Was Geldroboter für Anleger interessant macht

    17. März 2018, 12:00
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    Automatische Algotrader stehen in der Kritik, haben aber einen Vorteil für Investoren: Sie profitieren von Marktverwerfungen

    Wien – Für sogenannte Algotrader oder Hochfrequenzhändler war 2017 kein allzu gutes Jahr. Denn sie haben völlig andere Interessen als normale Anleger. Zu geradlinig ging es an den Aktienmärkten nach oben, kaum Verwerfungen waren an den Finanzmärkten auszumachen, von denen sie überdurchschnittlich profitieren hätten können. Sie nutzen Computerprogramme und blitzschnelle Leitungen zu den Börsenbetreibern, um geringste Zeitvorteile dazu zu nutzen, selbstständig in Sekundenbruchteilen an den Märkten zu kaufen und zumeist sofort wieder zu veräußern.

    Viele kleine Transaktionen mit geringen Gewinnen summieren sich so zum Reibach für die Algotrader – und das funktioniert am ertragreichsten, wenn es an den Börsen kräftig rumpelt. Entsprechend dünn sind die Erträge dieser auch als Geldroboter bezeichneten Anlagevehikel im Vorjahr ausgefallen, wie die Finanzberichte der börsennotierten Vertreter offenbaren. Einer davon ist die US-Firma Virtu Financial, ein weiterer die niederländische Flow Traders, die im Vorjahr etwa einen Ertragseinbruch um mehr als die Hälfte auf knapp 40 Millionen Euro verzeichnete. Doch heuer zeichnet sich dank der kräftigen Korrektur der Wall Street im Februar eine Trendwende ab.

    Zeitgleich mit dem Volatilitätsindex VIX, der auch als Angstbarometer der Aktienanleger gilt, machte die Aktie einen Satz nach oben – was das Papier auch für Privatanleger als Depotbeimischung interessant macht. Denn durch die Flow-Traders-Aktie konnten etwa die Kursverluste des US-Aktienmarkts gemessen am Dow Jones, der von seinem Rekordhoch binnen weniger Tage um mehr als zehn Prozent absackte, merklich geglättet werden. Das Papier des Geldroboters aus den Niederlanden schoss in demselben Zeitraum nämlich um mehr als 50 Prozent nach oben.

    Somit stellt das Geschäftsmodell dieser Unternehmen gewissermaßen eine Art Absicherung gegen Tumulte am Gesamtmarkt dar. In normalen Börsenphasen wie dem Vorjahr sollte man sich jedoch keine überdurchschnittlichen Renditen von Algotradern erwarten.

    Kritik an Algotradern

    Derartige Geldroboter stehen auch vielerorts in der Kritik: Sie würden die Finanzmärkte destabilisieren und ihre Erträge auf Kosten anderer Marktteilnehmer wie Pensionskassen, Fondsanbieter oder auch Privatanleger erzielen, lauten jene Kritikpunkte, die etwa der Linzer Autor und frühere Europaabgeordnete Martin Ehrenhauser generell gegen Hochfrequenzhändler anführt. Darüber hinaus sollen diese Algotrader einen Beitrag zum sogenannten Flash Crash am 6. Mai 2010 geleistet haben, als die Kurse an der Wall Street ohne offensichtlichen Auslöser plötzlich verrückt spielten – bevor sich die Lage ebenso rasch wieder beruhigte.

    Algotrader wie Flow Financial verstehen sich selbst als sogenannte Liquidity Provider, die durch ihre zahlreichen Kauf- und Verkaufsaufträge einen flüssigen Handel an den Märkten ermöglichen würden. Dessen ungeachtet regt sich Widerstand gegenüber ihren Geschäftsmodellen, obwohl bisher alle Bemühungen, ihr buntes Treiben einzuschränken, im Großen und Ganzen erfolglos geblieben sind. Wer sich für solche Aktien erwärmen kann, sollte freilich bedenken, dass sich das in Zukunft ändern kann. (Alexander Hahn, 17.3.2018)

    Buchbesprechung

    Schattenseiten der Hochfrequenzhändler

    Auch wenn weite Teile der Bevölkerung zumindest indirekt betroffen sind, ist das aktuelle Buch des Linzers Martin Ehrenhauser wohl nicht an die breite Masse adressiert. Wer sich nicht für Finanzmärkte und die Abläufe an den Börsen interessiert, wird mit "Die Geldroboter" nicht allzu viel anfangen können. Denn der Autor und frühere parteilose EU-Abgeordnete setzt ein gewisses Fachwissen voraus, wenn er die Branche der Algotrader und Hochfrequenzhändler unter die Lupe nimmt – und durchaus hart mit dieser ins Gericht geht.

    Spannend sind die Details über die Funktionsweise der Geldroboter, die vereinfacht gesagt mit unzähligen Blitztransaktionen, bei denen Wertpapiere mitunter nur für Sekundenbruchteile gehalten werden, ihre Gewinne erzielen. Dass sie sich bei den eingesetzten Strategien oft hart an der Grenze des Erlaubten und mitunter auch jenseits davon bewegen, bleibt freilich nicht unerwähnt. Ebenso, dass aus Ehrenhausers Sicht deren Erträge letzten Endes zulasten anderer Marktteilnehmer gehen.

    Es kommt klar heraus, dass der Autor kein großer Freund dieser Entwicklung ist. Er übt nicht nur Kritik an den Geldrobotern an sich, sondern auch an Börsenbetreibern, bei denen er einen gewissen Interessenkonflikt ortet – etwa wenn es darum geht, gewisse Machenschaften der Hochfrequenzhändler einzudämmen. Das wäre zwar im Interesse eines funktionierenden Marktes, könnte aber womöglich die Handelsumsätze verringern, woran ein Börsenbetreiber gut verdient. Auch die Strategie der Wiener und der Deutschen Börse, bewusst Geldroboter zur Erhöhung der Liquidität anzulocken, betrachtet Ehrenhauser kritisch.

    Zu karg ausgefallen ist jedoch die optische Präsentation des Buches. Charts oder Grafiken sucht der Leser ebenso vergeblich wie ausgelagerte Kästen, in denen etwa Fachbegriffe erklärt werden. Bedauerlich, denn das hätte die ebenso komplizierte wie interessante Materie leichter verdaulich gemacht. (aha)

    Martin Ehrenhauser, Die Geldroboter. Wie Hochfrequenzmaschinen unser Erspartes einkassieren und Finanzmärkte destabilisieren.
    € 17,90 / 224 Seiten. Promedia Verlag, Wien, 2018.
    • Zu schnell für menschliche Akteure: Vollautomatischer Hochfrequenzhandel an den Börsen durch Geldroboter steht vielerorts in der Kritik.
      foto: ap photo/ahn young-joon

      Zu schnell für menschliche Akteure: Vollautomatischer Hochfrequenzhandel an den Börsen durch Geldroboter steht vielerorts in der Kritik.

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