Skitour in Kärnten: Seemannwand für Landratten

    9. März 2018, 15:00
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    Bei der Skitour über dem Kärntner Pöllatal sind Kondition und richtiges Timing gefragt

    Rennweg in Kärnten kennen viele nur vom Vorbeirauschen. Kurz bevor man auf der Tauernautobahn vom Katschbergtunnel verschluckt wird (oder – je nach Fahrtrichtung – kurz nachdem er einen wieder ausspuckt), huscht der Ort für Sekunden im Augenwinkel vorbei, und weg ist er. Schade eigentlich. Denn es lohnt sich, hier einmal von der Autobahn abzufahren, speziell im Winter. Nicht zuletzt wegen des langen, etwas versteckten Pöllatals. Es beginnt in Rennweg und verbirgt einige attraktive, aber meist lange Skitourenziele.

    Versteckt und lange ist auch die Tour auf die 2.822 Meter hohe Seemannwand: Gut 1.500 Höhenmeter gilt es vom Pöllatal aus zu bewältigen. Das untere Drittel verläuft noch wenig spektakulär auf einer Forststraße, die im Aufstieg aber durch den Wald abgekürzt werden kann. Dafür wird’s danach umso eindrucksvoller: So duckt sich die (im Winter nicht be wirtschaftete) Lasörnhütte unter die steilen Felswände des Reiterecks – ein wahres Kalenderbild, nur halt "in real life" zum Durchmarschieren.

    Nur wenige Gleichgesinnte

    Weiter oben öffnet sich dann die riesige Schüssel des Lasörnkares. An dessen Ende steigen wir schließlich steiler auf den recht unscheinbaren Gipfel der Seemannwand. Das Schönste am Lasörnkar: Man teilt es sich normalerweise nur mit wenigen Gleichgesinnten. Somit bleibt viel Platz für eigene Abfahrtsschwünge.

    Die Herausforderung an der Seemannwand liegt darin, den idealen Zeitpunkt zu erwischen. Der ist dann gekommen, wenn zwei Dinge zusammentreffen: erstens oben stabile Schneeverhältnisse. Lawinentechnisch heikel können insbesondere die steileren Hänge nach der Lasörnhütte sein, ebenso der Gipfelhang. Zweitens sollte die Forststraße unten noch durchgehend mit Schnee bedeckt sein, damit man sich langwieriges Skitragen erspart. Gute Bedingungen trifft man meist im März bis Anfang April an, in seltenen Fällen auch schon früher. (Uwe Grinzinger, 9.3.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

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    Service

    karte: der standard

    Gemächlicher Auftakt

    Ausgangspunkt ist der Parkplatz 1 im Pöllatal, knapp sechs Kilometer vom Ortszentrum von Rennweg entfernt. Von hier gehen wir auf der Straße noch rd. 200 Meter ins Pöllatal hinein, ehe wir bei einer Kapelle (1.303 m) die Straße nach links verlassen (gelber Wegweiser "Lasörnsee"). Auf einer Brücke geht es über den Lieserbach, dann in den Wald. Dort folgen wir der Forststraße, bis wir sie in der ersten Rechtskehre (ca. 1.350 m) verlassen und am Sommerweg geradeaus weitergehen. (Liegt auf ihm zu wenig Schnee, könnte man alternativ auch rechts weiter über die Forststraße aufsteigen). Von der Abzweigung auf ca. 1.350 m folgen wir der Markierung nach Südwesten, entlang des Lasörnbaches, und gelangen später auf einem schmalen Ziehweg durch steilen Wald wieder hinauf zur Forststraße (ca. 1.650 m). Auf ihr geht es in etlichen Kehren zur Lasörnhütte (1.866 m).

    Steiles Intermezzo

    Von der Lasörnhütte queren wir im freien Gelände nur wenig ansteigend die ziemlich steilen Hänge nach Westen (stabile Schneeverhältnisse nötig, nicht zu hoch Richtung Girlitzspitze halten!). Wir erreichen schließlich ein muldenartiges Tälchen unter den felsigen Südabstürzen der Girlitzspitze. Durch dieses – oder über den Begrenzungsrücken linkerhand – steigen wir nach Nordwesten auf, bis das Gelände flacher wird.

    Weites Finale

    Nun gehen wir südlich am Lasörnsee vorbei und queren das weite Lasörnkar recht flach südwestwärts, bis wir den Gipfelhang erreichen. Über ihn steiler nach Westen bzw. Südwesten hinauf. Dabei peilen wir am besten den Verbindungsgrat zwischen Seemannwand und Ebeneck an, den wir in der Regel etwas oberhalb seines tiefsten Punktes erreichen. Zuletzt geht es am Südostrücken (oder leicht rechts unterhalb in der Flanke) auf die Seemannwand. Im Winter begnügen sich viele Besucher mit einem unscheinbaren Vorgipfel, der dem Hauptgipfel etwas nach Südosten vorgelagert ist.

    Die Abfahrt bis zur Lasörnhütte erfolgt im Wesentlichen entlang der Aufstiegsroute. Unterhalb empfiehlt es sich, nicht weiter entlang des Aufstiegsweges (Sommermarkierung) abzufahren, sondern bis zum Ausgangspunkt auf der (tw. flachen) Forststraße zu bleiben.

    Ausgangspunkt: Parkplatz 1 im Pöllatal (ca. 1.290 m).

    Anreise: A10, Abfahrt Rennweg. Im Ort beim Gemeindeamt rechts (Tafel "Pöllatal") und 5,8 km durch die Ortschaften Gries und Oberdorf zum Parkplatz 1 (im Winter i. d. R. einige Stellplätze geräumt).

    Anforderungen: Mittelschwere, aber sehr lange und hochalpine Skitour für Personen mit ausgezeichneter Kondition. Im Lasörnkar bei Nebel ev. Orientierungsprobleme. Im Frühjahr zeitiger Aufbruch empfehlenswert.

    Einkehr: Unterwegs keine, Gasthöfe in Rennweg.

    Ausrüstung: Komplette Skitourenausrüstung inkl. LVS-Gerät, Schaufel, Sonde, Mobiltelefon und Harscheisen.

    Karte: ÖK 1:25.000V Nr. 3229 Ost & West

    • Schattenwesen: Wer früh startet, legt den Weg zur Lasörnhütte noch im Dämmerlicht zurück.
      foto: uwe grinzinger

      Schattenwesen: Wer früh startet, legt den Weg zur Lasörnhütte noch im Dämmerlicht zurück.

    • Imposant: Bei der Lasörnhütte beginnt der schönste Teil der Tour.
      foto: uwe grinzinger

      Imposant: Bei der Lasörnhütte beginnt der schönste Teil der Tour.

    • Hingeduckt: Die Lasörnhütte unter den Felsabstürzen von Reitereck und Elendspitze
      foto: uwe grinzinger

      Hingeduckt: Die Lasörnhütte unter den Felsabstürzen von Reitereck und Elendspitze

    • Gänsemarsch: Unter der Girlitzspitze betritt man das Lasörnkar.
      foto: uwe grinzinger

      Gänsemarsch: Unter der Girlitzspitze betritt man das Lasörnkar.

    • Freie Sicht: Im gewaltigen Lasörnkar verstellt kaum ein Baum die Sicht.
      foto: uwe grinzinger

      Freie Sicht: Im gewaltigen Lasörnkar verstellt kaum ein Baum die Sicht.

    • Kolossale Kuppel: Der Schober-Eissig, ein Fast-Dreitausender direkt gegenüber des Seemannwand-Gipfels
      foto: uwe grinzinger

      Kolossale Kuppel: Der Schober-Eissig, ein Fast-Dreitausender direkt gegenüber des Seemannwand-Gipfels

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