Neuer "X-Wagen" fährt ab Mitte 2020 im Wiener U-Bahn-Netz

    Video8. März 2018, 15:20
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    Der fahrerlose Betrieb der neuen U-Bahn-Linie 5 ist ab 2024 geplant. Es wird mehr Stehplätze geben als bisher

    Wien – Noch ist der Prototyp der neuen Wiener U-Bahn-Garnitur "X-Wagen" aus dem Hause Siemens in der Entwicklung. Details, wie der Wagen aussehen soll, wurden am Donnerstag aber im Werk des Konzerns in Wien-Simmering erstmals präsentiert.

    So soll der X-Wagen geringfügig weniger Sitzplätze als der Siemens-Vorgänger namens V-Wagen aufweisen. "Dafür steigt die Gesamtkapazität", sagt Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Konkret finden 928 statt 882 Fahrgäste Platz.

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    In der neuen U-Bahn gibt es weniger Sitz-, aber mehr Stehplätze als bisher.

    Die erste neue Garnitur soll ab Mitte 2020 im Wiener U-Bahn-Netz fahren. Bis zum Jahr 2030 werden 34 Züge ausgeliefert. Sie sollen auf den Linien U1 bis U4 die alten Silberpfeile ersetzen, die seit den 1970ern im Einsatz sind.

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    Blaue Sitze sind für Personen mit besonderen Bedürfnissen gedacht. Insgesamt wird es in den neuen U-Bahnen mehr Rollstuhlplätze (sechs statt vier) und mehr Platz für Familien mit Kinderwägen geben.

    Vollautomatisch auf U5 unterwegs

    Auf der geplanten U-Bahn-Linie 5 wird der X-Wagen auch vollautomatisch ohne Fahrer unterwegs sein. Die neuen Garnituren haben zwar abgetrennte Fahrerkabinen, diese sind aber transparent. Damit ist für künftige Passagiere ein Blick in den U-Bahn-Schacht möglich.

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    An den Zugenden wird es jeweils zwei Plätze für Rollstühle geben. Von hier aus ist auch für Passagiere ein Blick in den U-Bahn-Schacht möglich.

    U5-Teilstrecke soll 2024 fertig sein

    Die U5-Strecke Karlsplatz – Frankhplatz soll 2024 eröffnet werden. Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) sagte, dass es auch nach Aufnahme des automatischen Betriebs "keine Personaleinsparungen" geben werde. Laut Steinbauer sollen die Fahrer in der U5 als Betreuer eingesetzt werden.

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    Im X-Wagen wird es für Ein- und Aussteigen mehr Platz geben. Auch Quer- und Klappsitze sind vorgesehen.

    Neben den 34 Zügen, die bis 2030 geliefert werden, hat die Stadt auch eine Option auf elf weitere U-Bahnen. Das Auftragsvolumen beträgt 550 Millionen Euro, wobei auch ein langfristiger Wartungs- und Instandhaltungsvertrag mit Siemens über eine Laufzeit von 24 Jahren Teil der Vereinbarung ist. Geplant ist, dass die neuen Züge bis zum Jahr 2060 im Einsatz sind.

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    Das äußerliche Design des X-Wagen.

    U-Bahn-Bau hat Auswirkungen auf Verkehr

    Der Bau des U2/U5-Linienkreuzes wirft jedenfalls seine Schatten voraus – und wird zunächst im Bereich Matzleinsdorfer Platz und Pilgramgasse für gehörige Herausforderungen im Verkehr sorgen.

    Beim Matzleinsdorfer Platz und am Anfang der Triester Straße mussten bereits für die Vorarbeiten Anfang des Jahres Fahrspuren reduziert werden. Im Herbst 2018 wird zudem hier der Startschacht errichtet, wo die Tunnelbohrmaschine ihren Einsatz beginnen wird. Die Maschine muss zu diesem Zweck zunächst rund 30 Meter in die Tiefe gebracht werden, ehe sie dort zusammengesetzt werden kann.

    grafik: apa

    Im Endausbau kommt die Maschine übrigens auf eine beachtliche Länge von rund 50 Meter und schafft für den Tunnelbau laut Wiener Linien zehn bis zwölf Meter pro Tag. Bis sie loslegen kann, dauert es aber noch eine Weile: Die Wiener Linien rechnen mit einem frühestmöglichen Einsatz im Jahr 2021. Dann gräbt sich die Maschine bis zum Augustinplatz durch, wo ein Notausstieg zwischen den Stationen Neubaugasse und Rathaus errichtet wird.

    Im Herbst 2018 wird auch noch der Wienfluss bei der Station Pilgramgasse überplattet, um einen zusätzlichen Arbeitsbereich und Abstellflächen für die Tunnelbauarbeiten zu schaffen.

    U-Bahn-Nutzer werden im Sommer 2019 auf die Probe gestellt: Zum einen wird die U2 zwischen Schottentor und Karlsplatz (dem Bereich der späteren U5) für zwei Jahre gesperrt. Zum anderen wird die U4 wegen der laufenden Sanierungsarbeiten in den Sommermonaten 2019 nicht zwischen Längenfeldgasse und Karlsplatz verkehren. Betroffen sind die Stationen Margaretengürtel, Pilgramgasse und Kettenbrückengasse. (David Krutzler, 8.3.2018)

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