Dorothy in "Golden Girls": Sarkasmus, Sex und Käsekuchen

    Blog20. März 2018, 06:00
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    Die US-Sitcom setzte in den 1980ern feministische Maßstäbe. Starke Rollen für Frauen jenseits der 40 fehlen bis heute

    Auch wenn Feministinnen längst dabei sind, die Film- und Fernsehbranche gehörig umzukrempeln: TV-Serien, in denen Frauen im Zentrum stehen und die auch von Frauen produziert werden, sind nach wie vor rar. "The Golden Girls", kreiert von Autorin und Produzentin Susan Harris, war somit in jeder Hinsicht revolutionär. 1985 startete die US-Sitcom, in der vier Frauen – allesamt älter als 50 – in einer Wohngemeinschaft in Miami leben und mit Großmütterklischees so gar nichts am Hut haben: Sex und miese Dates sind im Frauenhaushalt von Dorothy, Sophia, Blanche und Rose ebenso Thema wie Freundschaft, Verlust und schwierige Beziehungen. Selbst gesellschaftspolitische Fragen wie Rechte für Lesben und Schwule, Sterbehilfe und HIV wurden in der Serie angepackt – die Golden Girls waren ihrer Zeit weit voraus.

    Spitze Zunge

    Auch wenn alle vier Protagonistinnen mit Witz und schrägen Charakterzügen glänzen, Beatrice Arthur als Dorothy Zbornak ist der heimliche Star der Serie. Nach der Scheidung von ihrem untreuen Ehemann Stanley schließt sich die Aushilfslehrerin der Wohngemeinschaft an, wenig später folgt ihre Mutter Sophia, die nach dem Brand im Seniorenheim eine neue Bleibe sucht. Obwohl die beiden Schauspielerinnen Beatrice Arthur und Estelle Getty in etwa gleich alt waren, traten sie in "Golden Girls" als Mutter-Tochter-Gespann auf – Getty alterte überzeugend mit Oma-Frisur, übergroßer Brille und Korbtasche.

    Als sizilianische Einwanderin hat Sophia stets ein Pasta-Rezept und eine zynische Bemerkung über das karge Liebesleben ihrer Tochter parat, übertroffen wird ihre italo-amerikanische Schlagfertigkeit nur von Dorothy selbst (Blanche: "Dorothy, seit wann interessierst du dich dafür, wie du aussiehst?" – Dorothy: "Seitdem ich meinen Buckel habe entfernen lassen und vom Glockenturm gestiegen bin!").

    gary mcgillvray

    Ob es die naiven Fragen der Provinzlerin (Betty White als Rose Nylund) oder die ausschweifenden sexuellen Abenteuer der Südstaaten-Schönheit Blanche Devereaux (Rue McClanahan) sind: Dorothy verkneift sich keinen spitzen Kommentar, der dank Arthurs dunkler Stimme noch treffsicherer klingt. Spätabends sitzen die Frauen regelmäßig am Küchentisch zusammen und lassen bei einem Stück Kuchen den Tag Revue passieren, zwischen all den Sticheleien ist es stets die Frauensolidarität, die letztendlich großgeschrieben wird.

    Ausgezeichnet

    Für ihre Rolle als Dorothy Zbornak gewann Arthur, die ihre Schauspielkarriere am Theater begonnen hatte, 1988 einen Emmy, mehrfach war sie für einen Golden Globe Award als beste Serienhauptdarstellerin nominiert. "Vier alte Frauenzimmer, die noch immer ein Sexleben haben; wer hätte gedacht, dass diese Serie jemals produziert würde, und erst recht ein Hit?", kommentierte die 2009 verstorbene Schauspielerin den Erfolg der "Golden Girls". (Brigitte Theißl, 20.3.2018)

    Info

    Die Reihe "Idealbesetzung" stellt neue, alte oder zeitlose Figuren aus der Popkultur vor, die unkonventionell, emanzipatorische Rolemodels oder aus anderen Gründen besonderer Beachtung wert sind.

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    • Blanche, Rose, Sophia und Dorothy: Die Golden Girls (1985–1992) waren eine kleine Revolution.
      foto: reuters/ho

      Blanche, Rose, Sophia und Dorothy: Die Golden Girls (1985–1992) waren eine kleine Revolution.

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