Wie sich sexuell übertragbare Krankheiten verändert haben

    8. März 2018, 06:00
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    Klassische Geschlechtskrankheiten sind meist gut therapierbar. Atypische Infektionen werden hingegen häufiger, so der Wiener Mediziner Oskar Janata

    Schladming – Bei den sexuell übertragbare Erkrankungen (STIs) rücken atypische Infektionen in den Vordergrund: Dazu zählen etwa Chlamydien-, Zikavirus- oder HPV-Infektionen, wie es bei der Fachtagung der Österreichischen Apothekerkammer hieß.

    Die Tagung in Schladming befasste sich in diesem Jahr mit dem Generalthema "Infektionskrankheiten, Antibiotika und -Resistenzen". "Es gibt mehr als 30 Erkrankungen, die sexuell übertragbar sind. Acht Erreger verursachen das Gros aller Infekte, davon sind vier – die klassischen Geschlechtskrankheiten Lues, Gonorrhoe, Lymphogranuloma und Trichomoniasis – gut therapierbar", sagte der Wiener Infektions- und Antibiotikaspezialist Oskar Janata vom Sozialmedizinischen Zentrum Ost (SMZ-Ost).

    Selbst HIV hätte die Medizin in den Industriestaaten in eine chronische Erkrankung überführen können. Diffiziler sei die Sache bei chronischer Hepatitis B. Sowohl die Hepatitis B als auch die Infektion mit dem Human Papilloma Virus (HPV), das Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, ließe sich per Impfung gut verhindern.

    Syphilis wieder etwas häufiger

    In den westlichen Industriestaaten haben Gonorrhoe und Syphilis jahrzehntelang in ihrer Häufigkeit abgenommen. Bei der Syphilis sei allerdings durch die verminderte Angst vor HIV/Aids und weniger Safer Sex ein kleiner Anstieg zu sehen, sagte Janata. "Heute sind atypische Infekte wie Chlamydien oder HPV häufiger."

    Auch nach 70 Jahren Penicillin heilt eine einmalige ausreichend hohe Dosis an Penicillin eine Syphilis zuverlässig aus. Schwieriger ist die Resistenzsituation bei der Gonorrhoe, bei der eine Kombination der richtigen Antibiotika erfolgen sollte. Trichonomaden-Infektionen werden weiterhin durch die Einnahme des Uralt-Antibiotikums Metronidazol kuriert.

    HPV effektiv bekämpfen

    Ein historischer Exkurs: Bis zur Rückkehr von Christoph Kolumbus im Jahr 1493 war die Syphilis in der "Alten Welt" völlig unbekannt gewesen. Sie breitete sich mit der Einschleppung der Erkrankung durch die Seefahrer binnen weniger Jahre in einem wahren Seuchenzug aus. "Bis dahin hatte das Immunsystem der Menschen (in Europa, Asien und Afrika) nicht gewusst, was das ist. Das muss so wie die Pocken in Amerika (bei den Indianern; Anm.) gewesen sein", sagte Janata.

    Schwierig ist die Situation zum Beispiel beim Zika-Virus. "Das Virus wird von infizierten Männern noch wochen- bis monatelang über die Genitalien und Spermien ausgeschieden, auch wenn es aus dem Blut schon längst verschwunden ist. Und 80 Prozent der Männer merken die asymptomatische Infektion nicht", so der Fachmann.

    Bei den HPV-Impfungen scheint sich in einem der Länder, welche die kostenlose Impfung für Kinder eingeführt haben, eine Revolution abzuspielen. Laut dem Informationsdienst des britischen Wissenschaftsmagazins Nature ist in Australien durch die kostenlose Impfung aller Zwölf- bis 13-Jährigen von 2005 bis 2015 die Häufigkeit der HPV-Infektionen bei jungen Frauen von 23 auf ein Prozent gesunken. In zehn bis 20 Jahren könnte die HPV-Impfung damit Gebärmutterhalskrebs in Australien eliminieren, hieß es mit Verweis auf den britischen "Guardian". (APA, 8.3.2018)

    • Mittlerweile ist die Anzahl der Syphilisinfektionen in den westlichen Industrienationen wieder leicht angestiegen. Mögliche Gründe dafür: Die Angst vor HIV hat abgenommen. Dadurch wird auch weniger auf Safer Sex gesetzt.
      foto: getty images/istockphoto

      Mittlerweile ist die Anzahl der Syphilisinfektionen in den westlichen Industrienationen wieder leicht angestiegen. Mögliche Gründe dafür: Die Angst vor HIV hat abgenommen. Dadurch wird auch weniger auf Safer Sex gesetzt.

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