Grüne Misere: "Nach drei Eigentoren kann man kein Match gewinnen"

Video5. März 2018, 19:50
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Die Bundesgrünen versuchen trotz hausgemachten Debakels kühlen Kopf zu bewahren – und reden sich nicht auf Glawischnig aus

Wien – Die Trennung ist noch nicht ganz vollzogen. Wer auf der grünen Homepage nach Michel Reimon sucht, der stößt auf ein Werbefoto mit der Ex-Chefin. Der Europaparlamentarier ist zu sehen, wie er mit Eva Glawischnig ein Paradeispflänzchen streichelt.

Das Bild ist ein Überbleibsel aus besseren Zeiten. Auch Reimon hat Glawischnigs Job beim Glücksspielkonzern Novomatic empört – und doch nimmt er sie gegen einen Vorwurf in Schutz: "Für unsere Niederlage in Kärnten war Glawischnig nicht entscheidend."

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Die österreichweite Talfahrt der Grünen setzt sich auch in Kärnten fort. Hier ist es besonders dramatisch, denn nach vierzehn Jahren sind sie jetzt aus dem Landtag geflogen.

Entschuldigung für "verwahrloste" Partei

"Hausgemacht" nennt Reimon den Rauswurf aus dem Landtag und verweist auf die parteiinternen Querelen, die in die Gegenkandidatur von Ex-Landessprecherin Marion Mitsche mündeten. "Nach drei Eigentoren kann man kein Match mehr gewinnen", schließt sich Bundeschef Werner Kogler an. Spitzenkandidat Rolf Holub sei immer noch ein "Asset" gewesen, "doch für die Verwahrlosung der Landespartei kann ich mich nur entschuldigen".

Die Meinungsforscher des Sora-Instituts stützen die Selbstanzeige. Demnach haben die Grünen am meisten Stimmen an das Lager der Nichtwähler verloren – ein Hinweis auf viel Enttäuschung unter Sympathisanten. In der generellen Krise, in der die Grünen seit dem Abschied aus dem Nationalrat stecken, gäben regionale Faktoren den Ausschlag zwischen Überleben (Niederösterreich, Tirol) und Untergang (Kärnten), sagt Sora-Chef Christoph Hofinger. Abgesehen vom Streit seien Holub & Co. daran gescheitert, als Regierungspartei ein neues Thema zu finden – der Antikorruptionskampf habe sich mit der Abwahl der FPÖ 2013 weitgehend erschöpft. Der Causa Glawischnig hingegen gibt Hofinger höchstens das Gewicht von ein paar Zehntelprozentpunkten auf oder ab.

Bei der nächsten Landtagswahl am 22. April stehen die Chancen besser. Zwar müssen sich die Grünen auch in Salzburg, wo sie mitregieren, auf ein Minus einstellen, zumal die 2013 im Schatten eines Finanzskandals erzielten 20 Prozent kaum haltbar sind. Doch während der Kärntner Flop vorab "eingepreist" gewesen sei, ist sich Kogler nun sicher: "Das Salzburger Ergebnis wird zweistellig."

Ein Andrang wie noch nie

Überhaupt: Schon die Wahlen in Niederösterreich und Tirol seien "überraschend positiv" ausgegangen, "und die Nachfrage nach Beteiligung ist größer denn je. Viele haben jetzt Angst, dass die Grünen sonst ganz verschwinden." Kogler verweist auf den ersten von vorerst drei geplanten Neubeginn-Kongressen, der am 5. Mai in Linz stattfindet. 2000 Anmeldungen gebe es bereits, mehr als in die Halle passen: "Früher, bei unseren brav durchgestylten Events mit braven Delegierten waren es immer nur einige wenige Hundert."

"Nur keine Hysterie", gibt Reimon als Losung aus, die Partei dürfe nicht in einer Panikreaktion auf Kärnten eine oberflächliche "Marketing-Reform" hinlegen. Dass die Bundesgrünen erst einmal eine Weile abgemeldet sind, sei hinzunehmen, denn die Neuaufstellung brauche Zeit. Reimon schwebt eine Wiedergeburt als "extrem scharfe Oppositionspartei" vor und landet wieder bei Glawischnig: "Teil des Establishments haben wir nicht zu sein." (Gerald John, 5.3.2018)

  • Spitzenkandidat Rolf Holub, Parteichef Werner Kogler: Im Wahlkampf gab's bei den Grünen noch Umarmungen als Mutmacher –  nach dem Wahlabend nur mehr zum Trost.
    foto: apa / gert eggenberger

    Spitzenkandidat Rolf Holub, Parteichef Werner Kogler: Im Wahlkampf gab's bei den Grünen noch Umarmungen als Mutmacher – nach dem Wahlabend nur mehr zum Trost.

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