Männersache Politik?

Blog8. März 2018, 09:00
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Die Unterrepräsentation von Frauen in der Politik beginnt nicht erst in Parlament und Regierung

Alle Jahre wieder zum Internationalen Frauentag wird fast schon ritualisiert über bestehende Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern geschrieben – beim Einkommen, in den Chefetagen der Unternehmen und nicht zuletzt in der Politik. Die Debatte über die Geschlechterverhältnisse in der Politik erschöpft sich aber leider zu oft in der simplen Feststellung, dass in Parlamenten und Regierungen weltweit fast überall Männer deutlich stärker vertreten sind als Frauen.

Dabei beginnen die Geschlechterunterschiede in der Politik schon viel früher. Die Grafik unten zeigt anhand von Daten des European Social Survey 2016, wie sich Männer und Frauen in Österreich bei politischem Interesse und Engagement unterscheiden.

Männer geben demnach an, stärker an Politik interessiert zu sein, und vertrauen auch eher in ihre eigenen Fähigkeiten, am politischen Geschehen teilhaben zu können – im Fachjargon haben Männer ein höheres subjektives Kompetenzgefühl ("internal efficacy"). Die Unterschiede sind mit 16 und 13 Prozentpunkten für beide Indikatoren recht stark ausgeprägt.

Es mag daher wenig verwundern, dass sich auch beim politischen Verhalten Geschlechterunterschiede auftun. Frauen haben eine um vier Prozentpunkte geringere Wahlbeteiligung (die absoluten Prozentwerte hier sind natürlich zu hoch, weil Umfragen die Wahlbeteiligung in der Regel aufgrund von sozialer Erwünschtheit überschätzen), kontaktieren Politiker seltener (fünf Punkte), engagieren sich weniger oft in Parteien und gehen seltener demonstrieren (jeweils drei Punkte).

foto: apa/schlager
Pallas Athene vor dem Parlament: In der Politik beginnen die Geschlechterunterschiede schon früh.

Selbst wenn bei einigen Indikatoren die Unterschiede in Prozentpunkten gering sind, muss man Männer und Frauen immer im Vergleich betrachten. Bei der Mitarbeit in politischen Parteien und Gruppierungen beträgt der Gender Gap etwa drei Prozentpunkte (acht vs. fünf Prozent). Das klingt vordergründig nicht nach viel, es bedeutet aber, dass diese Gruppe der aktiv Mitarbeitenden zu über 60 Prozent aus Männern besteht (8 / (5 + 8) = 0.62). Kein Wunder also, dass Parteien, aber auch Gewerkschaften mehrheitlich männliche Mitglieder haben.

Geschlechterunterschiede in der Politik manifestieren sich also auf allen Ebenen – vom politischen Interesse über das Engagement bis zur Repräsentation in politischen Institutionen. Damit wird auch klar, dass Quotenregelungen für Kandidaturen (egal ob von Parteien selbst auferlegt oder per Gesetz verankert) nur den am besten sichtbaren Teil des Problems lösen können. Der Gender Gap in der Politik wäre damit nur an der Oberfläche behoben. (Laurenz Ennser-Jedenastik, 8.3.2018)

Laurenz Ennser-Jedenastik ist Politikwissenschafter am Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien.

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