US-Zölle: Industrie warnt vor Folgen für Österreichs Metallverarbeiter

14. März 2018, 14:06
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Die Industriellenvereinigung spricht sich gegen umgehende EU-Gegenmaßnahmen aus, falls die USA-EU-Gespräche scheitern sollten

Wien/Brüssel/Washington – Die geplanten US-Strafzölle beschäftigen nicht nur europäische Politiker, die diese noch verhindern wollen, sondern vor allem potenziell betroffene Unternehmen. Unmittelbar handelte es sich dabei gemäß den bisherigen US-Plänen um klassische Alu- und Stahlerzeuger. Es könnte aber zu noch größeren Folgen für die metallverarbeitende Industrie kommen, die in Österreich verhältnismäßig groß ist, warnt die IV.

Klassische Alu- und Stahlerzeuger gibt es in Österreich nur je fünf. Die größten sind die Voestalpine und die Amag. Die Amag hat bereits bekanntgegeben, einen Gewinnrückgang im Millionenbereich zu erwarten, falls es zu den neuen Zöllen in den USA kommt. Im Gegensatz zur Voestalpine, die etwaige Auswirkungen noch prüft, produziert die Amag nicht in den USA. Die Voestalpine tätigt etwa zwei Drittel ihrer US-Umsätze von rund einer Milliarde Euro als lokaler Erzeuger in den USA. "Wieder eine andere Sache ist, wie die USA künftig Regeln zum US-internen Warenhandel ausländischer Firmen ausgestaltet", gibt der IV-Bereichsleiter Internationale Beziehungen, Michael Löwy, hierzu zu bedenken.

Lieferkettenreaktion

Für etwaige Gesamtauswirkungen auf die Austrowirtschaft ist laut Löwy besonders relevant, inwieweit die metallverarbeitende Industrie betroffen sein könnte. "Denn diese ist in Österreich groß." Sollte die Nachfrage großer europäischer bzw. vor allem deutscher Stahlzentren aufgrund der neuen Zölle nachgeben, könnten heimische Firmen über die Lieferkette womöglich stark betroffen sein. "Das wäre das schlechteste Szenario", sagt der Fachmann im APA-Gespräch. Unmittelbar wären relativ wenige Firmen betroffen, während über die Lieferketten der metallverarbeitende bzw. Automotive-Zulieferindustrie sehr wohl viele Unternehmen mit Auswirkungen zu rechnen hätten, so Löwy.

Laut Löwy sind derzeit die Berechnungen des des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) am konkretesten: In Österreich würden laut einer ersten Schätzung des WIIW die Gesamtexporte um 230 Millionen Dollar (186,96 Millionen Euro) sinken. Zum Vergleich: 2017 lagen Österreichs Ausfuhren laut Statistik Austria bei insgesamt rund 142 Milliarden Euro.

Von den österreichischen Gesamtausfuhren entfielen im Vorjahr 9,66 Milliarden Euro auf die USA – davon knapp 564 Millionen Euro auf Eisen und Stahl bzw. Waren aus Eisen und Stahl. Weitere knapp 160 Millionen Euro entfielen auf Aluminium bzw. Waren aus Aluminium. Angenommen, die Stahlexporte würden wegen der Zölle wie vom WIIW berechnet um 20 bis 30 Prozent einbrechen: Dies bedeutete, dass die Verluste bei Eisen- und Stahl(waren)ausfuhren in die USA 113 bis 170 Millionen Euro betragen würden. Bei Alu und Aluwaren wären es 32 bis 48 Millionen Euro. Das wären addiert bis zu knapp 220 Millionen Euro. In beiden Fällen sind etwaige Rückgänge über die Lieferketten nach Deutschland noch nicht eingerechnet.

Hohes Investitionsvolumen

Löwy betonte die enge Verwobenheit der US- und der österreichischen Wirtschaft, die weit über die direkten Einfuhren und Ausfuhren hinausgingen, auch mit den hohen gegenseitigen Direktinvestitionen. Die heimischen Direktinvestitionen in den USA machen 9,7 Milliarden Euro aus, jene der USA in Österreich 15,6 Milliarden Euro. "Damit sind die USA drittgrößter Investor in Österreich, und für uns sind die USA die fünftwichtigste Destination für Direktinvestitionen."

Die IV ist gegen sofortige Gegenmaßnahmen der EU, falls die Gespräche zwischen der Union und der USA scheitern sollten. Wie soll die EU aus IV-Sicht nun vorgehen? Als Erstes gelte es, mit den USA Gespräche zu führen und im Gespräch zu bleiben. "Es sollte nicht sofort mit Gegenmaßnahmen auf die schlechte, protektionistische Politik geantwortet werden. Trotzdem muss – auch im Sinne anderer Handelspartner – klar sein, dass, wenn die USA bei der unglücklichen Linie mit den Zöllen bleiben, die EU in allerletzter Konsequenz auch mit Zöllen reagiert", so Löwy.

Ein solcher Schritt solle aber "nicht umgehend" gesetzt werden: "Wenn die Gespräche scheitern, muss man sich Zeit lassen. Die Positionen müssen überdacht und die Effekte der US-Politik abgewartet werden. Erst dann sollte signalisiert werden, dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden", so Löwy. Dabei verwies er gegenüber der APA darauf, dass schon frühere US-Präsidenten wie George Bush schlussendlich nur vorübergehend auf auch auf Stahl erhobene Zölle gesetzt hätten, da sie kontraproduktiv gewesen seien. Auch aktuell gebe es in den USA etwa von renommierten Thinktanks Widerstand gegen die Zollpläne.

Die IV ist übrigens auch davon überzeugt, dass es Probleme wie mit den von Trump geplanten Zöllen so nicht gäbe, wenn zwischen der EU und den USA ein Freihandelsabkommen existierte. Mit einem solchen würde der Handel nämlich geregelter laufen. Dass Trump aber auch Freihandelspartnern "Probleme" macht, zeigen Streitigkeiten rund um die Ausgestaltung der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta. (APA, 14.3.2018)

  • Im Vorjahr exportierte Österreich Aluminiumwaren im Wert von rund 700 Millionen Euro in die USA.
    foto: apa/afp/fayez nureldine

    Im Vorjahr exportierte Österreich Aluminiumwaren im Wert von rund 700 Millionen Euro in die USA.

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