Was es bedeutet, alleinerziehend zu sein

    Blog23. März 2018, 07:18
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    Alleinerziehende Eltern brauchen ein unterstützendes Netzwerk, aber auch Zeit für sich, damit die Last nicht zu groß wird

    Roland lebt seit der Trennung von seiner Frau mit seinem Sohn allein. Die Streitigkeiten um das gemeinsame Sorgerecht und die Besuchsregelung machen den Alltag des Alleinerziehers oftmals problematisch. Der Bub möchte nicht gerne zur Mama, sondern lieber beim Papa bleiben. Trotzdem muss Theo jede zweite Woche zu seiner Mutter. Er fühlt sich da nicht wohl und vermisst seinen Vater. Auch für Roland ist diese Woche schwierig. Zwar kann er in Ruhe arbeiten, aber in Gedanken ist er oft bei seinem Sohn.

    Nach dem Tod ihres Mannes ist Tina allein für die Kinder zuständig. Wenn sie ihre Kinder ins Bett gebracht hat, muss sie noch den Haushalt machen und alles für den nächsten Tag vorbereiten. Wie sehr wünscht sie sich jemanden, der ihr im Alltag und bei der Erziehung unter die Arme greift und auch mal mit Rat und Tat zur Seite steht. Tina träumt davon, nicht immer allein für alles verantwortlich zu sein, diese Last mit jemandem teilen zu können und endlich mal wieder ein bisschen Zeit für sich zu haben.

    Renate und Wolfgang sind die Großeltern der Teenager Anna und Moritz. Die Mama der beiden arbeitet viel und muss häufig Auswärtstermine wahrnehmen, da bleiben die beiden dann bei den Großeltern. Während es Moritz nichts ausmacht, oft zwischen den Großeltern und der Mama hin und her zu wechseln, möchte Anna gerne auf Dauer bei Oma und Opa einziehen. Jedes Mal, wenn das Mädchen versucht, das ihrer Mutter gegenüber anzusprechen, bricht ihre Mutter in Tränen aus.

    Alleinerziehend zu sein ist eine Herausforderung.

    Allein zu erziehen ist heute keine Ausnahme mehr

    Es ist ein Grundrecht der Eltern und Kinder, einander sehen. Es ist es zum Wohle beider, eine gute Eltern-Kind-Beziehung aufrechtzuerhalten, auch wenn die Partnerschaft nicht gut verlaufen ist. Oft werden Besuchsregelungen außergerichtlich vereinbart. Wenn die Kommunikationsbasis und die Gesprächsbereitschaft der Elternteile nur bedingt gegeben sind, kann beim zuständigen Familiengericht ein Antrag auf Besuchsrechtsregelung gestellt werden. Hier wird von einem Familienrichter immer im Einzelfall entschieden, welche Regelung zum Wohle der Eltern-Kind-Beziehung notwendig ist. Es soll einer Entfremdung zwischen dem Kind und dem nicht mit dem Kind lebenden Elternteil entgegengewirkt werden.

    Eine gute Regelung zu finden ist meist tatsächlich nicht einfach. Oft scheint es, als gäbe es nur die Möglichkeit, dass einer der beiden Elternteile zurücksteckt. Dieser Elternteil verbringt dann weniger Zeit mit dem Kind. Somit hat es je nach Regelung dann oftmals den Anschein, als wäre dieser nur für die Freizeit und nicht so sehr für den Alltag zuständig. Dies finden viele getrennt lebende Elternteile als größtes Problem der Besuchsregelung. Da sich viele Elternteile nicht im Guten voneinander getrennt haben, entspricht es leider nicht immer der Realität, dass ein gutes Einvernehmen im Sinne des Kindes bei den Erwachsenen möglich ist.

    Organisation und gutes Zeitmanagement

    Alleinerziehende Elternteile beschreiben oft, für nichts wirklich Zeit und gleichzeitig das Gefühl zu haben, in allem hintennach zu sein. Auch die ständige alleinige Verantwortung, die zur Gänze auf den Schultern eines Elternteils liegt, wirkt manchmal problematisch.

    Es sind oftmals die Organisation und ein gutes Zeitmanagement, die eine große Erleichterung in die Einelternfamilie bringen können. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Kindererziehung ist ein wesentlicher Punkt, der eine große Herausforderung darstellen kann. Alleinerziehende Elternteile müssen oftmals aus der finanziellen Not heraus Vollzeit arbeiten. Diese mitunter schwierige Balance von Arbeit und Zeit für und mit dem Kind ist ein großer Zwiespalt, der auf den meisten alleinerziehenden Elternteilen lastet. Arbeit und damit Einkommen bedeutet auf der einen Seite mitunter eine gewisse finanzielle Sicherheit und Entlastung, aber gleichzeitig bleibt weniger Zeit für das Kind.

    Ohne Netzwerk geht's nicht

    Noch mehr als sonst besteht für Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher die Gefahr, dass sie vergessen, auf sich selbst zu schauen. Gerade wenn man allein ist und die Verantwortung für das Kind hat, ist es ganz wichtig, dass man lernt, um Hilfe zu bitten.

    Die ausreichende Kinderbetreuung ist es, worauf alleinerziehende Elternteile sehr angewiesen sind. Besonders über familiäre Unterstützung sind viele Alleinerziehende sehr froh, denn so kann leichter umstrukturiert werden, wenn das Kind krank ist, die Betreuungseinrichtung früher schließt oder das Kind zu diversen Freizeitaktivitäten gebracht werden muss. Dieses Netzwerk ist in der Einelternfamilie von noch größerer Wichtigkeit als für Elternteile in einer aufrechten und funktionierenden Partnerschaft.

    Ist ein Elternteil allein und im Alltag und in der Erziehung des Kindes auf sich allein gestellt, dann fällt die Psychohygiene weg. Dies ist noch ein Punkt, der das unterstützende Netzwerk so wichtig macht. "Geh, bitte, übernimm du mal unser Kind, mach du mal, ich halt es nicht mehr aus, ich brauche eine kurze Pause!" entfällt für die Alleinerziehenden. Wenn es keine Partnerin oder keinen Partner gibt, dann muss der alleinerziehende Elternteil mit den Konflikten mit dem Kind allein zurechtkommen, sie allein ausfechten und kann sich nicht kurz zurückziehen.

    Der andere Elternteil

    Ein zusätzlicher wichtiger Punkt ist, dass die Mutter oder der Vater nicht glauben dürfen, dass sie den anderen Elternteil ersetzen müssen und können. Das geht gar nicht und ist auch nicht sinnvoll.

    Ist das Kind beim anderen Elternteil, dann muss klar sein, dass dort mitunter andere Regeln gelten, dass manches dort anders funktioniert. Ist das Kind wieder zurück, dann erzählt es oftmals, wie es war, was es mit dem anderen Elternteil erlebt hat. Oder es berichtet, was nicht so toll war oder worüber es sich geärgert hat. Wenn sich das Kind über den anderen Elternteil ärgert oder kränkt, fällt es oftmals schwer, es nicht sofort in Schutz zu nehmen, das Leid des eigenen Kindes auszuhalten, nicht über den anderen Elternteil zu schimpfen, nichts Negatives über sie oder ihn zu sagen und sich möglichst neutral zu verhalten.

    Wie erleben Sie es, alleinerziehend zu sein?

    Was ist für Sie als Alleinerzieherin/Alleinerzieher die größte Schwierigkeit? Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, eine alleinerziehende Mutter oder ein alleinerziehender Vater zu sein? Wie schwer oder leicht war/ist es, eine geeignete Besuchsregelung für alle Beteiligten zu finden? Welche Faktoren waren ausschlaggebend für die Regelung, die Sie getroffen haben? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 23.3.2018)

    Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

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