Nachfahren von Pionieren haben höheres Risiko für Erbkrankheiten

7. März 2018, 07:00
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Studie zeigt: In weniger dicht besiedelten Regionen sammeln sich mehr Genmutationen an

Bern/Quebec – Die Nachfahren jener ersten Europäer, die sich einst auf dem Gebiet des heutigen Quebec angesiedelt haben, besitzen ein höheres Risiko für Erbkrankheiten. Schweizer und kanadische Forscher haben gezeigt, dass die natürliche Auslese in dünn besiedelten Gebieten Genmutationen schlechter ausmerzen kann.

Die Wissenschafter am Schweizerischen Institut für Bioinformatik (SIB) an der Universität Bern untersuchten zusammen mit Kollegen der Universität Quebec in Chicoutimi (UQAC), der Universität Montreal und der Universität Toronto die historischen und genomischen Daten von Nachkommen derjenigen Menschen, die sich in der ersten Besiedlungswelle in Quebec niedergelassen hatten. Die Geschichte dieser Pioniere ist besonders gut dokumentiert.

Es ist bekannt, dass Personen, deren Vorfahren an vorderster Front an der Kolonialisierung Quebecs teilnahmen, ein höheres Risiko für Erbkrankheiten haben. Allerdings waren die Gründe dafür bisher unklar.

Natürliche Auslese funktioniert schlechter

Stephan Peischl und Isabelle Dupanloup Duperret vom SIB konnten zeigen, dass sich bei diesen Personen mehr Genmutationen angesammelt haben als etwa bei Menschen, deren Vorfahren in bereits kolonisierten Regionen lebten. Diese verhängnisvollen Mutationen können laut den Forschern nicht mit der Blutsverwandtschaft innerhalb der isolierten Bevölkerungsgruppen erklärt werden. Es sei vielmehr so, dass die natürliche Auslese in weniger dicht besiedelten Regionen weniger effizient funktioniert und Genmutationen nicht wirksam auslöschen kann.

Die Forschergruppe konnte dies zum ersten Mal für eine so junge Bevölkerungsgruppe zeigen. "Die Tatsache, dass wir diese bedeutenden Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden haben, ist recht erstaunlich, schließlich müssen sich diese Unterschiede innerhalb von sechs bis neun Generationen ausgebildet haben – evolutionär betrachtet eine sehr kurze Zeit", erklärt Peischl.

Die Befunde, über die die Wissenschafter im Fachjournal "Genetics" berichten, könnten dabei helfen, das Auftreten von Krankheiten bei Bevölkerungsgruppen mit Kolonialvergangenheit zu verstehen. Allerdings sind die Wissenschafter für weitere Forschung auf DNA von diesen Bevölkerungsgruppen angewiesen. (APA, red, 7.3.2018)

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