Gürtelrose: Die juckenden Bläschen in den Griff bekommen

    17. März 2018, 10:00
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    Herpes Zoster, wie die Gürtelrose genannt wird, heilt in der Regel gut ab. Eine Schmerztherapie kann sinnvoll sein

    Für viele Menschen sind sie eine Kindheitserinnerung: die Windpocken. Die Haut juckt, es bilden sich rote Bläschen, und die Eltern tupfen sie mit einer weißen Tinktur ab, um den Juckreiz etwas zu lindern. Auslöser ist das Varicella-Zoster-Virus, meist trifft es Kinder unter zehn Jahren.

    Ähnlich wie bei Fieberblasen bleibt das Virus nach dem Abheilen der Bläschen das ganze Leben lang im Körper. Bei vielen Menschen, in Österreich sind es rund 30.000 pro Jahr, kommt das große Jucken später in Form einer Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, wieder zurück. "Die Gürtelrose ist keine neue Infektion, sondern ein Wiederaufflammen des Varicella-Zoster-Virus", erklärt Wolfram Hötzenecker, Vorstand der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Kepler-Universitätsklinikums in Linz.

    Starke Nervenschmerzen

    Warum das Virus im Laufe des Älterwerdens bei vielen Menschen erneut ausbricht, ist noch unklar. Ein möglicher Grund dafür könnte eine leichte, altersbedingte Immunschwäche sein. "Das Virus wandert die Nervenbahnen entlang nach vorne, deshalb haben Betroffene oft starke Nervenschmerzen", sagt Hötzenecker. An jenen Hautteilen, die von diesen Nerven versorgt werden, zeigt es sich in Form von juckenden Bläschen.

    Da Gürtelrose auch zu den Indexerkrankungen für eine HIV-Infektion zählt, ist Vorsicht geboten. Das heißt: Wenn jüngere Menschen über einen längeren Zeitraum und in schwerer Form betroffen sind, sollte auf ärztlichen Rat hin ein HIV-Test durchgeführt werden.

    Gute Behandlungsaussichten

    Die Gürtelrose kann in der Regel gut behandelt werden. Im Normalfall gilt: sieben Tage Schmerzen, sieben Tage Bläschen und sieben Tage Abheilung. Je früher ein Dermatologe aufgesucht wird, desto besser. So können Dauer und Schwere der Krankheit beeinflusst und mögliche Komplikationen vermieden werden.

    Wann sollte man zum Arzt gehen? Die Erkrankung beginnt meistens mit Schmerzen, die sich nicht zuordnen lassen. Sobald sich aber Bläschen auf der Haut zeigen, ist ein Mediziner gefragt. Dieser stellt die Diagnose und schätzt ab, ob der Patient ambulant behandelt werden kann oder stationär aufgenommen werden muss.

    Mehrstufiger Behandlungsplan

    Wer von Herpes Zoster betroffen ist, sollte die Hautstellen vor kalter Luft und Zugluft schützen – auch noch bis zu mehrere Wochen nach der Erkrankung. Die Behandlung selbst erfolgt auf mehreren Ebenen. Erstens hemmen Virustatika die Verbreitung der Viren, die Bläschen heilen schneller ab. Gleichzeitig wird die Gefahr einer postzosterischen Neuralgie vermindert. Dabei handelt es sich um chronische Nervenschmerzen, die auch nach Abheilung der Bläschen bestehen bleiben können.

    Zweitens wird eine Zinkschüttelmixtur auf die rote, entzündete und von Bläschen geplagte Haut aufgetupft. Ist diese eingetrocknet, wirkt eine klassische Wundsalbe unterstützend beim Abkrusten.

    Drittens hilft eine frühzeitige Einnahme von Schmerzmitteln, da die Gürtelrose meist mit starken Schmerzen verbunden ist. "So wird verhindert, dass sich der Nerv weiter entzündet und die Schmerzen sich verselbstständigen", sagt Hötzenecker.

    Mögliche Komplikationen

    Zu Komplikationen kann es unter anderem dann kommen, wenn die Gürtelrose im Gesicht auftritt, weil möglicherweise auch Auge oder Ohr betroffen sind. Die Gefahr besteht besonders bei älteren oder immungeschwächten Menschen.

    Eine gefürchtete und langwierige Komplikation ist die bereits beschriebene postzosterische Neuralgie: Die Nervenschmerzen werden chronisch und schießen wie aus dem Nichts ein. Sie können besonders bei älteren Menschen und noch Monate nach der Abheilung auftreten. "Die Schmerzen beeinträchtigen den Patienten in der Lebensqualität enorm", betont Hötzenecker. Robert Müllegger, Leiter der Abteilung Dermatologie und Venerologie am Landeskrankenhaus Wiener Neustadt, weist in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit einer frühzeitigen Schmerztherapie hin.

    Schmerzen mittels Kombitherapie reduzieren

    "Die Therapie einer Post-Zoster-Neuralgie ist schwierig und komplex. Viele Patienten sind therapierefraktär, sprich: Sie reagieren nicht ausreichend auf die Behandlung", erklärt Müllegger. Daher empfiehlt er eine Kombination verschiedener schmerzstillender Medikamente. Ziel sei es, eine Schmerzreduktion von mindestens 30 bis 50 Prozent zu erreichen. Seit einigen Jahren sei auch ein spezielles Pflaster erhältlich, dessen Vorteil in der rein äußerlichen Anwendung liege und somit frei von nennenswerten Nebenwirkungen sei. Eine komplette Schmerzfreiheit sei bei einer Gürtelrose jedoch unrealistisch, so der Mediziner.

    Geringe Ansteckungsgefahr

    Ist die Gürtelrose ansteckend? Wer als Kind die Windpocken hatte, und das ist der Großteil der Bevölkerung, ist immun und kann sich nicht erneut anstecken. Für jene, die keine Windpocken hatten, gilt: Die Gürtelrose ist nur im Bläschenstadium, also rund fünf bis sieben Tage lang, übertragbar. Eine Infektion ist aber auch dann unwahrscheinlich, man müsste schon die Bläschen aufkratzen und danach die Hand zum Mund führen.

    Wer vorbeugen möchte, kann sich seit 2007 gegen Herpes Zoster impfen lassen. Die Impfung wird allen gesunden Menschen ab 50 Jahren empfohlen. "Sie hat sich jedoch noch nicht durchgesetzt", sagt Hötzenecker. (Maria Kapeller, 17.3.2018)

    • Im Normalfall gilt: sieben Tage Schmerzen, sieben Tage Bläschen und sieben Tage Abheilung.
      foto: getty images/istockphoto

      Im Normalfall gilt: sieben Tage Schmerzen, sieben Tage Bläschen und sieben Tage Abheilung.

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