"Wir für den ORF": Neue Plattform gegen politische Vereinnahmung des ORF

    20. März 2018, 11:22
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    Gruppe rund um Gerhard Ruiss und Willi Resetarits appelliert, Wrabetz' "Plan B" zum Umbau "nicht voreilig zu beschließen"

    Wien – Eine Gruppe rund um Gerhard Ruiss (IG AutorInnen) und Willi Resetarits ging am Dienstag mit einer neuen Website online. "Wir für den ORF" sei "eine neue Plattform für Menschen, die sich in den vergangenen Jahren in Initiativen rund um die Erhaltung von Ö1 im Funkhaus engagiert und vernetzt haben".

    Die Initiatoren wollen "der politische Vereinnahmung des ORF" ("Parteien! Finger weg vom ORF") entgegentreten. "Wie in Österreich die politischen Parteien in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hineinregieren, das passt nicht zu einer ausgereiften Demokratie. Weit reichende Entscheidungen (wie der geplante Funkhaus-Verkauf) werden im ORF vielfach nicht nach inhaltlichen Kriterien getroffen, ja manchmal nicht einmal nach dem Gebot sparsamen Wirtschaftens. Sondern sie sind Teil von parteipolitischen Strategiespielen und Fehden. Gleiches gilt für die Besetzung von Führungspositionen. In der derzeitigen politischen Konstellation haben die An- und Zugriffe auf die ORF-Berichterstattung ein unerträgliches Ausmaß angenommen", schreiben die Organisatoren der Plattform.

    Zu finden sind dort auch Texte und Videos zu Themen wie "Warum es ohne Gebühren nicht geht" oder auch "Warum der ORF sich selbst schadet".

    wir für den orf

    Appell an ORF-Stiftungsräte, Plan B nicht zu beschließen

    Die Initiative kritisiert auch die Pläne für den Umbau des ORF-Zentrums am Küniglberg. Wie berichtet entscheidet der ORF-Stiftungsrat am Donnerstag darüber. Dieser "Plan B" von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sieht Fernsehen, Radios und einen Multimedia-Newsroom auf dem Küniglberg vereint – und das ohne großen Zubau, für den die Flächenwidmung aussteht. Der Umbau soll 2021 abgeschlossen sein. Der Großteil der 303,7 Millionen Euro für das Bauprojekt geht in die Sanierung der bestehenden Gebäude aus den 1970ern. Für den ursprünglich geplanten, aber nun mangels Flächenwidmung aufgegebenen Neubau für Programmmitarbeiter inklusive Radio waren rund 70 Millionen Euro veranschlagt. Am Montag gab der Finanzausschuss des ORF-Stiftungsrat grünes Licht für das Projekt, nur die Betriebsräte Gudrun Stindl und Gerhard Moser stimmten wie berichtet dagegen.

    Die Initiative "Wir für den ORF" wehrt sich gegen diesen "Plan B" und setzt sich für den Verbleib der Radios (Ö1, FM4) im Wiener Funkhaus ein. "Die Erhaltung des Funkhauses ist nur eine – wenn auch wichtige – Rahmenbedingung für die Erhaltung und Stärkung eines unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich. Dafür werden wir kämpfen", so die Initiatoren.

    "Ohne die umstrittenen Neubauten auf dem Küniglberg können rund 80 Millionen Gebührengelder erspart werden", heißt es unter dem Punkt "Kostenlüge" / Standortfrage und die Verantwortung der Stiftungsrät/innen". Die Sanierung des Funkhauses koste bei weitem nicht so viel Geld, rechnet dort die Gruppe vor. Die Initiatoren vom wirfürdenorf.at appellieren an die Stiftungsräte "den aktuellen 'Plan B' der Geschäftsführung in der Stiftungsratssitzung am 22. März nicht voreilig zu beschließen". (red, 20.3.2018)

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