Koalitionsgeplänkel: Lächeln und Danke sagen

Kommentar8. März 2018, 16:54
24 Postings

Manchmal müssen sich Diplomaten auch selbst auf die Zehen steigen

Außenminister müssen unter anderem die Fähigkeit besitzen, jedem ihrer Gegenüber mit Nachdruck auf die Zehen zu treten, dabei aber dennoch charmant zu bleiben, ja sogar freundlich zu lächeln. Bedankt sich der Betretene danach auch noch, ist ein rarer Akt vollendeter Diplomatie gelungen.

Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, ist der digitale Umgang der Außenministerin mit ihrem Regierungschef eher nicht als vollendet diplomatisch einzustufen. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, die kindischen Stänkereien auf Twitter kämen direkt aus dem Bereich einer noch nicht zur Gänze abgeschlossenen politischen Vorschule.

Was Karin Kneissls Tweet über Begegnungen mit dem Papst immerhin aufzeigt, ist die in der Koalitionsvereinbarung bewusst eingebaute Konfliktlinie zwischen Außen- und Kanzleramt, die früher oder später auch für Außenstehende sichtbar werden musste. Denn dort ist ganz klar geregelt, wer in diesem Politikfeld Koch und wer Kellner ist. Sebastian Kurz hat alle wichtigen außenpolitischen Agenden zu sich geholt. Für die Nachbarin auf dem Minoritenplatz bleiben nicht viel mehr als politische Brosamen.

Jeder Politiker, der sich auf eine solche Situation einlässt, braucht ein leidensfähiges Naturell. Andererseits war der Deal von vornherein klar. Manchmal müssen sich Diplomaten auch selbst auf die Zehen steigen, lächeln und Danke sagen. Das nennt sich vollendete Innenpolitik. (Christoph Prantner, 8.3.2018)

Weitere Kommentare von Christoph Prantner lesen Sie hier.

Share if you care.