Pro & Kontra: Im Taxi vorne sitzen

    Kolumne13. März 2018, 10:29
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    Alles wäre vorne anders oder vorne zu sitzen geht gar nicht

    foto: getty images/istockphoto/ivanikova

    Pro
    von Guido Gluschitsch

    Ich sitze im Taxi hinten. Doch nicht aus Überzeugung, sondern weil ich ein Feigling bin. Viel lieber würde ich vorne sitzen, und ich arbeite entschlossen daran, diesem Wunsch auch Taten folgen zu lassen. Quasi Neujahrsvorsatz light.

    Hinten nämlich ist man dem Fahrer und seinen Launen komplett ausgeliefert. Highlight war der Taxler, der mich in gebrochenem Deutsch gefragt hat, ob ich Auslända sei. Ich schau nämlich so aus. Wie ich denn heiße. Es seien schon zu viele da. Nach "Gluschitsch" ging's erst richtig los.

    Würde ich mich trauen, vorne zu sitzen, wäre alles anders. Niemand würde es wagen, mich von der Seite anzureden. Ich würde den stinkerten Wunderbaum vom Spiegel reißen und in den verdreckten Aschenbecher stecken. Den Dodlsender im Radio blockieren, dem Taxler das Handy aus der Hand schlagen, wenn er wieder einmal während der Fahrt SMS schreiben muss, und es aus dem Fenster schmeißen, die Handbremse anziehen, wenn er jemandem zu dicht auffährt ... Aber nein, ich Feigling sitze brav hinten, lächle freundlich und hoffe, dass alles bald vorbeigeht.

    Kontra
    von Hans Rauscher

    In einem Wiener Taxi vorne zu sitzen geht gar nicht. Weil nämlich der Beifahrersitz meist mit den Zimmer-Kuchl-Kabinett-Habseligkeiten des Taxifahrers vollgeräumt ist. Dönerjause, Mineralwasserflasche, Tschick, Erfrischungstücher, manchmal Hundekeksi, Streichholzbriefchen von einem Gürtelcafé, gerne auch ein Laptop. Auf dem läuft manchmal eine Sitcom, nicht immer in deutscher Sprache.

    Das soll man nicht beanstanden, weil die meisten Fahrer endlose Stunden abspulen müssen, um halbwegs auf ein Geld zu kommen. Sie leben fast in dem Taxi, und da braucht man halt allerhand Dinge des täglichen Bedarfs.

    Aber auch bei leerem Beifahrersitz ist es hinten besser. Man kann sich hinter einer Zeitung verstecken – und damit eine Diskussion mit dem Fahrer über die Frage unterbinden, ob da net a klaner H. herg'hört (Inländer) oder warum Erdogan einer der missverstandensten Menschen auf diesem Planeten ist (kein Inländer). Nur in manchen Wagen starrt man auf Miniscreens an der Rückseite des Vordersitzes. Mit Werbung. Da ist vorne besser. (RONDO, 13.3.2018)

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