Bergauf, bergab – auf der Rolltreppe durch Wien

    12. März 2018, 08:31
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    Rolltreppen in Wiener U-Bahn-Stationen fallen immer dann auf, wenn sie ausfallen. Jede von ihnen ist maßgefertigt, die längste Fahrt gibt es in Simmering

    Wien – Dieser Tage vor 40 Jahren wurde mit der U1 die erste "richtige" U-Bahn-Linie in Wien eröffnet. Mit der Verfrachtung der Passagiere unter die Erdoberfläche etablierte sich im Stadtbild ein weiteres Beförderungsmittel, das primär auffällt, wenn es ausfällt: die Rolltreppe.

    Vor allem, wenn man nach einem anstrengenden Arbeitstag die Einkäufe transportiert und Richtung aufwärts vor einem Absperrgitter steht, während die danebenliegende Abwärtsführende fröhlich vor sich hin surrt, drängt sich die Frage auf: Kann man die Richtung der fahrenden Stufen bei Bedarf nicht einfach umdrehen? Bergauf ist ja anstrengender als bergab.

    Kann man, weiß Barbara Pertl, die Pressesprecherin der Wiener Linien. Also im Prinzip. Allerdings: Ab einer gewissen Länge der Konstruktion und ab einer gewissen Betriebsdauer exklusiv in nur eine Richtung, die zu Abnützung des Materials führt, lässt sich der Lauf der Treppe nicht mehr aufhalten, bedauert Pertl. Wo es aber möglich sei, werde versucht, die Fahrt Richtung Erdboden zu ermöglichen.

    Mit 2,34 km/h im Spitzenfeld

    Insgesamt gibt es in der Bundeshauptstadt 352 Stück der Fahrtreppen, wie sie technisch eigentlich korrekt heißen, im U-Bahn-Netz. Und jede von diesen ist eine Maßanfertigung, wie Pertl im Gespräch mit dem STANDARD erklärt. Das sei auch der Grund, warum Reparaturen teilweise länger dauern, da auf die entsprechenden Teile gewartet werden muss.

    Apropos Geschwindigkeit: Da liegt man laut Pertl in Wien rolltreppenmäßig im Spitzenfeld. Mit 2,34 Kilometern pro Stunde liege man hinter Hongkong (2,7 Stundenkilometer und Prag (bis zu 3,24 km/h) weltweit auf Platz drei. Wobei: Es gibt nur drei verschiedene gesetzlich erlaubte Geschwindigkeitsstufen, in Wien wird die zweite verwendet. Die noch vorhandenen rasenden Treppen in Prag sollen sukzessive ausgetauscht werden.

    500 bis 800 Verletzte pro Jahr

    Die Geschwindigkeitsbegrenzung hat auch einen Sinn: Wird es zu schnell, steigt die Verletzungsgefahr beim Betreten und Verlassen der Rolltreppen. An den Tücken der Technik verletzen sich jährlich gar nicht so wenige Menschen.

    Konkrete Zahlen hat man beim Kuratorium für Verkehrssicherheit zwar nicht, aber eine Hochrechnung: In den vergangenen Jahren seien jährlich zwischen 500 und 800 Menschen mit Hauptwohnsitz in Österreich gemeldete Menschen in die Unfallambulanzen gekommen, um rolltreppeninduzierte Verletzungen behandeln zu lassen – kleinere Prellungen oder Schürfwunden nach Stürzen sind da also ebenso wenig eingerechnet wie Unfälle von Touristen.

    Wer in Wien übrigens den Nervenkitzel möglichst lange auskosten möchte, dem sei die Station Zippererstraße im Bezirk Simmering an der Linie U3 empfohlen. Dort befindet sich nämlich die mit 53 Metern mit Abstand längste Rolltreppe des Netzes. Den größten Höhenunterschied überwindet man laut Wiener-Linien-Sprecherin Pertl dagegen an der U1 im zehnten Hieb: 35 Meter weiter oben steigt man aus, wenn man die Station Altes Landgut per Fahrtreppe verlässt. (Michael Möseneder, 12.3.2018)

    • Fahrtreppen erleichtern das Weiterkommen in den Wiener U-Bahnstationen. Wenn sie fahren.
      foto: heribert corn

      Fahrtreppen erleichtern das Weiterkommen in den Wiener U-Bahnstationen. Wenn sie fahren.

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