Ex-Bundespräsident Heinz Fischer zieht positive Bilanz über Gedenkjahr

    Video8. März 2018, 13:33
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    Über 100 Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen sollen die Erinnerungskultur im Gedenkjahr 2018 fördern

    Wien – Der frühere Bundespräsident Heinz Fischer hat am Donnerstag eine Zwischenbilanz über das laufende "Gedenk- und Erinnerungsjahr" gezogen. Fischer ist Regierungskoordinator für das Jahr 2018, in dem die Republik unter anderem ihren 100. Geburtstag feiert und des "Anschlusses" an Nazi-Deutschland vor 80 Jahren gedenkt. Neben den offiziellen Gedenkakten sind Hunderte Diskussionen und Ausstellungen geplant.

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    Fischer: "Den Verlauf der Zweiten Republik kann man nur erklären, indem man unter anderem die Fehler der Ersten Republik ins Auge fasst." ("ZiB 13"-Beitrag)

    Bei einer Pressekonferenz zeigte sich Fischer stolz, "dass es in der Geschichte der Zweiten Republik noch kein Gedenkjahr gegeben hat, in dem so viel Verschiedenes zu unserer Vergangenheit erarbeitet wurde". In ganz Österreich gebe es über 100 Ausstellungen, zahlreiche Vorträge und Diskussionen, über 50 Buchpräsentationen und Veranstaltungen an Volkshochschulen und Schulen.

    Staatsakt am 12. März in der Hofburg

    Das offizielle Österreich begeht am 12. März den 80. Jahrestag des "Anschlusses" an Hitlerdeutschland mit einem Staatsakt in der Hofburg, am 12. November feiert die Republik ihren 100. Geburtstag mit einem Festakt in der Staatsoper. Das Parlament steht dafür wegen der laufenden Sanierung nicht zur Verfügung. Und im September wird auch der Revolution von 1948 gedacht: mit einer Ausstellung im niederösterreichischen Landhaus in der Herrengasse, dem Ausgangspunkt des blutig niedergeschlagenen Aufstandes gegen die Habsburger-Monarchie.

    Weitere Gedenktage gelten u.a. dem 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs (11. November), dem "November-Pogrom" gegen die jüdische Bevölkerung (9. November 1938) und der Ratifizierung der Europäischen Menschenrechtskonvention (3. September 1958).

    Wo Zeitzeugen auftreten, halten die Schüler still

    Zu "Anschluss" und November-Pogrom kündigte die Generalsekretärin des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus, Hannah Lessing, eine Reihe von Projekten an, um die Berichte der letzten Zeitzeugen für die Nachwelt zu sichern. Gerade für Schulen seien Zeitzeugenberichte nämlich besonders wichtig: "Wenn man mit einem Zeitzeugen an eine Schule geht, sind 200 Kinder zwei Stunden lang still." Und auch im Ausland sind nach Angaben der zuständigen Sektionschefin im Außenministerium, Teresa Indjein, über 200 Veranstaltungen geplant.

    Fischer zeigte sich zuversichtlich, dass Österreich aus seiner Geschichte lernen kann und verwies diesbezüglich auf das Bemühen, die Fehler der Ersten Republik nach 1945 nicht zu wiederholen: Die Zweite Republik sei "der systematische Versuch, möglichst viele dieser Fehler zu vermeiden". Die von der FPÖ nun eingesetzte Historikerkommission zur Aufarbeitung der Parteigeschichte bewertet Fischer grundsätzlich positiv: "Die wichtige Frage wird dann sein, ob nach dem positiv zu bewertenden Beschluss auch eine positiv zu bewertende Arbeit geleistet wird." (APA, 8.3.2018)

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