STANDARD-Korrespondentin Estelle Marandon über Paris

    8. März 2018, 15:00
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    Auftakt unserer Städtereise-Serie "Meine Stadt": Estelle Marandon hat endlich eine Adresse für guten Kaffee entdeckt. Der ist in der französischen Hauptstadt nämlich so selten, wie es Touristen südlich von Montmartre sind. Für junge Designermode schickt sie Besucher in das angesagte 10. Arrondissement

    1. Wo waren Sie noch nie in Ihrer Stadt?

    Ich kenne die Katakomben nicht. Nicht die, für die man bei Denfert-Rochereau 13 Euro Eintritt bezahlt, um riesige Knochenberge zu besichtigen, sondern die geheimen, kilometerlangen Gänge unterhalb der Stadt, die man seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr betreten darf. Was die sogenannten cataphiles aber nicht daran hindert, dort immer noch geheime Partys zu veranstalten. Um das einmal zu erleben, darf man nicht klaustrophobisch veranlagt sein. Der Zugang führt über Gullideckel, Löcher und schmale Gänge nach unten.

    2. Wo wollen Sie auf keinen Fall wieder hin?

    Ich meide die Metrostation Châtelet wie die Pest. Ein endloses Labyrinth, aus dem man nie den richtigen Ausgang findet.

    3. Wo kaufen Sie ein?

    Guter Kaffee ist in Pariser Bistrots keineswegs gang und gäbe. Das La Fontaine de Belleville, nicht weit vom Canal Saint Martin, ist eine große Ausnahme. Hier gibt es selbstgerösteten Kaffee aus der hauseigenen Brûlerie, den man auch für zu Hause kaufen kann. Viele wissen gar nicht, dass man in der Gegend im 10. Arrondissement außerdem bestens shoppen kann. Im Centre Commercial in der Rue de Marseille gibt es nachhaltige Mode und junge Designer zu entdecken, und an der Ecke Rue Yves Toudic eine der besten Bäckereien der Stadt.

    4. Wo schmeckt es Ihnen am besten?

    Le Chateaubriand gehört zu den besten Neobistrots von Paris. Kaum zu glauben, dass der Guide Michelin zehn Jahre gebraucht hat, um Chefkoch Inaki Aizpitarte endlich einen Stern zu geben.

    5. Wo übernachten Ihre Gäste?

    Während die meisten Touristen von Pigalle aus nach Norden wandern, Richtung Montmartre und Sacré Coeur, zieht es uns Einheimische in den zwar weniger romantischen, dafür aber umso lässigeren Süden. South-Pigalle – auch So Pi – wird das Bermudadreieck zwischen den Metrostationen Pigalle, Saint-Georges und Blanche genannt. Nirgendwo sonst ist die Dichte an angesagten Bars, Boutiquen und neuerdings auch Hotels so hoch wie in diesen paar Straßen südöstlich des Moulin Rouge. Einchecken würde ich im Hotel Le Pigalle oder im Hotel Amour.

    6. Wo haben Sie eine aufregende Nacht verbracht?

    Der kleine Platz auf der äußersten Spitze der Île Saint-Louis gehört zu den schönsten Fleckchen von Paris. Hier treffe ich mich im Sommer gerne mit Freunden zum "apéro", denn auf dem gepflasterten Vorsprung hat man einen herrlichen Blick auf die Seine und die vorbeifahrenden Schiffe. Nicht selten werden dort auch spontane Partys veranstaltet. So wie an diesem einen Abend, als wir dort mit einer Flasche Rosé saßen und auf einmal eine Gruppe von Leuten hinter uns ein DJ-Pult aufstellte. In Nullkommanichts verwandelte sich unser kleines Picknick in ein rauschendes Fest, und wir tanzten bis in die Morgenstunden.

    7. Wo sollte 2018 jeder hin?

    Bald ist der Besuch des Lutetia samt Brasserie, die von Dreisternekoch Gerald Passedat geleitet wird, wieder möglich. Das legendäre Hotel soll im Mai nach vier Jahren Umbauarbeiten wiedereröffnet werden. (Estelle Marandon, RONDO, 8.3.2018)

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      Wirklichen guten Kaffee gibt's in La Fontaine de Belleville, nicht weit vom Canal Saint Martin.

    • Moulin Rouge, South-Pigalle: Nirgendwo sonst ist die Dichte an angesagten Bars, Boutiquen und neuerdings auch Hotels so hoch.
      foto: istock editorial / mshch

      Moulin Rouge, South-Pigalle: Nirgendwo sonst ist die Dichte an angesagten Bars, Boutiquen und neuerdings auch Hotels so hoch.

    • Einer der schönsten Plätze in Paris: die äußerste Spitze der Île Saint-Louis.
      foto: getty images/istockphoto/nikada

      Einer der schönsten Plätze in Paris: die äußerste Spitze der Île Saint-Louis.

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