EZB kippt Option auf noch mehr Anleihenkäufe

    8. März 2018, 14:06
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    Bisher hätten die Währungshüter das Programm "im Notfall" noch aufgestockt. Im aktuellen Ausblick fehlt der Passus

    Frankfurt – Die Europäische Zentralbank hat die Option einer erneuten Ausweitung der vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe aus ihrem Ausblick gestrichen. Bisher hieß es, im Notfall könne das Programm hinsichtlich Umfang und/oder Dauer noch aufgestockt werden. In ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Ausblick führte die Notenbank diesen Passus nicht mehr auf.

    Kein konkretes Enddatum

    Volkswirte werten das als Signal zur Vorbereitung der Finanzmärkte auf ein Ende der Geldflut. Ökonomen argumentieren bereits seit längerem, die EZB benötige die Option nicht mehr, da der konjunkturelle Aufschwung im Euro-Raum inzwischen stark sei.

    Die EZB halbierte zuletzt ihr monatliches Kaufvolumen auf 30 Milliarden Euro. Die Transaktionen sollen noch bis mindestens Ende September fortgesetzt werden, wie die EZB bekräftigte. Das Gesamtprogramm ist damit auf 2,55 Billionen Euro angelegt. Ein konkretes Enddatum wurde erneut nicht genannt.

    Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – das würde die Konjunktur abwürgen.

    Zins bleibt auf Rekordtief

    Den Leitzins im Euroraum beließ der EZB-Rat wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

    Zwar ist das Inflationsziel nach wie vor weit entfernt – im Februar fiel die jährliche Teuerungsrate im Euroraum mit 1,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016. Doch das stärkere Wirtschaftswachstum macht den Währungshütern Hoffnung. Im vergangenen Jahr legte die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder mit 2,3 Prozent so kräftig zu wie seit zehn Jahren nicht mehr.

    Laut Ökonomen, sollten Sparer mit steigenden Zinsen frühestens 2019 rechnen. Allerdings profitieren andererseits Kreditnehmer vom Zinstief.

    Zollstreit mit USA sorgt für unsicherheit

    Erschwert werden könnte die Rückkehr zu geldpolitischer Normalität durch die jüngsten politischen Ereignisse: Nachdem US-Präsident Donald Trump Strafzölle für ausländische Güter angekündigt hat, droht ein weltweiter Handelskonflikt. Und Italien, das Heimatland von EZB-Präsident Mario Draghi, steht nach dem Sieg europakritischer Kräfte bei der Parlamentswahl eine schwierige Regierungsbildung bevor.

    An der Verknüpfung der Wertpapierkäufe mit der Inflationsentwicklung hielten die Euro-Wächter fest. Die EZB bekräftigte außerdem, dass ihre Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf ihrem derzeitigen Niveau von null Prozent bleiben werden. (Reuters, 8.3.2018)

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      foto: reuters / francois lenoir
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