Außenministerium rief Botschaftsmitarbeiter aus Israel zurück

    21. März 2018, 21:31
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    Der Attaché und FPÖ-Bezirksrat hatte sich auf Facebook in einem Identitären-Leibchen präsentiert, das Außenministerium prüft die Vorwürfe. Die Israelitische Kultusgemeinde fordert unterdessen den Rücktritt eines Burschenschafters im Hofer-Kabinett

    Wien – Jürgen-Michael Kleppich, Attaché an der österreichischen Botschaft in Israel, hat laut einem Bericht des "Falter" kurz nach Dienstantritt im Jänner 2018 ein Bild von sich in einem T-Shirt aus dem Identitären-Shop auf Facebook gepostet. Das Leiberl stammt demnach aus dem Sortiment von "Phalanx Europa", dem Onlinehandel des rechtsextremen Identitären Martin Sellner.

    Kleppich ist auch FPÖ-Bezirksrat in Wien-Leopoldstadt und Mitglied der deutschnationalen Mittelschulverbindung Vandalia. Laut "Falter" hat er einige Monate zuvor ein Bild seines Großvaters in Nazi-Uniform mit Hakenkreuz gepostet. Als Ende Jänner der niederösterreichische FPÖ-Politiker Udo Landbauer wegen der Nazi-Liederbuchaffäre zurücktrat, kommentierte Kleppich das auf Facebook mit: "Das hast Du nicht verdient, Udo Landbauer." Damals war Kleppich bereits offizieller Vertreter Österreichs in Israel. Auf seinem T-Shirt findet sich laut der Wochenzeitung eine Abkürzung des Spruchs "Ehre Freiheit Vaterland".

    Kneissl ordnet "rechtliche Prüfung" an

    Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) erteilte die Weisung, Attaché Kleppich "umgehend nach Wien einzuberufen, um die Umstände zu klären und die gegen ihn in den Medien erhobenen Vorwürfe einer rechtlichen Prüfung zu unterziehen".

    "Wir kennen den Bericht nur aus den Medien. Zusätzliche Informationen haben wir nicht", erklärte die österreichische Botschaft in Tel Aviv zu den Social-Media-Aktivitäten Kleppichs. "Wir werden die Vorwürfe rechtlich prüfen und allenfalls notwendige Schritte setzen", sagte der Pressesprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll.

    Die SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, Sabine Schatz, forderte wegen der Vorfälle ein Einschreiten von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Dieser müsse vom Koalitionspartner FPÖ Konsequenzen verlangen. "Österreichs internationales Ansehen steht auf dem Spiel", meinte Schatz.

    Und auch der rote Justizsprecher Hannes Jarolim will von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) Aufklärung. "Es ist absolut unbegreiflich, wie es dazu kommen konnte, dass ein Rechtsextremer, der sich mit der NS-Vergangenheit seiner Familie brüstet, Gesandter an der österreichischen Botschaft in Israel wurde", schrieb Jarolim am Donnerstag in einer Aussendung. Er kündigte eine Anfrage an Kneissl an, "um zu erfahren, wie es zur Bestellung von Jürgen Kleppich kommen konnte (...)." Hier werde man sich auch die Verantwortung von Kneissls Vorgänger, dem heutigen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ansehen müssen. Nicht ganz 100 Tage im Amt, stolpere "Schwarz-Blau (...) fast schon täglich von einem rechtsextremen 'Einzelfall' in den nächsten".

    IKG fordert Rücktritt von Hofer-Mitarbeiter

    Die Israelitische Kultusgemeinde verlangte unterdessen den Rücktritt des FPÖ-Bezirksrats Herwig Götschober. Der Kabinettsmitarbeiter von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) war wegen eines Liederbuchs seiner Burschenschaft Bruna Sudetia in die Schlagzeilen geraten.

    "Die jüdische Gemeinde ist schockiert, dass gerade im Bezirk Leopoldstadt, einem wesentlichen Teil der 'Mazzesinsel', in dem ein Großteil des traditionellen Judentums wohnt, sich in der Bezirksvertretung mit Herrn Götschober ein Mitglied befindet, das mit antisemitischem und neonazistischem Gedankengut in Verbindung gebracht wird", schrieb IKG-Präsident Oskar Deutsch in einem Brief an die grüne Bezirksvorsteherin Ursula Lichtenegger. Grüne und SPÖ wollen deshalb in der Bezirksvertretungssitzung eine gemeinsame Resolution einbringen. (APA, 20.3.2018)

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