Global 2000 kritisiert "Ölheizungslobby" als Klimaschädling

12. März 2018, 10:55
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Die Mineralölindustrie mache sich mitschuldig am Verfehlen der heimischen CO2-Ziele – Neuanlagen seien umweltschonender als alte Heizungen, kontert die Branche

Wien – Die Umweltorganisation Global 2000 übt angesichts der Klimaschutzziele, zu denen sich Österreich bekannt hat, Kritik an der heimischen "Öl-Lobby", die weiter an Ölheizungen festhalte, wenn auch mit effizienteren Neugeräten anstelle alter Anlagen. Anstelle von Ölheizungen sollte der Einbau klimafreundlicher Heizsysteme zum Standard erklärt werden, dafür seien "Gebote" in den Bauordnungen nötig.

Obwohl es zahlreiche Bekenntnisse der Politik gebe, würden wirksame Maßnahmen bisher ausbleiben, so Global 2000 am Montag in einer Aussendung. Der frühere Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hatte im Jahr 2016 mehrfach für ein Verbot von Ölheizungen in Neubauten bzw. bei Umrüstungen plädiert. Der niederösterreichische Landtag hat im Mai 2017 ein Verbot für den Einbau von Ölheizungen in Neubauten ab dem Jahr 2019 beschlossen.

"Nicht bereit, Klimaschutzkurs mitzutragen"

Die heimische Mineralölindustrie mache sich mit der von ihr mitgetragenen Initiative "Heizen mit Öl" (HMÖ) "mitschuldig am Verfehlen der österreichischen Klimaziele", kritisierte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000. Der Branche warf er vor, sie sei "nicht bereit, den Klimaschutzkurs Österreichs mitzutragen". Allein zwischen 2012 und 2016 seien von HMÖ mehr als 61 Mio. Euro für die Förderung der Ölheizung ausgegeben worden.

Voriges Jahr hat die Zahl der Anträge auf Einbau einer neuen Ölheizung in Österreich mit 5.763 den höchsten Wert seit dem Jahr 2011 erreicht. 2016 waren von der HMÖ 5.502 Anträge bearbeitet und dafür 14,8 Mio. Euro an Beiträgen verbucht worden. Bis heute wolle die Mineralölindustrie den Ausstieg aus Öl im Raumwärmebereich nicht akzeptieren, lautet der Vorwurf von Global 2000. Konsumenten würden sich durch ihre Entscheidung für das klimaschädlichste Heizsystem auf Jahrzehnte abhängig von Öllieferungen machen, hieß es zur APA.

"Erklärungsbedarf" bei OMV

Namhafter In-Verkehr-Bringer von Heizöl sei die OMV, die habe "Erklärungsbedarf", meint Global 2000: Denn der Konzern, der zu 31,5 Prozent im Besitz der Republik Österreich steht, handle hier gegen die erklärten Klimaziele seines größten Aktionärs. Offenbar gebe es hier ein "millionenschweres Engagement der OMV". Dabei habe der größte OMV-Aktionär, die Republik, zuletzt 500 Mio. Euro für die Verfehlung von Klimazahlen habe bezahlen müssen.

Von der Umweltorganisation auf die "HMÖ"-Initiative angesprochen, erklärte die OMV, die Förderaktion der Branche unterstütze Haushalte, Heizungsmodernisierungen ohne Belastung öffentlicher Budgets zu finanzieren, damit diese umweltschonender heizen könnten. "Bis 2020 können durch die Aktion 2,48 Mio. t CO2 eingespart werden, womit die Aktion knapp 30 Prozent zu den Einsparungen im Gebäudesektor beiträgt. Durch einen Umstieg von alten Ölkesseln auf moderne Öl-Brennwerttechnik kann der Heizölverbrauch und damit der CO2-Ausstoß bis zu 40 Prozent gesenkt werden." (APA, 12.3.2018)

  • Ölheizungen von Konzernen wie der OMV würden dazu beitragen, dass Österreich seine Klimaschutzziele verfehlt, kritisiert Global 2000.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    Ölheizungen von Konzernen wie der OMV würden dazu beitragen, dass Österreich seine Klimaschutzziele verfehlt, kritisiert Global 2000.

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