Eurowings verhandelt mit Laudamotion über Flieger

6. März 2018, 16:44
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Die AUA-Schwester nimmt mehr Destinationen ab Wien und Salzburg auf. Die AUA kosten die Flugstreichungen mehrere 100.000 Euro

Berlin/Wien – Wer die Lufthansa-Billig-Tochter Eurowings lediglich als das, was sie ist, wahrnimmt, irrt, denn: "In fünf Jahren wird Eurowings keine klassische Airline mehr sein, sondern ein digitales Unternehmen mit angeschlossenen Flugbetrieben", kündigte Eurowings-Chef Thorsten Dirks am Dienstag an.

Kurzfristig, also bis zum Beginn des Sommerflugplans Ende März, will sich Eurowings über Leasingvereinbarungen einige Maschinen der ehemaligen Air-Berlin-Tochter Niki sichern. Einige der ehemals 21 Flugzeuge würde Eurowings nun gerne von Laudamotion (bekam den Zuschlag für Niki) einsetzen. Die Verhandlungen laufen.

Ferienziele

Ab Ende März sollen dann unter anderem 600 zusätzliche Flüge monatlich ab Wien und 300 mehr ab Salzburg starten. Im Gespräch mit dem STANDARD nannte ein Eurowings-Sprecher folgende neue Ziele ab Wien: Korfu, Kreta, Catania, Kos, Larnaka und Rhodos. Ab Salzburg werden neu angeflogen: Korfu, Heraklion, Hurghada, Kos, London, Rhodos und Berlin (Tegel). Eurowings Europe hat ihren Sitz in Wien. Über einen Kollektivvertrag wird dort derzeit ebenso verhandelt wie bei der AUA.

Wie berichtet hat Laudamotion von der Lufthansa 14 (der 21 Ex-Niki-Flieger) übernommen. Sollte Eurowings tatsächlich zehn davon via Leasingverträge bekommen, könnten die restlichen zur AUA gehen. Dort heißt es: "Wir verhandeln, der Bedarf ist vorhanden." Zwei Flieger von Adria Airways wurden von der AUA für den Sommerbetrieb bereits fix geleast.

Neben dem Ausbau des Flugbetriebs investiert Eurowings zurzeit massiv in die Digitalisierung ihres Angebotsportfolios. So wird die Website eurowings.com – mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro eines der größten Online-Portale Deutschlands – zurzeit mit Millionenaufwand weiterentwickelt. Eurowings biete im Unterschied zu anderen Airlines Highspeed-Internet an Bord ihrer Jets an. Das Angebot zum Surfen über den Wolken sei bisher in 30 Flugzeugen eingebaut und soll bis Jahresende auf die ganze Eurowings-Flotte ausgerollt sein. Während der Einführungsphase könne jeder Passagier das Internetangebot für zehn Minuten kostenlos nutzen.

Als "Hingucker" in Sachen Kundenfokus und Digitalisierung gilt bei Eurowings Vote & Fly: ein digitales Voting, bei dem Kunden erstmals Ende 2017 via Facebook ein neues Flugziel im Eurowings-Streckennetz bestimmt haben. Der Social-Media-Hit mit der Siegerdestination Mostar (Bosnien-Herzegowina) lockte in einer Woche siebeneinhalb Millionen User aus ganz Europa an.

"Wir stemmen zurzeit das größte Wachstum, das der deutsche Luftverkehr jemals erlebt hat", sagte Eurowings-Chef Dirks. In den vergangenen Monaten wuchs die Zahl der Beschäftigten um 2000 auf rund 9000 Mitarbeiter. Viele der Neuzugänge kamen von Air Berlin.

AUA-Betriebsversammlung

Anders als ihre Schwester Eurowings musste die AUA am Dienstag und Mittwoch aufgrund von angekündigten Betriebsversammlungen den Flugplan kräftig eindampfen. Am Dienstagvormittag wurden die Betriebsversammlungen vom Betriebsratsvorsitzenden krankheitsbedingt wieder abgesagt. Dessen Anwesenheit sei aber rechtlich notwendig, hieß es. Man wollte die Mitarbeiter über die stockenden Kollektivvertragsverhandlungen informieren. Die Kosten für die Flugstreichungen und Umbuchungen lagen bei mehreren 100.000 Euro, so die AUA. (Claudia Ruff, 6.3.2018)

  • Neben dem Ausbau des Flugbetriebs investiert Eurowings zurzeit massiv in die Digitalisierung ihres Angebotsportfolios.
    foto: bernd thissen/dpa

    Neben dem Ausbau des Flugbetriebs investiert Eurowings zurzeit massiv in die Digitalisierung ihres Angebotsportfolios.

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