Moskau giftet nach Vorwürfen aus London zurück

    13. März 2018, 17:23
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    Kreml vermutet britischen Geheimdienst hinter der Tat

    Zwischen London und Moskau eskaliert der Konflikt um den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal im britischen Salisbury. Während Großbritanniens Premierministerin Theresa May eine Beteiligung Russlands "höchstwahrscheinlich" nennt und mit Sanktionen droht, streitet Moskau diese nicht nur ab, sondern greift seinerseits die britischen Behörden an.

    "Das ist eine Zirkusshow im britischen Parlament", sagte die offizielle Vertreterin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Es handle sich um eine "weitere politische Informationskampagne, die auf Provokationen basiert", fügte sie hinzu. Großbritannien solle lieber die Ermittlungen zum Tod des Ex-FSB-Agenten Alexander Litwinenko oder des Exil-Oligarchen Boris Beresowski offenlegen, "ehe sie neue Märchen erzählen".

    Kremlchef Wladimir Putin dementierte ebenfalls eine russische Beteiligung an der Tat. Die Briten sollten den Fall erst einmal aufklären, ehe sie Russland verdächtigten, sagte er auf Anfrage der BBC. Der Duma-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin drehte den Spieß um und erhob Vorwürfe gegen London. Russland sei am wenigsten am Tod des Überläufers interessiert. "Das britische Parlament sollte einmal Theresa May in der Situation ernsthaft vernehmen. Es ist sonnenklar, dass Behörden und britischer Geheimdienst darin verwickelt sind", sagte der Parlamentschef.

    König Fußball war's

    In Moskau fallen diese Behauptungen auf fruchtbaren Boden. Die These, dass der MI6 selbst hinter der "Liquidierung" des Doppelagenten steckt, wird schließlich im russischen Fernsehen seit Tagen breitgetreten. Dmitri Kisseljow, wichtigster Propagandamann Moskaus, behauptete in seiner Wochensendung "Westi Nedeli", Skripal sei als "billiges Verbrauchsmaterial" zusammen mit seiner Tochter Julia "entsorgt worden", um die Russophobie in Großbritannien weiter zu schüren. Ziel sei möglicherweise, einen Boykott der Fußball-WM in Russland zu erreichen. (André Ballin aus Moskau, 13.3.2018)

    • An den Zirkus fühlt sich Maria Sacharowa erinnert.
      foto: reuters/karpukhin

      An den Zirkus fühlt sich Maria Sacharowa erinnert.

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