"Crossing Europe" startet mit Ungarn-kritischer Science-Fiction

    7. März 2018, 16:50
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    15. Festivalausgabe von 25. bis 30. April, Abschluss mit Petzolds "Transit"

    Linz – Die 15. Ausgabe des Linzer Filmfestivals Crossing Europe von 25. bis 30. April wird u.a. mit einem Science-Fiction-Film zur Flüchtlingssituation in Ungarn, einer Doku über eine kratzbürstige schwedische Rapperin oder die Zeitgeschichte durch die Augen von Großmüttern erzählt. Zum Abschluss des Festivals steht der Berlinale-Beitrag "Transit" von Christian Petzold am Programm.

    Der rumänische Film "Soldatii. Poveste din Ferentari" ("Soldiers. A Story from Ferentari") erzählt eine schwule Romeo-und-Julia Geschichte zwischen einem Anthropologen und einem Ex-Häftling im Umfeld der Roma-Community Bukarests. Regisseurin Ivana Mladenovic hat mit dem semi-dokumentarischen Streifen ihr Spielfilmdebüt vorgelegt, produziert wurde er vom diesjährigen Spotlightgast Ada Salomon.

    Der ungarische Filmemacher Kornel Mundruczo befasst sich in "Jupiter's Moon" mit der restriktivem Flüchtlingspolitik seines Landes. Er verpackt seine Kritik aber in eine Superhelden-Geschichte und bedient sich dabei der Genres Science-Fiction bzw. Fantasy: Ein syrischer Flüchtling wird an der ungarischen Grenze von einem korrupten Polizisten niedergeschossen. Anstatt zu sterben entwickelt er übermenschliche Kräfte.

    Die schwedische Musikdoku "Silvana" porträtiert die Rapperin Silvana Imam, die als Kind nach Schweden kam, wo es die Tochter eines syrischen Vaters und einer litauischen Mutter in den vergangenen Jahren rasch zu Bekanntheit brachte. Ihr Markenzeichen sind ihre schonungslosen Texte, geprägt von Themen im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung, Feminismus und Antirassismus. Die Protagonistin wird zur Premiere selbst nach Linz kommen.

    Tribute-Gast Edoardo Winspeare

    "Pizzicata" ist ein Film des diesjährigen Tribute-Gastes Edoardo Winspeare. Im Zentrum seines Schaffens steht die Region Salento in Süditalien. Der mehrfach preisgekrönte Eröffnungsstreifen aus dem Jahr 1996 war sein Debütfilm und erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einem 1943 im Salento abgestürzten Piloten der US-Armee und der Tochter jenes Bauern, bei dem er Schutz findet. Im Festivalprogramm wird das Gesamtwerk Winspeares zu sehen sein.

    Der Film schlechthin zum Gedenkjahr 2018 dürfte "The European Grandma Project" der Österreicherin Alenka Maly werden. Sie beleuchtet Zeitgeschichte aus Sicht jener, die sie erlebt haben – nämlich der Omas von neun Filmemacherinnen aus verschiedenen Ländern, die sich an ihrem Projekt beteiligt haben.

    Freunde des Splatters dürften bei dem irischen Streifen "The Cured" auf ihre Rechnung kommen. Ein Virus verwandelt jahrelang Menschen in blutdürstige Zombies. Ein Heilmittel wird gefunden, aber die Reintegration der ehemaligen Infizierten gestaltet sich schwierig – Zombie-Horror meets Sozialdrama.

    Als Schlussfilm steht der diesjährige Berlinale-Beitrag "Transit" von Christian Petzold am Programm. Er beruht auf dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers aus den 1940er-Jahren. Es geht um einen jungen Mann, dem gerade noch die Flucht nach Marseille gelingt, bevor die deutschen Truppen in Paris einmarschieren. Petzold verortet die Geschichte aber gleichzeitig im Heute. In seinem Film treffen Figuren aus der Vergangenheit auf Flüchtlinge der Jetztzeit. (APA, 7.3.2018)

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