Dortmund vs. Red Bull: Salzburger Grenzgang

    8. März 2018, 10:28
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    Wenn Salzburg am Donnerstag in Dortmund gastiert, prallen zwei Welten aufeinander. Sportdirektor Christoph Freund hofft trotzdem auf den Fluch des Erfolgs

    Salzburg/Dortmund – Christoph Freund wird am Donnerstagabend erstmals die legendäre Dortmunder gelbe Wand, die vollbesetzte Südtribüne, live sehen. Ob der Sportdirektor von Red Bull Salzburg beim Anblick vor Ehrfurcht erstarrt, wusste er nicht, ist aber völlig wurscht. "Ich denke, für unsere Spieler ist sie Ansporn." Der 40-Jährige, der zu Beginn der Saison 2015/16 den sich auf Leipzig konzentrierenden Ralf Rangnick in dieser Funktion ersetzte, betrachtet das Beisammensein im Achtelfinale der Europa League mit Borussia Dortmund (Donnerstag, 19 Uhr, Puls 4, STANDARD-Ticker) als "Highlight. Ein absolutes Wunschlos. Diese zwei Partien sind der Lohn für unsere gute Arbeit."

    Es prallen zwei Fußballwelten aufeinander, Salzburg, daheim der Krösus, darf endlich einmal wieder der David sein. Freund sagt: "Dortmund kann kein Vorbild sein. Eine andere Macht in einer ganz anderen Liga, wir haben einen österreichischen Weg eingeschlagen, in dieser anderen, viel kleineren Welt, sind wir schon eine Macht, haben vieles richtig gemacht." Ein paar schnöde Zahlen zum Vergleich: Jahresumsatz 2016/17, 406 Millionen Euro Dortmund, 107 Salzburg. Geschätzter Marktwert des Kaders: 365 Millionen Dortmund, 50 Salzburg. Salzburg hat läppische 44 Vereinsmitglieder, Dortmund um exakt 153.743 mehr, das liegt freilich auch an den Strukturen.

    Widerstand in Dortmund

    Und trotzdem stehen die Bullen für Begriffe wie Kommerz und Retorte. Die Borussia ließ keine gemeinsamen Schals stricken (Dosenlogo geht gar nicht), rund 50 Fanklubs, das Bündnis Südtribüne, lassen das Rückspiel am 15. März aus. Es gibt symbolische Eintrittskarten, für eine Spende von jeweils zehn Euro sind sie erhältlich. Das Geld wird der mittlerweile viertklassigen Austria Salzburg, dem RBS-Vorgängerverein, überwiesen. Freund will "diese Diskussion echt nicht führen. Man soll kein Öl ins Feuer gießen."

    Er spricht lieber über die Qualität der eigenen Mannschaft, über Trainer Marco Rose, der von 42 Pflichtspielen ein einziges verloren hat (0:1 gegen Sturm). Sein Punkteschnitt liegt bei fantastischen 2,31. "Er hat Ausstrahlung, ist ein hervorragender Mensch und Fachmann. Er holt das Optimale aus jedem Spieler raus. Die Stimmung ist hervorragend, jeder geht an die Grenzen, jeder ist auf das Wesentliche fokussiert. Egal gegen wen." Freund führt das 7:0 in Cupviertelfinale gegen Austria Klagenfurt an. "Es gibt überhaupt kein Lockerlassen mehr."

    Sympathiepunkte sammeln

    Der Fußball sei, so der Sportdirektor, bis zu einem gewissen Grad unberechenbar. "Es kann alles passieren. Sogar in Dortmund. Es gibt keinen Grund, nicht mit breiter Brust anzutreten, wir wollen etwas mitnehmen." Freund gesteht ein, dass der Zustrom in Salzburg – auch wenn das Rückspiel ausverkauft sein wird – überschaubar ist. "Wir müssen durch weitere gute Leistungen Sympathiepunkte sammeln, die Leute vom Stadionbesuch überzeugen. Starke Auftritte gegen Dortmund würden viel bewirken."

    Sollte das tatsächlich gelingen, wären einige Spieler ("Ich will jetzt keine Namen nennen") und vermutlich auch Trainer Rose trotz Vertrags bis 2019 nur schwer zu halten. Sie würden in die andere Welt wechseln, nach Deutschland, England oder sonst wohin. Freund sagt: "Das ist dann eben der Fluch des Erfolges." (Christian Hackl, 7.3.2018)

    Europa League, Achtelfinal-Hinspiel, Donnerstag

    Borussia Dortmund – Red Bull Salzburg
    Signal-Iduna-Park, 19 Uhr, live Puls 4 und Sky, SR Vincic (SLO)

    Mögliche Aufstellungen:

    Dortmund: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer – Weigl, Dahoud – Reus, M. Götze, Schürrle – Batshuayi

    Ersatz: Weidenfeller – Zagadou, N. Sahin, Castro, Pulisic, Philipp, Sancho, Isak

    Es fehlen: Akanji (in Europa League nicht spielberechtigt), Kagawa, Guerreiro (beide nach Fußverletzung), Jarmolenko (Fußverletzung), Rode (Schambeinprobleme), Durm (Bänderriss im Sprunggelenk)

    Fraglich: Sancho (nach Bänderverletzung im Sprunggelenk)

    Salzburg: Walke – Lainer, Ramalho, Caleta-Car, Ulmer – Samassekou – Yabo, X. Schlager, V. Berisha – Hwang/Gulbrandsen, Dabbur

    Ersatz: C. Stankovic, Carlos Miguel – Farkas, Pongracic, Onguene, Haidara, Ch. Leitgeb, Minamino, Wolf

    Fraglich: Samassekou (leichte Kopfverletzung), Hwang (Ristprellung)

    Rückspiel am 15. März (21.05 Uhr) in Salzburg

    • Liebesschlösser schmücken eine Wand des Dortmunder Signal-Iduna-Parks, der vor der Kommerzialisierung Westfalenstadion hieß.
      foto: imago/jochen tack

      Liebesschlösser schmücken eine Wand des Dortmunder Signal-Iduna-Parks, der vor der Kommerzialisierung Westfalenstadion hieß.

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