3:0 gegen Slowenien: Ein rundum erbaulicher Auftritt

23. März 2018, 22:44
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Österreichs Nationalteam wusste beim Test in Klagenfurt zu überzeugen, Marko Arnautovic ragte nicht nur wegen zweier Tore heraus

Klagenfurt – Teamchef Franco Foda schätzt Flexibilität. Die österreichische Fußballnationalmannschaft soll in seiner Ära die Gegner irritieren, sie überraschen, in der Lage sein, Taktik und System recht spontan zu verändern. Am Freitagabend sollte Slowenien, die Nummer 62 der Weltrangliste, dies in Klagenfurt zu spüren bekommen. Es gab übrigens erst ein Treffen dieser Nachbarn, 1997 verlor Österreich in Linz mit 0:2. Damals war Alexander Ceferin zwar schon Slowene, aber nicht Präsident der Uefa, diesmal beehrte der ranghöchste Funktionär im europäischen Kick das mit 18.100 Fans passabel gefüllte Wörthersee Stadion.

Foda hatte vor der Partie von Luxusproblemen gesprochen, von der Qual der Wahl, das Land ist seiner Meinung nach mit guten Fußballern gesegnet. Elf hat er regelkonform nominiert, die Grundformation war ein 3-4-3. Das leidige Thema David Alaba links in der Abwehr oder doch wie bei Marcel Koller im Mittelfeld hatte sich mangels Viererkette erledigt. Alaba bestritt sein 60. Länderspiel (links im Mittelfeld hinter Marko Arnautovic), diese Zahl teilt er nun mit Kapitän Julian Baumgartlinger. Sloweniens Teamchef Tomaz Kavcic musste den angeschlagenen Supertormann Jan Oblak vorgeben, die in Österreich bestens bekannten Kevin Kampl und Robert Beric waren dabei, ebenso der im Prinzip großartige Josip Ilicic von Atalanta Bergamo.

Laut Baumgartlinger sei das Team gerade in der "Findungsphase", in den ersten Minuten war die Suche nicht zu verheimlichen, man agierte hektisch, flexibel hektisch. Das blieb aber ohne Folgen. 15. Minute: Baumgartlinger wird von Rene Krhin gefoult, den Freistoß aus rund 20 Metern zirkelt Alaba wunderbar zum 1:0 in Netz. Das war keine Frage von Position, sondern von Klasse, er hält im Team nun bei zwölf Toren. Und es wurde generell besser, geordneter, die Zahl der Fehler konnte minimiert werden, flüssige Kombination wurden mit Wohlwollen registriert. Nach einem Energieanfall von Arnautovic scheitert Valentino Lazaro an Keeper Vicl Belec (25.), im Gegenzug pariert Heinz Lindner einen satten Schuss von Benjamin Verbic.

Körpertäuschung

29. Minute: Martin Hinteregger volliert ästhetisch wertvoll knapp vorbei. 36. Minute: Lazaro schickt Stefan Lainer auf die Reise, dessen perfekten Querpass in den Rücken der Abwehr verwertet Arnautovic elegant und unnachahmlich (Körpertäuschung, Haken) zum 2:0. Sein 17. Treffer im Team. 41. Minute: Alabas Freistoß landet an der Latte. 42. Minute. Was Alaba kann, kann auch Ilicic, sein Freistoß endet halt an der Stange. Fazit der ersten Halbzeit: Österreich hat in der Tat gute Fußballer, Sebastian Prödl, Alessandro Schöpf, Alaba und Arnautovic fielen äußerst positiv auf.

Und es ging nach der Pause munter und fröhlich weiter: 51. Minute: Alaba zu Baumgartlinger, der lupft auf das erblondete Haupt von Arnautovic, dessen Bogenkopfball (auch unnachahmlich) bringt das 3:0. Stefan Ilsanker köpfelt zwei Minuten später an die Stange, dieses Pech konnte die Mannschaft verkraften. Der frustrierte Ilicic foulte Hinteregger rüde (65.), die Gelbe Karte war ein Gnadenakt. Kurz darauf nahm Foda die ersten Wechsel vor, Florian Kainz ersetzte Lazaro, Michael Gregoritsch kam für Guido Burgstaller, weitere Änderungen und Chancen folgten. Schlussbilanz: Ein rundum erbaulicher Auftritt.

Am 27. März wird in Luxemburg erneut getestet. (Christian Hackl, 23.3. 2018)

Freundschaftliches Fußball-Länderspiel:

Österreich – Slowenien 3:0 (2:0). Klagenfurt, Wörthersee-Stadion, 18.100, SR Klossner/SUI.

Tore: 1:0 (15.) Alaba (Freistoß), 2:0 (36.) Arnautovic, 3:0 (51.) Arnautovic

Österreich: Lindner – Ilsanker, Prödl, Hinteregger – Lainer, Baumgartlinger (89. Schlager), Schöpf (74. Grillitsch), Alaba (89. Wöber) – Lazaro (67. Kainz), Burgstaller (69. Gregoritsch), Arnautovic (86. Schaub)

Slowenien: Belec – Skubic (62. Milec), Struna, Mevlja, Jokic – Krhin, Kampl (77. Rotman) – Kurtic (46. Birsa), Ilicic (77. Crnigoj), Verbic (86. Sporar) – Beric (46. Bezjak)

Gelbe Karten: Alaba bzw. Ilicic

Stimmen

Franco Foda (ÖFB-Teamchef): "Insgesamt war der Auftritt sehr zufriedenstellend. Ich wollte dieses 3-4-3-System testen, aber die Mannschaft muss einfach variabel spielen, entscheidend ist, wie die Mannschaft auftritt. Für uns gibt es keine Testspiele, wir vertreten die ganze Nation, stehen unter großer Beobachtung. Ich erwarte von jedem Spieler, wenn er zum Nationalteam kommt, dass er alles abruft, in den zehn Tagen und in den zwei Spielen. Das Freistoßtor von Alaba hat mich sehr gefreut, dass er so trifft, ist für ihn sehr schön. David kann alle Positionen spielen, er ist universell einsetzbar. Er hat gesagt, er spielt dort, wo ich ihn hinstelle. Er will für das Nationalteam alles geben und das hat er heute getan. Großes Kompliment an ihn. Unabhängig vom Ergebnis war mir enorm wichtig, dass die Mannschaft Leidenschaft zeigt und selbstbewusst auftritt. Gegen Luxemburg wird es Umstellungen geben, wir werden vom System her variieren."

Stefan Lainer (ÖFB-Rechtsverteidiger): "Wir sind an die Grenzen gegangen und haben das heute sehr gut gemacht. Im Training ist viel Input gekommen, wir haben uns viel erarbeitet und das heute gut umgesetzt, was nicht einfach war. Insgesamt war das eine sehr gelungene Probe."

Marko Arnautovic (ÖFB-Doppel-Torschütze): "Ich denke, wir haben ein richtig gutes Spiel hingelegt, der Sieg ist komplett verdient. Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaftsleistung. Der Trainer hat uns gut eingestellt in der Trainingswoche. Natürlich geht es immer noch besser, aber jetzt sind wir einmal zufrieden mit dem Sieg und am Dienstag geht es weiter. Wir kennen uns jetzt schon länger, es ist nicht so, dass ein komplett neues Team dasteht. Wir haben die Vorgaben des Trainers hoffentlich erfüllt, das werden wir gleich hören."

David Alaba (ÖFB-Torschütze): "Wir als Mannschaft konnten meistens das umsetzen, was der Trainer von uns gefordert hat, wir können im Großen und Ganzen zufrieden sein. Ich denke, dass es für mich auf links ganz gut funktioniert hat. Ich habe immer erwähnt, dass ich das Beste geben werde, egal auf welcher Position. Ich glaube, dass ich heute meinen Beitrag leisten konnte. Wenn man das Spiel angeschaut hat und die Trainingswoche, dann sind wir auf einem sehr guten Weg, unsere Ziele zu erreichen. Das war vor dem Spiel unser Ziel und den Weg wollen wir jetzt weitergehen."

  • David Alaba eröffnete einen 90-minütigen Höhenflug mit einem Freistoßtor.
    foto: apa/expa/groder

    David Alaba eröffnete einen 90-minütigen Höhenflug mit einem Freistoßtor.

  • Marko Arnautovic tanzte, traf zwei Mal und hatte auch sonst viel im Griff.
    foto: apa/expa/groder

    Marko Arnautovic tanzte, traf zwei Mal und hatte auch sonst viel im Griff.

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