Wienwert enttäuschte Interessenten

14. März 2018, 06:00
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Der Langzeit-Mietvertrag im Goldenen Quartier dürfte den Verkauf von Wienwert nicht erleichtert haben. Ex-Chef Gruze war 2016 in finanzieller Not

Wien – Aus dem Verkauf der Wienwert ist nichts geworden, die Gesellschaft meldete Insolvenz an. DER STANDARD erfuhr von potenziellen Kaufinteressenten, dass sich deren Erwartungen nicht erfüllt haben. So sei die Rede davon gewesen, dass die staatliche Bundespensionskasse (BPK) in vier Projekte mit der Wienwert involviert sei – tatsächlich seien es aber nur zwei verkaufbare Projekte.

Die BPK hat Aufgriffsrechte auf diese 50/50-Joint-Venture-Projekte – ob sie diese Rechte ausüben werde, habe sie aber nicht bekanntgegeben, erzählt ein in die Sache Involvierter. Dass sich die BPK diese Entscheidung vorbehalten hat, erhöhe vor allem das Risiko von Käufern, "die nicht politisch perfekt vernetzt sind", wie er meint.

Im Goldenen Quartier

Was den Verkauf der Wienwert durch die insolvente Mutter WW Holding auch nicht leichter gemacht haben dürfte: Die Büros wurden nach dem Verkauf des Firmensitzes am Wiener Getreidemarkt ins Goldene Quartier beim Wiener Kohlmarkt übersiedelt – nicht gerade die billigste Adresse in Wien. Dort sollen unter Wienwert-Chef Stefan Gruze 400 Quadratmeter Büroräumlichkeiten angemietet worden sein – zum Quadratmeterpreis von 25 bis 30 Euro. Und: Der Vertrag soll mit 15-jähriger Bindung abgeschlossen worden sein.

Gruze hätte gern seinen Vorstandsvertrag ausgezahlt, da geht es dem Vernehmen nach um zwei Millionen Euro. Ein weiteres Risiko stellen Anleihen in Untergesellschaften dar, die ein Volumen von acht Millionen Euro haben und für die eine Change-of-control-Klausel gilt. Die wäre beim Verkauf der Wienwert schlagend geworden, die Gläubiger hätten also das Recht gehabt, ihre Forderungen beim Erwerber geltend zu machen. All diese Risiken fallen in der Insolvenz weg – jedenfalls aus Sicht der Kaufinteressenten.

Chef am LImit

Gruze selbst war zumindest Ende Februar 2016 finanziell auf dem Boden. Aus einer dem STANDARD vorliegenden E-Mail von einem seiner Anwälte an einen Gläubiger geht hervor, dass Gruzes Gesamtverbindlichkeiten fast vier Millionen Euro betrugen. Er plane ein Insolvenzverfahren in Großbritannien, Quote sei keine zu erwarten. Diese finanzielle Angespanntheit behandelte Gruze offenbar sehr diskret, bei den Wienwert-Anlegern war davon offiziell nichts bekannt. Zum Zeitpunkt des Schreibens leitete Gruze bereits die heutige WW Holding AG, dort war er seit Oktober 2016 operativ tätig. (Renate Graber, 14.3.2018)

  • Smart war einmal bei Wienwert. Jetzt zittern Anleger um ihr verborgtes Geld.
    foto: apa / helmut fohringer

    Smart war einmal bei Wienwert. Jetzt zittern Anleger um ihr verborgtes Geld.

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