Soros-Uni soll in zehn Otto-Wagner-Pavillons in Wien ziehen

12. März 2018, 16:39
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Der CEU-Campus soll 2022 fertig sein, davor wird ab 2019 eine Übergangslösung angedacht

Wien/Budapest – Die private Central European University (CEU) plant einen weiteren Standort in Wien. Ein diesbezügliches Memorandum of Understanding könnte noch kommende Woche zwischen der vom US-Milliardär gegründeten Uni und der Stadt Wien unterzeichnet werden. "Dieses Memorandum ist ausverhandelt und unterschriftsreif", sagte Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur, dem STANDARD. Die Wirtschaftsagentur hatte das Papier mit ausgearbeitet. Unterschreiben werden es Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Michael Ignatieff, der Rektor der Privatuni in Budapest und CEU-Präsident. Schon im Oktober 2017 war die CEU mit den Wien-Plänen an Häupl herangetreten.

Campus auf Otto-Wagner-Areal

Ausverhandelt ist auch der Standort der Uni: Der Campus soll auf dem Otto-Wagner-Areal bei den Steinhofgründen in Wien-Penzing eingerichtet werden – wobei das Areal wie bisher frei zugänglich bleibt. Laut Hirczi hat die CEU der Stadt auch angeboten, einen Mietvertrag über 99 Jahre für den Campus auf der Baumgartner Höhe zu unterschreiben. Bürgermeister Häupl sprach von einer "Jahrhundertchance". Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, die der Uni bereits im April 2017 einen Umzug nach Wien in Aussicht gestellt hatte, freute sich über ein "Best-Case-Szenario".

Die CEU wurde 1991 von US-Milliardär und Investor George Soros gegründet. Begonnen wurde mit zwei Standorten in Budapest und Prag, wobei die Universität auf politischen Druck 1996 zur Gänze nach Ungarn ziehen musste. Neben Ungarn gibt es auch einen Campus am Bard College in New York. Der Lehrbetrieb findet aber ausschließlich in Budapest statt. Rund 1500 Studierende besuchen die CEU in Budapest.

"Bis zu 1500 Studierende" in Wiener CEU

Von "bis zu 1500 Studierenden" in Wien geht auch Hirczi aus. Diese Plätze sollen offiziell zusätzlich zur CEU in Ungarn geschaffen werden. "Auch wenn wir eine CEU in Wien entwickeln, so bleibt Budapest der Hauptstandort", wird CEU-Präsident Ignatieff in einer Aussendung zitiert.

Inoffiziell ist die Einrichtung der Privatuni in Wien aber auch ein mögliches Exit-Szenario, sollten die ungarischen Repressionen gegen die CEU zunehmen. So war die Uni im Vorjahr wegen einer Änderung des Universitätsgesetzes zeitweise mit der Schließung bedroht. Regierungschef Viktor Orbán erklärte George Soros gar zum "Staatsfeind". Aktuell laufen laut Ignatieff aber noch Verhandlungen zwischen dem Bundesstaat New York, in dem sich die CEU-Außenstelle in den USA befindet, und Ungarn.

Spital wird bis 2022 abgesiedelt

Die Privatuni soll nach Informationen des STANDARD in zehn Pavillons des Otto-Wagner-Spitals (OWS) ziehen. Die Nutzfläche soll bis zu 25.000 Quadratmeter betragen, etwa ein Drittel des OWS. Das Spital des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) soll bis 2022 abgesiedelt sein, dann wird nach Sanierungsarbeiten der Campus eingerichtet – und damit die jahrelang debattierte Nachnutzung des Areals eingeläutet.

Die CEU selbst will aber schon im Wintersemester 2019/20 mit vorerst 500 Studenten mit dem Betrieb in Wien starten. Infrage kommende Gebäude für eine dreijährige Zwischenlösung werden aktuell gesucht, sagt Hirczi. (David Krutzler, 12.3.2018)

  • Zehn Jugendstil-Pavillons des Otto-Wagner-Spitals sollen ab dem Jahr 2022 als Privatuniversität nachgenutzt werden. Das Areal bleibt für die Öffentlichkeit zugänglich.
    foto: erlacher / wse / pid

    Zehn Jugendstil-Pavillons des Otto-Wagner-Spitals sollen ab dem Jahr 2022 als Privatuniversität nachgenutzt werden. Das Areal bleibt für die Öffentlichkeit zugänglich.

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