Forscher entdecken Protein, das den Abbau von Körperfett hemmt

    9. März 2018, 06:00
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    Wie das Protein HILPDA den Fettabbau reguliert und das Tumor-Wachstum beeinflusst

    Beim Abbau von Körperfett spielt das Enzym ATGL eine wichtige Rolle. Wird es gehemmt, werden Fettreserven nicht abgebaut. Das kann zu Adipositas und schädlichen Fetteinlagerungen in Organen bis hin zu gewissen Formen von Krebs führen. Forscher aus Graz und den Niederlanden sind auf ein Protein gestoßen, welches das Enzym ATGL hemmt – und auch Tumoren einen Vorteil verschaffen könnte.

    Fettgewebe ist das größte Energiespeicherorgan des Körpers. Die Lipide werden in Form von Triacylglyceriden in intrazellulären Fett-Tröpfchen gespeichert und in Hungerzeiten abgebaut. Den ersten Schritt dazu bewältigt das Enzym ATGL, erklärt Monika Oberer vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz.

    Diese "Adipose Triglyceride-Lipase" (ATGL) hat ein Team von Grazer und Wiener Forschern bereits 2004 entdeckt. Bald darauf wurde bekannt, dass das Protein G0S2 hemmend auf ATGL – und damit den Fettstoffwechsel – wirkt. Nun haben die Forscher am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz und der niederländischen Wageningen University die inhibitorische Wirkung eines weiteren Proteins nachweisen können und im "Journal of Lipid Research" veröffentlicht.

    Fettabbau regulieren

    "Unsere In-Vitro-Daten zeigen, dass HILPDA an ATGL bindet und seine Aktivität direkt hemmt", wie Oberer erklärt. In ihrer Publikation haben sie Wissenschafter zudem festgehalten, dass HILPDA ausschließlich ATGL und keine weiteren lipidabbauenden Enzyme drosselt und somit ein "hochselektiver Inhibitor" für ATGL ist. Nun wollen die Grazer Forscher auf detaillierter molekularer Ebene aufklären, wo und über welchen Mechanismus genau HILPDA am ATGL ansetzt, um inhibitierend zu wirken und welche weiteren Wechselwirkungen es geben könnte. Zukunftsvision der Grazer Forscher ist es, mit der medikamentösen Hemmung oder Aktivierung von ATGL den Fettabbau effektiv zu regulieren zu können.

    Auf HILPDA sind die Grazer Forscher aufgrund seines Vorkommens in Fettgewebe und seiner strukturellen Ähnlichkeit zu G0S2 aufmerksam geworden. Das Protein HILPDA war bisher dafür bekannt, Teil eines komplexen Programms zu sein, mit dem sich gesunde Zellen vor Schäden durch Sauerstoffmangel (Hypoxie) schützen. Es wird ausgeschüttet, wenn das Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird – wie es laut den Grazer Wissenschaftern beispielsweise häufig bei wachsenden Tumoren der Fall es.

    Neue Blutgefäße

    Das Protein bewirkt, dass der Stoffwechsel der Zelle auf eine sauerstoffunabhängige Form der Energiegewinnung umgestellt und die Bildung neuer Blutgefäße angeregt wird. Dieses Notfall-Programm, das den gesunden Zellen hilft, die Hypoxie zu überstehen, schützt vermutlich zugleich auch die Tumorzellen und ermöglicht dem Tumor ein rasches, weitgehend ungehindertes Wachstum.

    Die definitive Funktion des Proteins HILPDA bleibt vorerst noch unklar, schildert Oberer. "Wir haben einen Puzzlestein im molekularen Verständnis und werden auf jeden Fall weiterforschen." (APA, 9.3.2018)

    • Die Grazer Forscher wollen in Zukunft den Fettabbau effektiv regulieren können.
      foto: istock

      Die Grazer Forscher wollen in Zukunft den Fettabbau effektiv regulieren können.

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