Burgenland-Gemeinden gegen Lückenschluss der A3 nach Ungarn

    19. März 2018, 07:00
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    Der Südostautobahn fehlen zehn Kilometer bis zur ungarischen Grenze. Es regt sich Widerstand – das Projekt könnte teuer werden

    Eisenstadt – Die A3, die Wien via Guntramsdorf mit Eisenstadt verbindet, soll nun bald auch ihre internationale Rolle ausfüllen. Bis 2021 will Ungarn seine hochrangige Verbindung zwischen Győr und Sopron fertiggestellt haben, schon jetzt ist man damit in Kapuvár, beginnt schon mit Trassenplanungen für eine Nordumfahrung von Sopron. Die Frage ist nur, wo diese M85 dann an die Staatsgrenze geführt werden wird.

    Denn im Burgenland ist man noch beim Ausstreiten. Zehn Kilometer trennen die A3 von der Grenze bei Klingenbach. Aber die möglichen Trassen führen durch vier einschlägig kampfeslustige Gemeinden: Klingenbach, Zagersdorf, Siegendorf und Wulkaprodersdorf; Letzteres hat sich schon 2005 in einer Volksbefragung mit 90 Prozent gegen den Weiterbau der Autobahn ausgesprochen.

    foto: der standard
    Während in Ungarn schon fleißig an der Verbindung Győr–Sopron gebaut wird, wird in Österreich noch geplant.

    Verkehrslandesrat Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat nun beim zuständigen Minister Norbert Hofer (FPÖ) schon deponiert, dass ohne kommunale Zustimmung auch das SPÖ-FPÖ-regierte Land sich querlegen werde. Und er hat diesbezüglich die Hürde noch höher gelegt. Die A3-Anrainer Müllendorf und Großhöflein, die seit langem um einen ordentlichen Lärmschutz kämpfen, werden ebenfalls ein Mitspracherecht erhalten.

    Verkehrsminister Hofer, der als Burgenländer die heikle Angelegenheit sehr gut kennt, steht mit der bauführenden Asfinag vor einigen Herausforderungen. Vor allem beim Nadelöhr bei Siegendorf, wo die A3 dann quer durch die alte Zuckerfabrik führen soll, die zum Teil unter Denkmalschutz steht. Der Zuckerfabrik auszuweichen ist kompliziert, sie ist umgeben von weitläufigen Gewerbegebieten. Demnächst wird dort sogar das 26. Einkaufszentrum des Burgenlands eröffnet.

    Die Ungarn machen Planungsdruck. In Österreich, so heißt es aus dem Hofer-Büro, "ist ein Vorprojekt in Ausarbeitung". Nach derzeitigem Stand wird "von einem frühestmöglichen Baubeginn im Jahr 2024 ausgegangen". Es liege an Ungarn "zu entscheiden, ob derzeit ein Ausbau bis Sopron-West oder bis zur Staatsgrenze erfolgen soll". Ein verbindlicher Grenzübergabepunkt könne aber erst nach Abschluss eines UVP-Verfahrens in Österreich festgelegt werden.

    Aufgehobenes Tonnagelimit

    Mit der M85, darauf hat Doskozil hingewiesen, wird auf ungarischer Seite auch die derzeitige Tonnagebeschränkung von 20 Tonnen aufgehoben werden. Der bislang über Deutschkreutz und die S31 geleitete Schwerverkehr hätte damit eine attraktive Route nicht nur zur A2 Richtung Süden, sondern über die A21 auch eine Wien südumfahrende Weststrecke, eine Ausweichroute für die notorisch stauenden A4 und S1.

    Zurzeit, heißt es aus Doskozils Büro, queren täglich mehr als 20.000 Fahrzeuge die Grenze bei Klingenbach, davon rund 900 Lkws. Doch die Wirtschaft beim Nachbarn brummt. Die im Gemeinderat vertretene Unabhängige Dorfliste Wulkaprodersdorf, die seit langem gegen den A3-Ausbau eintritt, schätzt, dass mit der Autobahn 2035 rund 45.000 Fahrzeuge und 2.000 Lkws vorbeirauschen werden. Zusätzlich zum Verkehr auf der B50 und der S31 am anderen Ende des Ortes, der solcherart in einen hochrangigen Verkehrszwickel gerät.

    Die Asfinag – das ist wohl auch die Botschaft des diesbezüglich martialischen Doskozil – wird also tief ins Börsel greifen müssen, um die Autobahnlücke zu schließen. Ohne "Einhausung" wird es nicht gehen. Wenn die Planung konkret genug sei, sagt Norbert Hofers Büro, "wird der Minister rechtzeitig mit den betroffenen Gemeinden Kontakt aufnehmen". (Wolfgang Weisgram, 19.3.2018)

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