Flughafen Wien sucht den Glamourfaktor

11. März 2018, 09:00
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Der Wettbewerb zwischen Flughäfen wird härter. Sie buhlen nicht nur um Flugreisende. Mit Gastronomie und Unterhaltung wollen sie auch andere Gäste locken

Wien – Von den führenden Flughäfen Europas ist Wien ein gutes Stück entfernt. Auch wenn die Zahl der Passagiere auf 24,4 Millionen gestiegen und Gewinn und Umsatz gewachsen sind: Gemessen an der Passagierzahl rangiert Schwechat nur auf Platz 25, weit hinter Amsterdam, Frankfurt, München und Zürich. Selbst in Kopenhagen, Oslo oder Stockholm ist mehr los. Angesichts des härter werdenden Wettbewerbs keine sehr komfortable Position.

Vor allem was den Flugbetrieb betrifft. Denn Flughäfen wie Wien befinden sich angesichts ihrer Größe zwischen regionalen und internationalen Drehscheiben in einer undankbaren Sandwichposition, die Gefahr laufen, Transferpassagiere an die größere Konkurrenz zu verlieren. Und die rüstet kräftig auf – vor allem wenn man Richtung Westen blickt. Und sie stellt ihr Geschäft zunehmend auf mehrere Beine.

Zürich entwickelt eine eigene Destination

Zürich etwa investiert rund eine Milliarde Schweizer Franken in den sogenannten Circle, ein neues Geschäftsviertel am Flughafen. Mit neuen Hotels, einem Convention-Center für Kongresse, Meetings, Galadinner oder Konzerte. Daneben sollen Galerien und Pop-ups als Publikumsmagnet entstehen. "Der Flughafen soll nicht nur erweitert, sondern eine eigene Destination werden", gab Andreas Schmid, Präsident des Flughafen-Verwaltungsrats die Devise aus. "Zürich stößt damit in eine neue Dimension vor", sagt Stefan Höffinger. Der Unternehmensberater und Geschäftsführer von Hoeffingersolutions hat sich in einer Studie, die dem STANDARD vorliegt, angesehen, wie sich Wien im internationalen Vergleich schlägt. Sein Resümee: Zwar stimme die Richtung, aber es gibt Luft nach oben. Für Höffinger lohnt neben Zürich (29,4 Mio Passagiere) unter anderem auch der Blick nach Amsterdam (68,5 Mio. Passagiere), Frankfurt (64,5 Mio. Passagiere) und München (44,6 Mio. Passagiere).

Wachsen außerhalb des Flugbetriebs

Was man dort lernen kann: Wachstumschancen bieten sich außerhalb des reinen Flugbetriebs. Die Flughäfen punkten mit einer "langfristigen Strategie" und sind sehr erfolgreich im Immobilienmanagement. Während Wien in diesem Segment gut ein Drittel erwirtschaftet, schaffen die besten der Konkurrenz mehr als die Hälfte.

Die Absicht, dies zu ändern, besteht. Denn auch der Flughafen Wien baut kräftig aus. Über 1000 Jobs sollen heuer entstehen, 500 allein durch ein Logistikzentrum der Deutsche-Post-Tochter DHL. Die Vertragsunterzeichnung ist für Montag anberaumt. Auf der Agenda stehen nach NH und Moxy auch der Bau eines dritten Hotels und die Errichtung des neuen Bürogebäudes Office Park 4, das direkt vor dem Tower gebaut wird. Der Spatenstich für das 60-Millionen-Euro-Projekt ist im Frühjahr geplant, die Inbetriebnahme 2020. Darüber hinaus soll ein Gesundheitszentrum entstehen. 175 Millionen Euro werden investiert. Schaut man auf die Konkurrenz, ist die mancherorts konzeptionell schon sehr viel weiter. "Da wäre auch die Politik gefragt", sagt Höffinger.

Entwicklung der Region

Denn die weltweite Entwicklung geht immer mehr Richtung Aerotropolis, also Entwicklung der ganzen Region. Man will für nicht flughafentypische Besucher attraktiv werden. Auch da hapert es in Wien. In Zürich ist etwa das Angebot in Sachen Shopping und Gastronomie dreimal so groß. Die Münchner haben sich neben einem ausgefeilten Angebot an Offices auch ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm überlegt. Beachvolleyball, Weihnachtsmarkt und Eisbahn gehen auch am Flughafen, findet man dort. Die Kunden finden das offenbar gut. Für sie ist München Europas bester Flughafen. (11.3.2018)

  • Noch ist in Zürich Baustelle. Auch beim Circle ist man vom Glamour-Faktor noch weit entfernt. Doch künftig sollen hier neben Geschäftsleuten auch Freizeithungrige für emsiges Treiben sorgen.
    foto: reuters/arnd wiegmann

    Noch ist in Zürich Baustelle. Auch beim Circle ist man vom Glamour-Faktor noch weit entfernt. Doch künftig sollen hier neben Geschäftsleuten auch Freizeithungrige für emsiges Treiben sorgen.

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