Ein Marketing-Mitarbeiter verdient 2.300 Euro netto

    16. März 2018, 11:11
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    Außerdem ist unser Gesprächspartner auch selbstständig als Fotograf tätig. Sein Ziel: 2.000 Euro Umsatz pro Jahr

    "Hobby und Beruf vereinen: Ich bin froh, dass mir das gut gelungen ist. Mit meinem Gehalt bin ich auch zufrieden. Ich arbeite derzeit in einer Marketingabteilung und bin dort für den gesamten Werbe- und Webauftritt verantwortlich. Wir haben ein kleines Jobportal, das ich programmiert habe. Ich produziere sämtliche Image- und Produktvideos und -fotos – bin von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung für alles zuständig.

    Angestellt bin ich Vollzeit, also 38,5-Stunden. Überstunden werden mit Zeitausgleich abgegolten. Ich verdiene brutto im Monat circa 3.550 Euro, das sind netto nicht ganz 2300 Euro. Wobei ich mindestens zwei- bis dreimal im Monat auf Dienstreise bin und die Diäten dann auch noch dazukommen. Das sind 50 bis 100 Euro netto.

    Ich habe eine sechs Monate alte Tochter, und da braucht man jeden Cent, den man kriegen kann. Kindererstausstattung, Maxi-Cosi, Windeln ... Das summiert sich. Auch die Einrichtung kostet. Man kann natürlich alles auf Willhaben kaufen, aber wir wollten es neu und nach unserem Geschmack einrichten. Das Kinderzimmer wollten wir uns einfach leisten und haben dafür ein bisschen Geld in die Hand genommen. Beim ersten Kind ist man da vielleicht noch recht wählerisch, zumindest meine Frau.

    Nebenberuflich Fotograf

    Sie bezieht Karenzgeld, vorher hat sie in einer Bank im Marketing gearbeitet. Monatlich bekommt sie 1.840 Euro. Die Hälfte davon legt sie sich aber weg, weil sie zwei Jahre daheim bleibt, und das gehaltsabhängige Karenzgeld bekommt man ja nur für ein Jahr.

    Unsere größte Ausgabe ist die Miete für die Wohnung. Sie beträgt inklusive Betriebskosten 683 Euro. Dazu kommt noch die GIS-Gebühr (21 Euro), Internet (20 Euro) und Strom (40 Euro). Wir haben zusätzlich noch ein Sky-Abo, das 50 Euro kostet und ein bisschen in die Kategorie "Vergessen zu kündigen" fällt, das wir aber bald beenden möchten. Netflix haben wir außerdem auch (zehn Euro).

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    Fotos und Produktvideos produzieren: Das seien seine Hauptaufgaben, sagt ein Marketing-Mitarbeiter, mit dem der STANDARD für diese Serie gesprochen hat. Mit seinem Gehalt von rund 2.300 Euro ist er zufrieden.

    Unser Familienauto leasen wir um 213 Euro pro Monat. Die Vollkaskoversicherung kostet 112 Euro pro Monat, die ÖAMTC-Mitgliedschaft 170 Euro im Jahr. Dann haben wir noch eine Haushaltsversicherung (jährlich 120 Euro), eine Unfallversicherung (63 Euro im Monat) und eine Rechtsschutzversicherung (zehn Euro im Monat) und jeweils eine Ablebensversicherung (jährlich pro Person 100 Euro).

    Sparen können wir derzeit 250 Euro. Zudem haben wir beide eine Pensionsvorsorge (monatlich jeweils 200 Euro), die wir auch als Anlage sehen.

    Meine Hobbys? Ich spiele E-Gitarre in einer Hardrockband. Hier könnte man natürlich endlos Geld investieren, aber das habe ich mittlerweile zurückgeschraubt. Mein teuerstes Hobby war bisher aber immer die Fotografie.

    Mediendesign studiert

    Seit circa einem halben Jahr arbeite ich nebenberuflich selbstständig als Fotograf. Mit meinen Einnahmen kann ich nun das Equipment finanzieren. Mittlerweile ist es alles zusammengenommen circa 5.000 Euro wert. Ich forciere das Fotografie-Business aber nicht aktiv, ich bin nicht jemand, der Kunden anschleift. Meistens ergeben sich Aufträge irgendwie. Hauptsächlich schieße ich auch hier Imagebilder – Porträts oder Produktfotos. Landschaften sind nur ein Hobby.

    Wie viel ich nebenbei fotografiere, schwankt extrem. Es gibt Zeiten, zum Beispiel nach Weihnachten, in denen ich gar nichts mache. Und dann gibt es wieder Spitzenzeiten, wo ich jeden Abend zwei, drei Stunden sitze und Fotos bearbeite oder Shootings plane. Mein Ziel ist, dass ich circa 2.000 Euro im Jahr mit der Fotografie umsetze.

    Beigebracht habe ich mir die Fotografie mehr oder weniger selbst. Zwar hatte ich in meinem Studium einige Kurse, aber wirklich dafür interessiert habe ich mich erst danach. Ich habe mir Videos auf Online-Plattformen angeschaut, dort kann man alles Mögliche zum Thema Fotografie lernen.

    foto: der standard
    Überblick über die Einnahmen und Ausgaben.

    Studiert habe ich Mediendesign. Normalerweise wird man danach entweder selbstständig, landet in einer Agentur oder kommt, wenn man Glück hat – so wie ich -, in ein Unternehmen, das aus einer anderen Branche als der Kreativbranche kommt, aber Unternehmensvideos produziert.

    Angefangen zu arbeiten habe ich ebenfalls in der Marketingabteilung, bei einer anderen Firma. Dort habe ich vier Jahre lang genau dasselbe gemacht, dabei aber wesentlich schlechter verdient. Brutto waren es 2.500 Euro. Ein passables Einstiegsgehalt, das aber kaum gestiegen ist. Dann habe ich von meinem jetzigen Arbeitgeber ein Angebot bekommen und mit einem Schlag 800 Euro mehr verdient.

    Zukunftsfeld Video

    Videos sind auf jeden Fall ein Feld der Zukunft. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Jobausschreibungen es gibt, aber interessanterweise finden sich schwer Mitarbeiter. Kürzlich wollten wir jemanden einstellen, der dasselbe machen soll wie ich – wir hatten echte Probleme, Leute zu finden.

    Der Bedarf wird immer größer. Immer mehr Firmen leisten sich eine Person, die Social Media macht, einen Medien-Alleskönner. Weil Bewegtbild einfach immer stärker an Bedeutung gewinnt." (Gesprächsprotokoll: Lisa Breit, 16.3.2018)

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    Weitere Teile der Serie:
    * Fluglotse: "Man verdient netto bis zu 5.000 Euro"
    * Tierärztin bekam "nicht einmal zehn Euro netto pro Stunde"
    * Ikea-Mitarbeiterin über Mindestgehalt: "Kein Lottogewinn"
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