachmittag am Muttersberg bei Nüziders in Flammen. Der Grund für das Feuer, so die örtliche Polizei, waren die heißen Bremsscheiben eines Mountainbikers. Er hatte sein Fahrrad im Zuge einer Rast während der Abfahrt ins trockene Gras gelegt, was wiederum dazu geführt haben dürfte, dass sich am heißen Metall ein Grasbüschel entzündete.

    Zwar versuchte der Radfahrer noch, das Feuer selbst zu löschen, doch es breitete sich im unwegsamen Gelände zu schnell aus. Letztlich waren rund 130 Feuerwehrleute im Einsatz, um des Brandgeschehens Herr zu werden. Der Löscheinsatz habe sich zwar schwierig gestaltet, aber es seien zu keiner Zeit Personen gefährdet gewesen, so die Behörden. Die Muttersbergbahn war für die Dauer der Löscharbeiten außer Betrieb.

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    Der Beitrag dazu des ORF-Vorarlberg.

    Die Staatsanwaltschaft ermittelt

    Es gibt am Muttersberg seit 2012 einen offiziellen Singletrail, der aber erst ab Mai wieder geöffnet ist. Die abwechslungsreiche und naturbelassene Strecke führt über 722 Höhenmeter fast fünf Kilometer den Berg hinunter. Der Biker war aber nicht auf diesem Trail unterwegs, wusste der Geschäftsführer der Muttersbergbahn, Johann Bandl.

    Die Polizei hat einen Bericht zum Geschehen verfasst und an die Staatsanwaltschaft in Feldkirch weitergeleitet. Dort muss nun ermittelt werden, ob es sich um den Straftatbestand der fahrlässigen Herbeiführung einer Feuersbrunst handelte. Kein leichtes Unterfangen, wie Staatsanwalt Hansjörg Mayr aus Innsbruck erklärt. Denn dazu müsste man dem Mountainbiker nachweisen, dass er unvorsichtig gehandelt hat und es vorhersehbar gewesen wäre, dass er mit seinem Fahrrad einen Brand auslösen könnte, wenn er es in die Wiese legt.

    Bergbahn verzichtet auf Schadenersatz

    Zivilrechtlich hat der Mountainbiker mit keinen Folgen zu rechnen, wie Muttersberg-Geschäftsführer Bandl versichert. Man werde keinerlei Schadenersatzansprüche an ihn stellen: "Die paar Tickets, die wir den Leuten refundieren mussten, die am Berg waren und nicht warten wollten, bis die Bahn wieder fährt, zahlen wir selber. Das war ein einfach ein Unglück, das da passiert ist. Wir sind froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist."

    Dieses Video von Vertrider Christoph Malin aus Innsbruck verdeutlicht, wie heiß die Bremsen im steilen Gelände werden können. Und er zeigt auch gleich, was man dagegen tun kann.

    Dass die Bremsscheiben beim Downhillen glühend heiß werden können, wissen viele Mountainbiker aus schmerzhafter Erfahrung. Brandnarben mit Bremsscheibenmuster am Unterschenkel zählen zu typischen Erkennungszeichen eines passionierten Downhillers. Daher gilt es, im Wald bei Trockenheit besonders vorsichtig zu sein.

    Erster derartiger Fall

    Wobei es falsch wäre, Mountainbiker nun als Waldbrandrisiko abzustempeln. Das bestätigt Mortimer Müller von der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien, der die Waldbrand-Datenbank mitbetreut. Dort sind über 6.000 Waldbrände, die seit 1530 in Österreich passiert sind, festgehalten. Alle 4.000 größeren Brandereignisse der vergangenen 25 Jahre sind in der Datenbank vermerkt worden. "Wir hatten bislang keinen einzigen Fall, in dem ein Mountainbiker Auslöser eines Waldbrandes war", erklärt Müller.

    Neben der natürlichen Ursache Blitzschlag, die für rund 15 Prozent aller Waldbrände hierzulande verantwortlich ist, sind alle anderen Ursachen menschengemacht. Zigaretten stehen dabei ganz oben auf der Liste, wie auch Lagerfeuer, die außer Kontrolle geraten, oder Brandstiftung. Mountainbiker hält Müller für ein "eher unwahrscheinliches" Szenario: "Das war wohl eine Ausnahmesituation."

    Funkenflug und glühendes Metall

    Um einen Waldbrand auszulösen, so der Experte von der BOKU, bedarf es Temperaturen von mindestens 250 Grad Celsius oder eines Funkenflugs. Dass Bremsscheiben solche Temperaturen durchaus erreichen können, bestätigt man beim schwäbischen Hersteller Magura: "Es hängt immer vom Gefälle, dem Gewicht des Fahrers und der Fahrtechnik ab. Aber in den Tests der Magazine werden die Bremsscheiben oft bis zum Glühen belastet." Von einem dadurch ausgelösten Brand hörte man aber auch hier erstmalig.

    Dass Funkenflug eine reale Waldbrandgefahr ist, zeigt sich in Österreich alljährlich entlang der Eisenbahnstrecken, erklärt Müller. Auch in Verbindung mit einem Mountainbike war dies bereits einmal Auslöser. So verursachte ein Trailbiker im August 2016 in Kalifornien einen Waldbrand, weil er mit seinem Pedal an einem Felsen streifte, was zu Funkenflug führte. Die Behörden konnten ermitteln, dass der Brand ausgebrochen sein muss, als sich Dach-Trespen, sogenanntes Cheatgrass, dadurch entzündeten.

    Zu Konsequenzen gegen Mountainbiker führte das auch in Kalifornien nicht. Die Waldaufsicht betonte sogar, dass dies nur eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen sei und man keinesfalls mit dem Finger auf Mountainbiker zeigen wolle. Um das zu verdeutlichen, verwies eine Sprecherin darauf, dass es bis Ende August des Jahres 2016 allein in Kalifornien zu mehr als 4.000 Wald- und Buschbränden gekommen war. Und die häufigsten Auslöser dafür seien Motorsägen und Mäher gewesen. (Steffen Arora, 27.3.2018)

    • Erstmals soll die heiße Bremsscheibe eines Mountainbikes einen Waldbrand verursacht haben. (Symbolbild)
      foto: apa/bkfdo lilienfeld

      Erstmals soll die heiße Bremsscheibe eines Mountainbikes einen Waldbrand verursacht haben. (Symbolbild)

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