Mattersburg spricht vom Europacup

11. März 2018, 09:34
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Das beste Team der Rückrunde empfängt Salzburg, Trainer Gerald Baumgartner spricht erstmals vom Erreichen des Europacups. Vorerst noch als Motivationshilfe

Mattersburg – Höchstwahrscheinlich hat dem Marco Rose auch ein wenig das Herz im Leib gelacht. Angemerkt hat man es dem Trainer der Salzburger allerdings nicht, selbst nach dem überragenden 2:1 in Dortmund. Ja, meinte der stets so gelassen Wirkende, "wir ließen Dortmund wenig Luft zum Atmen und haben fleißig verteidigt". Aber: "Erledigt ist noch nichts." Noch im Siegerinterview vergaß er nicht, die Seinen via Puls 4 zu mahnen, jetzt den Fokus auf Mattersburg zu legen.

Dort gastieren die so erfolgreichen Europacupstreiter – die Österreich wohl einen Champions-League-Fixplatz erspielt haben – am Sonntag. Eine in vielerlei Hinsicht spannende Begegnung ist das.

Immerhin gastiert da der Meister beim punktegleichen Tabellenführer der Rückrunde. Beide sind seit sieben Runden ohne Niederlage. Und im Halbfinale des Cups wird man sich unter den Pappeln wiedersehen.

Dort hat sich – bei aller gebührenden Beachtung des Klasseunterschieds – auch einiges getan in den vergangenen anderthalb Jahren. Gerald Baumgartner, von 2005 bis 2012 Coach im Kälberstall, hat sich vom Bullengeist jedenfalls inspirieren lassen. In manchen Momenten sieht man in Mattersburg fast Salzburgisches: hohes, gestaffeltes Abwehrfechten, schnelles Zustechen und stete, beidseitige Flankenattacken.

Vollstrecker

Und aktuell gibt's auch den gnadenlosen Vollstrecker: die bosnische Bullenleihe Smail Prevljak (22), der nach dem Triplepack gegen die Admira seine erste Teamberufung bekam.

Die Performance von Prevljak – der als erster Mattersburger das Wort "Europacup" in dem Mund genommen hat – wird auch in Salzburg mit Zufriedenheit wahrgenommen. Er und sein japanischer Flankenpartner Masaya Okugawa (23) sollen im Burgenland das Fußballspielen wenn schon nicht lernen, so doch nicht verlernen. Bei David Atanga (21), auch er eine Bullenleihe, hat das ganz gut funktioniert. Zurzeit versauert er halt beim Schlusslicht St. Pölten.

Knabenlese

Das Versauern ist bei Red Bull Salzburg immer ein brisant-aktuelles Thema. Gerade bei den Jungen. Die Knabenlese ist da unerbittlich. Nur die Besten dürfen sich dann zum Beispiel gegen ein Team wie Dortmund messen. Die Allerbesten kommen nach Leipzig und die Allerallerbesten von dort dann in die wirklich große Welt. (Auch auf die Gefahr hin, was zu verschreien: Der 20-jährige Xaver Schlager, der es nach der Mittelfeldumstellung der Salzburger auf Raute im Westfalenstadion lustig hatte, hat sichtlich eine solche Karriere ins Auge gefasst.)

Im Vergleich dazu sind die Pappeln an der Wulka klarerweise Bonsais. Aber doch giftige. Der SVM hat seinen Kader verkleinert; auch durch die "natürlichen" Abgänge von Thorsten Röcher (Sturm), Patrick Farkas (Salzburg) und David Atanga. Aber er wurde ausgeglichener. Zu den Salzburger Leihspielern stießen nicht nur Spieler wie René Renner (24) von Blau-Weiß Linz. Sondern auch Eigenorchideen wie der 20-jährige Julius Ertelthaler, der zuletzt mit Jano und Michael Perlak eine starke Zentralachse gebildet hat.

Insgesamt, sagt Baumgartner, "können wir mit diesem Kader variantenreicher spielen". Tatsächlich ist es dem SVM gelungen, überhaupt zu spielen. "Das haben wir auch im Herbst schon getan, aber halt nur wenig gewonnen." Jetzt hat sich das geändert. "Das gibt natürlich Selbstvertrauen."

Ob das jenes der Salzburger zu biegen vermag? "Wir haben einen Plan." Welchen? "Na, den werd ich verraten." So viel freilich verrät Gerald Baumgartner schon: "Wir haben zwar jetzt viel gewonnen, aber noch nichts erreicht." Weder in der Meisterschaft noch im Cup. Das klingt, als hätte Marco Rose das gesagt: Gemach, Burschen. Immerhin aber nimmt er ein bislang stets gemiedenes Wort in den Mund: "Europacup."

Neigung

Wer im Cuphalbfinale stünde und Platz fünf im Blick habe, habe auch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, weiter zu wollen. Baumgartner (oder Rose): "Österreichische Fußballer haben manchmal die Neigung, sich mit dem schon Erreichten zufriedenzugeben."

Am Sonntag vor 80 Jahren begann auch in Mattersburg der Terror. Unter den Opfern war etwa ein gewisser Hermann Hirschl. Er überlebte das KZ und kehrte als einer der Wenigen der einst blühenden Judengemeinde heim. Mag sein, es denkt am Sonntag beim Match jemand an ihn. Immerhin war er 1922 einer der Gründungsväter des SVM. (Wolfgang Weisgram, 11.3.2018)

Mögliche Aufstellungen:

SV Mattersburg – FC Red Bull Salzburg (Mattersburg, Pappelstadion, Sonntag 16.30 Uhr / live auf Sky und ORF eins, SR Grobelnik). Bisherige Saisonergebnisse: 1:2 (h), 0:2 (a).

Mattersburg: Kuster – Novak, Malic, Mahrer, Rath – Jano, Ertlthaler – Okugawa, Perlak, Pink – Prevljak

Ersatz: Casali – Lercher, Ortiz, Fran, Erhardt, Renner, Maierhofer

Es fehlen: Höller (gesperrt), Hart (schon im Mannschaftstraining), Seidl (rekonvaleszent), Grgic (nach Kreuzbandriss)

Salzburg: Walke – Lainer, Onguene, Caleta-Car, Farkas – Yabo, X. Schlager / Leitgeb, Wolf, Haidara – Gulbrandsen, Minamino

Ersatz: Stankovic – Ulmer, Ramalho, Pongracic, Samassekou, Valon Berisha, Dabbur, Hwang

  • Mattersburgs Patrick Bürger (links), momentan Edelreservist, und Salzburgs Valon Berisha, derzeit Torgarant, haben etwas zu bereden.
    foto: apa/expa/haumer

    Mattersburgs Patrick Bürger (links), momentan Edelreservist, und Salzburgs Valon Berisha, derzeit Torgarant, haben etwas zu bereden.

  • SVM-Coach Baumgartner traut dem Lauf nicht ganz.
    foto: apa/expa/eisenbauer

    SVM-Coach Baumgartner traut dem Lauf nicht ganz.

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