Serbiens Außenamt fädelte Strache-Interview offenbar selbst ein

    9. März 2018, 21:41
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    In dem brisanten Interview hatte der Vizekanzler den Kosovo als "einen Teil Serbiens" bezeichnet

    Wien/Belgrad – Vier Wochen nach seinen brisanten Statements haben sich die Wogen geglättet, doch nach STANDARD-Recherchen tun sich neue Fragen auf. Rückblick: Vor seinem Besuch in Belgrad am 12. Februar gab Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) der serbischen Zeitung "Politika" ein E-Mail-Interview, in dem es hieß: "Kosovo ist zweifellos ein Teil Serbiens. Die seinerzeitige Anerkennung durch Österreich haben wir heftig kritisiert, sie ist allerdings jetzt Tatsache und kann wohl nicht mehr geändert werden."

    Brisanter Mail-Verlauf

    Dieser Befund führte zu Irritationen, zumal dies nicht der türkis-blauen Regierungslinie entspricht und auch nicht im Interesse des österreichischen Staates liegt. Denn die heimische Wirtschaft ist in Südosteuropa sehr aktiv, und die Republik hat bisher politisch recht ausgewogen agiert.

    Doch im Originalinterview von "Politika", das dem STANDARD vorliegt, findet sich auch eine angeschlossene E-Mail-Konversation – und darin heißt es: "Ich schicke Dir das Originalinterview auf Deutsch mit Strache, das wir von Nada Krstic vom Außenministerium bekommen haben." Krstic ist niemand Geringerer als die Pressechefin des serbischen Außenministeriums.

    Auf die Frage, ob das Interview gar vom serbischen Außenministerium selbst gemacht wurde und nicht von "Politika", erklärte Chefredakteur Žarko Rakić: "Es ist möglich. Ich bin nicht sicher." Das Brisante daran: "Politika" gilt als Zeitung, die der serbischen Regierung sehr nahesteht.

    Keine Reaktion

    Nach dieser Antwort wandte sich der STANDARD in mehreren E-Mails an Frau Krstic, um zu erfragen, wer das Interview denn eingefädelt habe, ob das serbische Außenministerium an Strache herangetreten sei – und ob das Außenministerium selbst die Fragen gestellt habe. Bis dato hat Krstic nicht reagiert.

    Von Straches Sprecher Martin Glier wiederum war per E-Mail ebenfalls nicht zu eruieren, wer das umstrittene Interview veranlasst hat – die serbische Seite oder der österreichische Vizekanzler selbst. Bis heute auch unklar: Wer die Fragen in Wien per E-Mail beantwortet hat. Denn Strache selbst hat nach der Aufregung rund um seine Kosovo-Aussagen erklärt, dass sein Pressesprecher den Text übermittelt habe, ohne dass er selbst diesen gesehen habe.

    Thema für Straches Umfeld "erledigt"

    Aus dem Umfeld von Vizekanzler Strache heißt es zu alledem auf erneute Anfrage nur: "Die Geschichte ist für uns erledigt" – und es sei auch "unerheblich, wer das Interview eingefädelt" habe. Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal wiederum überbrachte auf Nachfrage die knappe Nachricht aus dem Büro Strache, dass "zu dem Thema alles gesagt" sei.

    Das Strache-Interview gilt jedenfalls als PR-Coup für Außenminister Ivica Dačić. Denn beim Besuch des österreichischen Vizekanzlers in Belgrad bedankte sich Dačić auch ausdrücklich dafür, dass Strache "seinen Standpunkt zum Kosovo nicht geändert" habe, seit er der österreichischen Regierung angehöre. Das "Interview" von "Politika" erschien dann just eine Woche, bevor sich der zehnte Jahrestag der Unabhängigkeit des Kosovo jährte. Zudem starten jetzt die Verhandlungen für ein Abkommen zwischen Serbien und dem Kosovo.

    "Vizekanzler missbraucht"

    Der prorussisch orientierte Dačić plädiert dabei für eine Teilung des Kosovo in einen "serbischen" und einen "albanischen" Teil. Strache nahm im Interview dazu eine Position ein, die den Interessen Serbiens entspricht. Prishtina erschiene ihm in dieser Hinsicht "sehr uneinsichtig", erklärte er.

    Der kosovarische Vizepremier Enver Hoxhaj sagt hingegen zu alledem: "Ich bedaure sehr, dass ein Vizekanzler Österreichs vom serbischen innenpolitischen Diskurs missbraucht wird." (Adelheid Wölfl, 9.3.2018)

    • Zu Fragen rund um Straches Interview gibt es kaum Auskunft.
      foto: ap photo/ronald zak

      Zu Fragen rund um Straches Interview gibt es kaum Auskunft.

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