Sodastream legt sich mit Nestlé und Coca-Cola an

22. März 2018, 07:00
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Israelisches Unternehmen will 2020 mit Nachfüllkartuschen in jedem fünften Haushalt präsent sein

Wien – David gegen Goliath. So lautete lange Zeit das Match zwischen Sodastream, dem in Israel beheimateten Sprudelhersteller, und etablierten Getränkeabfüllern. Sodastream ist gemessen an Größen wie Nestlé (Acqua Panna, San Pellegrino) und Coca-Cola (Fanta, Sprite) noch immer klein; das Unternehmen bringt die internationalen Abfüller dennoch zunehmend in Argumentationsnot.

"Es ist mir ein Rätsel, warum sich Österreicher und Deutsche, deren streng kontrolliertes Leitungswasser von bester Qualität ist, immer noch mit dem Schleppen teurer Wasser- und Limonadenkisten abmühen. Zudem vergrößert dieser Konsumstil die Plastikberge und ist alles andere als nachhaltig", sagte der für die Märkte Deutschland und Österreich zuständige Sodastream-Geschäftsführer Ferdinand Barckhahn dem STANDARD.

Österreich ist einer der Kernmärkte von Sodastream. Mit einer Marktdurchdringung von zehn Prozent (2016: 7,5) liege man hierzulande hinter Schweden (gut 15 Prozent), aber vor Deutschland. Dort hat Sodastream Eigenangaben zufolge in sechs von 100 Haushalten einen Fixplatz. Ende 2019 / Anfang 2020 peile man für Österreich und Deutschland 20 Prozent Marktdurchdringung an.

PET-Komplettverbot als Ziel

Barckhahn, der früher Manager bei Pernod Ricard und zuvor bei Pepsi war, ist zuversichtlich, dass das gelingt. Er setzt auf Werbung und Überzeugungsarbeit. Außerdem will er versuchen, bis 2025 ein Komplettverbot für Getränke aus Plastikflaschen zu erreichen. Ein Gesetzesantrag, erarbeitet von einer Wiener Rechtsanwaltskanzlei, liegt schon vor; eine erste Kontaktaufnahme mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus habe es auch schon gegeben. Auch in Deutschland und Großbritannien gibt es Vorstöße. Parallel suche Daniel Birnbaum, CEO des an der Technologiebörse Nasdaq in New York notierten Unternehmens, das Gespräch mit der EU-Kommission.

Die Geschichte des prickelnden Wassers reicht zurück bis 1903, als in London der erste Wassersprudler erfunden wurde. Von dort breiteten sich die Geräte rasch auf dem Kontinent aus – obwohl die Sprudler für den Privatgebrauch noch lange Zeit Schwachstellen hatten.

Der Sodastream-Vertreter für Israel war Anfang der 1990er-Jahre angeblich derart frustriert, dass er unter dem Namen Soda-Club ein eigenes Gerät entwickelte. 1998 übernahm er mit seiner neuen Firma seinen alten Arbeitgeber. Später vertrieb er die Sprudler wieder unter dem Namen Sodastream.

Herstellung in Israel

Produziert werden die 50 bis 120 Euro teuren Geräte in Israel. Auch Sirupe, die es in diversen Geschmacksrichtungen vom simplen Cola über Zitrone-Limette bis Bioholunderblüte gibt, werden dort produziert. Sogar selbstgesprudeltes Bier und Sekt sind inzwischen möglich. Die Kartuschen, mit denen bis zu 60 Liter Wasser aufgeperlt werden können, werden im deutschen Limburg produziert und nachgefüllt.

Nach schwachen Jahren, sinkenden Verkäufen und einem Rückfall der Aktiennotierung 2015 auf den Stand der Erstplatzierung im Jahr 2010 brachte ein Strategiewechsel die Trendwende. Galt Sodastream bis dahin als günstige Alternative zu Coca-Cola und Pepsi, streicht das Unternehmen nun den Gesundheits- und Nachhaltigkeitsaspekt heraus.

In Österreich und Deutschland wächst Sodastream seit 24 Quartalen zweistellig. Weltweit setzte das Unternehmen im Vorjahr 543 Millionen Dollar (441,4 Millionen Euro) um, das war ein Plus von 14 Prozent. (Günther Strobl, 22.3.2018)

  • Österreich gehört für Sodastream zu den Kernmärkten, produziert wird aber in Israel.
    foto: reuters / ammar awad

    Österreich gehört für Sodastream zu den Kernmärkten, produziert wird aber in Israel.

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