Genfer Motor Show: Wo die Musik spielt und wo nicht

    6. März 2018, 10:44
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    Zwischen zukunftsträchtigen Konzepten und schierer Unvernunft, Autos zum lustvoll selber Fahren und autonomen Perspektiven oszilliert der diesjährige, der 88. Genfer Salon (bis 18. März). Erkennbar wird aber auch: Die klassische Automesse überlebt sich langsam.

    Genf – Das mieselsüchtige Wetter zum Auftakt des Salons in Genf spiegelt keineswegs die Stimmungslage in der Autoindustrie, auch wenn die Euphorie durch die Dieseldebatte gedämpft ist – doch das ist ein rein europäisches Phänomen. Global eilt die Branche von Rekord zu Rekord, heuer fällt womöglich sogar erstmals die 100-Millionen-Hürde. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden weltweit erst 58 Millionen Autos verkauft.

    foto: afp
    An die 700.000 Besucher werden auf der Geneva International Motor Show erwartet.

    Auch das Publikumsinteresse an der europäischen Frühjahrsmesse ist ungebrochen. Im Palexpo-Gelände gleich neben dem Flughafen erwarten die Veranstalter rund 700.000 Besucher – und 10.000 Medienvertreter. 180 Aussteller bringen über 110 Welt- und Europapremieren mit. Nicht dabei sind jedoch DS, Infiniti, Chevrolet, und auch Opel, seit 2017 PSA-Tochter, fehlt – erstmals seit ewig.

    foto: afp
    Opel ist heuer nicht in Genf, dafür leistet sich der Konzernbruder einen umso eindrucksvolleren Auftritt.

    Wenn im Vergleich zu den vergangenen Jahren nicht überragend viele neue Serienmodelle debütieren, dafür mehr Konzeptfahrzeuge und Studien, liegt dies auch an dem Umstand, dass absatzmäßig inzwischen anderswo die Musik spielt, speziell in China. Viele Hersteller präsentieren wichtige Novitäten Ende März auf der Auto Show in Peking, der neue VW Touareg etwa feiert dort kurz nach seiner Welt- seine Messepremiere und nicht in Genf.

    foto: volkswagen
    Den Touareg wird VW erst in Peking präsentieren, nach Genf bringen sie die Weltpremiere des I.D. Vizzion.

    Auch rücken mit Elektronik, Vernetzung und autonomem Fahren mittlerweile andere Themen und Branchen in den Fokus, sodass sich salopp resümieren lässt: Die klassische Automesse beginnt sich langsam zu überleben.

    foto: nissan
    Nissan zeigt den IMx.

    Antriebsseitig ist der Zug unübersehbar abgefahren in Richtung Elektromobilität, die Hersteller investieren Milliarden in Entwicklung und Fertigung. Da geht in den nächsten Jahren die Post ab, etliche spannende Studien machen schon jetzt Appetit: Porsche Mission E Cross Turismo, von japanischer Seite die bereits anderswo erstmals präsentierten Honda Urban EV, Sports EV und NeuV, Mitsubishi e-Evolution und Nissan IMx. Renault EZ-GO und VW I.D. Vizzion haben zudem die Endausbaustufe des autonomen Fahrens im Auge. Echte Serienmodelle? Gibt es auch. In Genf debütieren die batterieelektrischen Neuzugänge Jaguar i-Pace und Hyundai Kona Elektro, und mit dem Hyundai Nexo wird Wasserstoff-Brennstoffzelle erstmals für jedermann verfügbar.

    foto: bmw
    Weltpremiere für den BMW X4.

    Auffällig ist neben dem allgegenwärtigen SUV-Boom – Salon-Weltpremiere feiern BMW X4, Hyundai Santa Fe, Jaguar i-Pace, Lamborghini Urus, Lexus UX und Range Rover SV Coupé –, dass in Genf diesmal kein einziger neuer Kleinwagen steht. Dafür ist die Golf-Klasse mit drei Beiträgen aufmagaziniert: Kia Ceed, Toyota Auris und Mercedes A-Klasse; die seriennahe Studie Kai Concept wird man hinzufügen dürfen, dahinter versteckt sich der nächste Mazda3. Bei den Limousinen sind zwei Hochkaräter angesagt, Peugeot 508 und Audi A6, bei den Kombis debütiert Volvos V60.

    foto: porsche
    520 PS leistet der Vierliter-Sauger im Porsche 911 GT3 RS.

    Damit zur glanzvollen Sport- und Supersportabteilung, wo die Stars Ferrari 488 Pista, Ford Mustang Bullit, Lamborghini Huracan Performante Spyder, McLaren Senna, Porsche 911 GT3 RS und Toyota Supra heißen – auch wenn Letzterer noch eine Studie ist, aber eine sehr seriennahe. Der Maserati Touring Sciàdipersia hingegen war nichts weiter als ein: Salongerücht. (Andreas Stockinger, 6.3.2018)

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