Wie Amerikas protektionistischer Handelsminister tickt

6. März 2018, 10:56
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Wilbur Ross hat die Aufgabe, Donald Trumps Importbeschränkungen zu verteidigen. Als Ex-Nutznießer von Stahlzöllen fällt ihm das leicht

Dieser Tage sieht man Wilbur Ross des Öfteren mit einer Bierdose in der Hand. Die hält er mit ernster Miene in eine Kamera, als wäre sie ein unverzichtbares Beweisstück. In einer solchen Dose, rechnet der amerikanische Handelsminister vor, stecke Aluminium im Wert von drei Cent. Schlage man zehn Prozent Zoll auf Aluminiumimporte auf, werde ein Budweiser, im Laden für einen Dollar zu haben, um gerade mal 0,3 Cent teurer. "Wer in aller Welt zermartert sich deswegen den Kopf?", mokierte sich Ross, als er sich neulich beim Börsensender CNBC zuschalten ließ.

Der 80 Jahre alte Milliardär hat die Aufgabe, Donald Trumps bislang schwersten Schlag gegen den Freihandel zu rechtfertigen, das Erheben von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium. Mal spielt er die Konsequenzen herunter, mal betont er, dass von erratischer Politik keine Rede sein könne. Schließlich habe schon der Kandidat Trump versprochen, die heimischen Hochöfen zu schützen.

Welthandel als Nullsummenspiel

Worin sich Ross und Trump weitgehend einig sind, ist eine von eng definiertem Eigeninteresse geprägte Sicht auf den Welthandel als eine Art Nullsummenspiel, das Gewinner und Verlierer kennt, nicht aber Partner. Dass er die USA auf der Verliererseite sieht, hat der Minister beim Weltwirtschaftsforum in Davos deutlich gemacht. Als sich Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg für Freihandel eingesetzt habe, sagte er, sollte dies notleidenden Ländern auf die Beine helfen. "Was 1945 angemessen war, ist heute vollkommen unangemessen. Man muss nicht mehr China, Japan oder Europa mit unserem Geld subventionieren."

Die Stahlindustrie wiederum ist das Metier, in dem der Investor aus New Jersey das Gros seines Vermögens scheffelte. Mitte der Siebziger war er als Experte für Insolvenzen bei der Rothschild-Bank. 1997 gründete er einen Kapitalbeteiligungsfonds, 2002 erwarb er eine Reihe bankrotter Stahlfirmen. Im selben Jahr verhängte der damalige Präsident George W. Bush Strafzölle gegen Stahlimporte, worauf die Preise stiegen, was Ross gelegen kam. Er baute Schulden ab, kürzte Löhne, während er dem Staat die Verantwortung für zuvor eingegangene Pensionsverpflichtungen aufbürdete. Als er das sanierte Imperium für 4,5 Mrd. Dollar an den Inder Lakshmi Mittal verkaufte, verbuchte er 260 Mio. Dollar Gewinn.

Brisante Verbindungen

Zuletzt war Ross in die Schlagzeilen geraten, als die Paradise Papers brisante Geschäftsverbindungen enthüllten. Konkret ging es um seine Beteiligung an einer Reederei, die Schiffe zum Flüssiggastransport vermietet. Zum Kundenkreis zählten der russische Konzern Sibur, Wladimir Putins Schwiegersohn und weitere kremlnahe Geschäftsleute. Leute, die in Washington auf der Sanktionsliste standen.

Mit dem Mann im Oval Office ist der "König der Pleiten" bekannt, seit er eine Gruppe von Investoren vertrat, die Geld in das "Taj Mahal", gesteckt hatten, Trumps in die Zahlungsunfähigkeit geschlittertes Kasino in Atlantic City. Der Deal, den Ross aushandelte, rettete den New Yorker Baulöwen vor dem Ruin, während dessen Gläubiger die Hälfte der Anteile übernahmen. Wohl auch deshalb hat Trump dem Veteranen später das Handelsressort übertragen. Wilbur Ross, schwärmte er, "ist einer der besten Verhandler, die ich je getroffen habe". (6.3.2018)

  • Wilbur Ross lässt sich nicht so leicht blenden. Zumindest ist er sich mit Donald Trump einig,  dass Amerikas Verbündete die USA viel zu lange über den Verhandlungstisch gezogen hätten.
    foto: reuters/lamarque

    Wilbur Ross lässt sich nicht so leicht blenden. Zumindest ist er sich mit Donald Trump einig, dass Amerikas Verbündete die USA viel zu lange über den Verhandlungstisch gezogen hätten.

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