Uni Graz will ihr Forschungsprofil schärfen

14. März 2018, 14:08
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Zu den Schwerpunktbereichen sollen unter anderem die alternde Gesellschaft und der Klimawandel zählen

Graz – Die Uni Graz setzt ihre Forschungsstrategie neu auf: Mit fünf "Profilbildenden Bereichen" sollen wissenschaftliche Leistungen national und international stärker positioniert werden. Lösungen für gesellschaftliche Entwicklungen und globale Herausforderungen wie den Klimawandel stehen thematisch im Zentrum.

Rektorin Christa Neuper hat die Eckpunkte des Konzepts vorgestellt: "Angesichts der Fülle an wissenschaftlichen Disziplinen an der Uni Graz braucht es einzelne Forschungsbereiche, die wir gebündelt noch stärker nach außen tragen, um die internationale Sichtbarkeit und Wahrnehmung des gesamten Hauses zu erhöhen", beurteilte sie die bisherige Positionierung der größten steirischen Universität. Der neuerstellte Entwicklungsplan der Jahre 2019 bis 2024 sehe daher auch ganz dezidiert sogenannte "Profilbildende Bereiche" vor.

Schwerpunkte

Zwei dieser Bereiche haben sich laut Neuper aus "schon sehr erfolgreichen bisherigen Schwerpunkten" entwickelt und widmen sich zwei der wohl größten Herausforderungen unseres Jahrhunderts – alternde Gesellschaft und Klimawandel. Der erste geplante Profilbereich "BioHealth – Biowissenschaften des Stoffwechsels und des Alters" basiert auf den bisherigen Erkenntnissen der Grazer Forscher in den Molekularen Biowissenschaften. Dieser Bereich wird sich – eng verknüpft mit dem Grazer BioTechMed-Verbund und der NAWI-Graz-Kooperation – mit der Identifizierung von Biomarkern beschäftigen. Diese können metabolische und altersassoziierte Erkrankungen voraussagen. Weiters sollen Fragen rund um den demografischen Wandel aus kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive erforscht werden.

Der Profilbereich "Klimawandel und Nachhaltige Transformation" werde aus dem bisherigen Forschungsschwerpunkt "Umwelt und Globaler Wandel" weiterentwickelt. Angelpunkt bleibe das international dicht vernetzte Grazer Wegener Center für Klima und Globalen Wandel. Beteiligt seien aber insgesamt fünf Fakultäten. Die Forscher wollen effiziente und ethisch vertretbare Strategien des Übergangs zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln.

Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz

Bis 2021 sollen sich außerdem noch drei weitere Forschungskomplexe zu zusätzlichen "Profilbildenden Bereichen" entwickeln. Sie umfassen die Themen "Complexity of Life in Basic Research and Innovation" (COLIBRI), "Regulierung, Information und Anreize im innovativen Umfeld" sowie "Dimensionen der Europäisierung", wie Neuper darlegte. Verbindendes Element aller dieser Komplexe sei die gesellschaftliche Relevanz: "Sie greifen Fragen der Zukunft für unsere Gesellschaft auf. Es wird vor allen Dingen auch versucht, nicht nur Effekte zu beschreiben, sondern auch Lösungen zu entwickeln", erklärte die Rektorin.

In Aussicht gestellt werden für diese "Profilbildenden Bereiche" zusätzliche Professuren, Prä- und Post-Doc-Stellen, Gastprofessuren sowie weiteres Personal und Forschungsinfrastruktur. Dafür werden neben der zukunftsorientierten Ausrichtung auch interdisziplinäre Zusammenarbeit und internationale Forschungserfolge eingefordert. Zu den Kriterien zählen weiters eine Teamgröße von mindestens fünf Professuren und zehn Habilitierten. Weiters wird der Aufbau "einer Nachwuchsgruppe auf Spitzenniveau verlangt, wie etwa eines Doktoratkollegs".

Bisherige Forschungsschwerpunkte, die nicht in den neuen Profilbereichen aufgehen, sollen laut Neuper als "Netzwerke" fortgeführt werden. Sie sollen verstärkt Verbund- und Großforschungsprojekte an Land ziehen, um sich weiterzuentwickeln. Diese können u.a. weiters Unterstützung durch gezielte Professuren und "Anschubfinanzierungen" erhalten. "Alle bisherigen Schwerpunkte wurden evaluiert und daraus die neue Strategie entwickelt", begründete die Grazer Rektorin die Neuausrichtung.

"Unkonventionelle Forschung"

Die im Jahr 2013 initiierte Förderung der "Unkonventionellen Forschung" werde laut Neuper weitergeführt. Die bisherigen fünf Projekte, die nicht alltägliche Fragestellungen bearbeitet hatten, seien "sehr gut gelaufen". Auch sie können in Forschungsnetzwerken weitergeführt werden oder langfristig zu Profilbildenden Bereichen ausgebaut werden. "Ich halte diese Schiene für extrem wichtig, um auch wieder Neues entstehen zu lassen", kommentierte Neuper.

Der Ende 2017 vom Universitätsrat beschlossene Entwicklungsplan ist die Grundlage für die kommende Leistungsvereinbarung für die Jahre 2019 – 2021 mit dem Wissenschaftsministerium, in der die finanzielle Basis der Universität festgelegt wird. Die Verhandlungen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Karl-Franzens-Universität Graz zählt rund 32.000 Studierende, die aus 120 angebotenen Studien wählen können. Jährlich beginnen rund 5.000 Personen ein Studium, 3.200 schließen es ab. In Forschung Lehre und Management sind rund 4.300 Personen tätig. Zuletzt betrug das Budget jährlich rund 216 Millionen Euro. (APA, 14. 3. 2018)

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