Britischer Genetik-Pionier und Nobelpreisträger John Sulston gestorben

    12. März 2018, 11:58
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    Sulston, der maßgeblich an der ersten Genom-Entschlüsselung eines Tiers beteiligt war und das Human Genome Project mitverantwortete, verstarb im Alter von 75 Jahren

    London/Wien – Der britische Biologe und Genetiker Sir John Edward Sulston ist tot. Wie der "Guardian" berichtet, starb der Forscher, der maßgeblich am Human Genome Project beteiligt war und 2002 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde, bereits vergangene Woche im Alter von 75 Jahren.

    Sulston studierte in den 1960er Jahren an der Universität Cambridge Biologie und organische Chemie und wechselte dann ans Salk Institute for Biological Studies nach San Diego. In dieser Zeit lernte er die Molekularbiologen Francis Crick und Sydney Brenner kennen, die ihn stark beeinflussten. 1969 kehrte er an die Universität Cambridge zurück, wo er sich mit dem Entwicklungsprozess des Fadenwurms Caenorhabditis elegans befasste. Zunächst kartierte er die Neuronen dieses Wurms, der in der Neurobiologie einen wichtigen Modellorganismus darstellt, und sequenzierte dann gemeinsam mit Kollegen nach und nach das gesamte Erbgut des Fadenwurms.

    Nobelpreis für einen "Antikapitalisten"

    Caenorhabditis elegans wurde damit zum ersten Tier, dessen Genom vollständig entschlüsselt werden konnte. Für seine "Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der genetischen Regulierung der Organentwicklung und des programmierten Zellsterbens" wurde Sulston 2002 gemeinsam mit Sydney Brenner und H. Robert Horvitz der Medizinnobelpreis zugesprochen.

    Sulston war Mitbegründer und Direktor des Wellcome Trust Sanger Institutes in Cambridge, das unter seiner Führung am internationalen Human Genome Project beteiligt war. Der selbsternannte "Antikapitalist" plädierte stets für die freie Veröffentlichung aller wissenschaftlicher Ergebnisse und warnte insbesondere vor einer Kommerzialisierung im Bereich der Genetik. Sulstons Kampf für Informationsfreiheit ging über die Wissenschaft hinaus: Er unterstützte etwa auch Wiki-Leaks-Gründer Julian Assange finanziell.

    "Wir alle fühlen den Verlust eines großen wissenschaftlichen Visionärs, der bahnbrechende Beiträge zum Verständnis der Welt geleistet hat", sagte der amtierende Direktor des Wellcome Trust Sanger Institutes, Mike Stratton, zum "Guardian". Sulston, seit 1966 verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, starb vergangenen Dienstag wenige Wochen vor seinem 76. Geburtstag. (dare, 12.3.2018)

    • John Sulston auf einem Archivbild aus dem Jahr 2001.
      foto: ap/adam butler

      John Sulston auf einem Archivbild aus dem Jahr 2001.

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