Selbstorganisierte Uni-Lehre: Ich lerne, was ich lernen will

    8. März 2018, 09:00
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    Ein Rundblick über aktuell laufende von Studierenden organisierte Lehrveranstaltungen

    Wien/Klagenfurt – Lernen, was man auch wirklich lernen will – dieses Ideal wird alle paar Jahre bei Studierendenprotesten gefordert. In der Praxis erfordern selbstorganisierte Lehrveranstaltungen eine beachtliche Portion an Organisationstalent, Überredungskunst und inhaltlichen Überlegungen. Wenn das Vorhaben gelingt, gehören sie oft zu den ambitioniertesten Angeboten im Vorlesungsverzeichnis – ein Rundblick über studentische Lehrveranstaltungen des Sommersemesters:

    • Philosophie der Physik: Eine studentische Lehrveranstaltung von internationalem Format geht in diesem Semester in die erste Runde: Eine Ringvorlesung zur Realismus-Debatte in den Naturwissenschaften mit prominenten Vortragenden. Organisiert wird sie vom studentischen Kollektiv "Naturwissenschaftscafé", einer Gruppe von Studierenden der Universität Wien. Die Gruppe an Studierenden naturwissenschaftlicher Fächer ist an grundlegende Fragen der Wissenschaft wie "Was ist Realität?" oder "Was sind die Bedinungen empirischer Erkenntnis?" interessiert.

      Doch diese interdisziplinären Fragestellungen finden sie in ihren Curricula unterrepräsentiert, wie die Hauptorganisatoren Flavio del Santo, Emanuel Schwarzhans und Moritz Kriegleder beklagen. So luden sie kurzerhand prominente Vortragende aus dem In- und Ausland ein, im Rahmen einer Ringvorlesung grundlegende Fragen von Wissenschaft zu thematisieren. Mit dabei sind u.a. die Physiker Anton Zeilinger (Wien), Carlo Rovelli (Marseille) und Christopher Fuchs (Boston), oder die Wissenschaftsautorin Amanda Gefter (Boston).

      "Scientific Realism"
      , neun Termine ab 8.3., donnerstags 16-19 Uhr, Boltzmann-HS, Strudlhofgasse 4
    • Karl Marx heute: Den 200. Geburtstag des Philosophen, Ökonomen und Gesellschaftstheoretikers Karl Marx haben die Studienrichtungsvertretungen Philosophie und Geschichte der Universität Wien zum Anlass genommen, eine Lehrveranstaltung zu Marxismus heute zu organisieren. "Wir wollten die ungebrochene Relevanz des Marxismus in der Philosophie und Gesellschaftskritik hervorheben", sagt Carla von der Institutsgruppe der Philosophie.

      "Kommunismus? Zur Geschichte der Kritik am real existierenden Sozialismus", dienstags 15 bis 16:30 Uhr im Hörsaal 33 im Hauptgebäude der Universität Wien
    • Kritische Theorie: Studierende der Politikwissenschaft der Universität haben, haben für das Sommersemester eine Vorlesung zu Kritischer Theorie und Gesellschaftskritik organisiert – schließlich handle es sich dabei um eine Thematik, die von der akademischen Lehre zunehmend an den Rand gedrängt werde.

      "Der Kopf der Leidenschaft – Kritische Theorie und Gesellschaftskritik", montags 18:30 bis 20 Uhr im Hörsaal 32 im Hauptgebäude der Universität Wien 

    • Ökonomische Debatten: Das Team für selbstorganisierte Lehrveranstaltung der Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuni Wien, kurz SOLV geht kommendes Semester bereits in die zwölfte Runde und ist damit einer der am längsten bestehenden studentischer Lehrveranstaltungen. Unter dem Titel "Debatten in der Ökonomie" beschäftigt sie sich die Lehrveranstaltung diesmal mit verschiedenen ökonomischen Schulen und ihren theoretischen und empirischen Ansätzen. Pro Einheit werden jeweils zwei Vortragende eingeladen, kurze Inputs zu einem gemeinsamen Forschungsfeld zu geben. Nach den Inputreferaten werden die beiden Ansätze krtisch von den Studierenden analysiert.

      "Debatten in der Ökonomie", mittwochs, 16:30 – 19:30 Uhr, erster Termin um 18 Uhr am 11. April im Hörsaal D5.1.001, WU Campus
    • Gender Studies: An der Uni Klagenfurt wird jedes Semester pro Fakultät eine Lehrveranstaltung von Studierenden in das Semesterprogramm aufgenommen. Dieses Semester stehen Einblicke in die Arbeitsfelder der Gender Studies am Vorlesungs-Plan.

      "Gender in der Praxis", montags 17 bis 18:30 Uhr, Sitzungszimmer Z.1.29 im Hauptgebäude (Kristina Nedeljkovic, 7.3.2018)
    • Studierende der Uni Wien nehmen den 200. Geburtstag von Karl Marx (1818-1883) zum Anlass für eine Ringvorlesung.
      foto: imago/ steffen schellhorn

      Studierende der Uni Wien nehmen den 200. Geburtstag von Karl Marx (1818-1883) zum Anlass für eine Ringvorlesung.

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