Aktivisten: Dutzende Menschen klagen in Ostghouta über Atemnot

8. März 2018, 12:13
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Assad-Regime dementiert Einsatz von Giftgas – Hilfskonvoi des Roten Kreuzes verschoben

Damaskus – Nach Luftangriffen auf die syrische Rebellenhochburg Ostghouta haben Dutzende Menschen nach Angaben von Aktivisten über Atembeschwerden geklagt, die von Giftgas herrühren könnten. Mindestens 60 Patienten seien am Mittwochabend in Krankenhäuser eingeliefert worden, meldete die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Demnach wurden die Ortschaften Sabka und Hammuriyeh mit Raketen und Fassbomben attackiert. Nach Angaben der Hilfsorganisation Syrian American Medical Society (SAMS) wiesen die Verletzten Symptome wie schwere Atemnot und gerötete Augen auf, die auf Angriffe mit giftigem Chlorgas hindeuteten. Die Hilfsorganisation berief sich auf Aussagen von Ärzten in einer Klinik in Ostghouta, in der 29 Betroffene behandelt wurden. Ein AFP-Korrespondent in Hammuriyeh sah Dutzende Menschen, die nach den Luftangriffen auf die Straße strömten, um frische Luft zu atmen.

Aktivisten beschuldigen die Regierung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad immer wieder, im Kampf gegen Rebellen Giftgas einzusetzen. Die Regierung hat dies wiederholt bestritten. Die Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort, die aber für Medien kaum zu überprüfen sind.

Offensive seit knapp einem Monat

Die syrische Regierung begann Mitte Februar mit Unterstützung Russlands eine Offensive auf die Rebellen-Enklave östlich von Damaskus, von der aus regelmäßig Granaten auf die Hauptstadt abgefeuert wurden. Inzwischen eroberten die Regierungstruppen nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als die Hälfte der Ostghouta zurück.

Berichten zufolge ist die Ostghouta zweigeteilt: Die syrische Armee habe einen Keil in die Rebellenenklave getrieben, berichtete ein regierungstreuer Milizkommandant am Donnerstag. Ein Sprecher der Rebellengruppe Failak al-Rahman wies hingegen die Berichte über eine Teilung des Gebietes östlich von Damaskus zurück.

Vergangene Woche verkündete Russland eine tägliche Feuerpause von fünf Stunden für die Ostghouta. Regierung und Rebellen warfen einander aber vor, die Feuerpause nicht einzuhalten. Das Ausladen von Hilfslieferungen sowie Evakuierungen waren kaum möglich. Russischen Angaben zufolge wollten zahlreiche Zivilisten in Sicherheit gebracht werden, die Rebellen hätten aber den Hilfskorridor angegriffen.

Hilfskonvoi verschoben

Auch am Donnerstag konnten Hilfslieferungen die Ostghouta nicht erreichen: Das Rote Kreuz verschob einen geplanten Hilfskonvoi, weil die Lage an Ort und Stelle derzeit zu unsicher sei. "Unter solchen Bedingungen ist es uns nicht möglich, den Einsatz auszuführen", sagte Ingy Sedky, Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Donnerstag zu der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Der Konvoi hätte nach Angaben der Vereinten Nationen Hilfsgüter für rund 70.000 Menschen in die Stadt Duma in die Ostghouta bringen sollen. Uno-Generalsekretär Antonio Guterres hatte am Mittwoch an alle Konfliktparteien appelliert, den für Donnerstag vorgesehenen Hilfskonvoi zu ermöglichen. Nötig sei ein "sicherer und ungehinderter Zugang für weitere Konvois, um wichtige Lieferungen für Hunderttausende bedürftige Menschen liefern zu können", hatte Guterres gesagt.

Am Montag war der Versuch einer ersten Hilfslieferung abgebrochen worden, weil der Konvoi wegen anhaltender Luftangriffe vorzeitig das Kampfgebiet wieder verließ. Nur 32 von 46 Lastwagen hatten vollständig entladen werden können. (APA, red, 8.3.2018)

  • Das Rote Kreuz verschob wegen Sicherheitsbedenken einen für die Ostghouta geplanten Hilfskonvoi.
    foto: apa/afp/stringer

    Das Rote Kreuz verschob wegen Sicherheitsbedenken einen für die Ostghouta geplanten Hilfskonvoi.

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