The Sustainable City: Die Energiesparer aus der Wüste

8. März 2018, 07:00
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Ein Haushalt in den Golfstaaten benötigt ein Vielfaches der Energie eines europäischen Pendants, doch es gibt Bemühungen um mehr Energieeffizienz

foto: the sustainable city
Planstadt aus der Vogelperspektive: Fotovoltaikanlagen bestimmen das Ortsbild der Sustainable City in Dubai.

Wels – "Nachhaltigkeit an unerwarteten Orten" betitelte Alan Meier vom Energy and Efficiency Institute der University of California seinen Vortrag, den er vergangene Woche bei der Konferenz World Sustainable Energy Days in Wels hielt. Der unerwartete Ort, den er vorstellte, liegt in einer der gigantomanischen Wüstenstädte des Nahen Ostens, in Dubai.

"Die Golfstaaten gehören zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Energieverbrauch pro Haushalt", erklärt Meier. Dort, wo beinahe jede Energie aus fossilen Brennstoffen stammt, die Außentemperaturen hohen Klimatisierungseinsatz bedingen und Süßwasser durch energieintensive Entsalzung gewonnen wird, benötigt ein gewöhnlicher Haushalt "leicht das Vier- bis Fünffache" eines europäischen Pendants.

Die Entwickler aus Dubai ließen sich an Meiers Universität von Null-Energie-Konzepten inspirieren, um sie auf die Verhältnisse am Persischen Golf umzulegen. Mittlerweile sind in der Sustainable City, einer am Reißbrett entworfenen Expat-Siedlung, bereits erste Bewohner eingezogen.

Der Energieeffizienzgedanke steckt bereits in Raumplanung und Architektur: Die Gebäudeanordnung vermeidet direkte Sonneneinstrahlung auf Fenster. Gärten bleiben im Schatten, um Wasser zu sparen, die Häuser sind gut isoliert, um die Hitze draußen zu halten.

Die mit Abstand größten Verbraucher sind Klimaanlagen. Je nach Verhalten der Bewohner können die omnipräsenten Solaranlagen auf Dächern und über Parkplätzen diesen Bedarf decken: "Wird auf 19 Grad Celsius heruntergekühlt, reicht die Fotovoltaik nicht aus", betont Meier.

Digitalisierung

Ein zentrales Thema ist die Digitalisierung der Energietechnik: Eine Flotte an Elektrofahrzeugen kann auf Basis von Echtzeitdaten koordiniert werden. Ein selbstfahrender Busshuttle nimmt den Betrieb auf. Daten über Energiegenerierung und -verbrauch sollen bald zur Verfügung stehen und den Energieaustausch zwischen Wohnungen und Infrastruktur planbar machen. In einem nächsten Ausbauschritt sollen Hausbatterien die Energie puffern. Auch bei den Klimageräten sei noch Optimierungspotenzial gegeben, da sie noch nicht über digitale Schnittstellen verfügen.

Der Gesamtenergiebedarf der Häuser liegt bei etwa 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter – noch vor Abzug des Beitrags der Fotovoltaik. Der Heizbedarf eines Neubaus in Österreich kommt allein auf etwa die Hälfte.

Was kann man also von dem Beispiel in Dubai lernen? Für Meier darf man Energieeffizienz nicht mehr nur auf der Ebene einzelner Haushalte sehen. Eine Gesamtsicht der Wohneinheiten und der gemeinsamen Infrastruktur einer Community sei wichtig und benötige entsprechende Geschäftsmodelle. Technologische Veränderung allein werde allerdings nicht ausreichen, ist Meier klar. "Technologie funktioniert nur in Kombination mit menschlichem Verhalten." (pum, 8.3.2018)

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