Krise der Grünen: Die Lehre aus der Stümperei

Kommentar5. März 2018, 17:17
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Sie wissen nun, dass sie ihr Schicksal in eigenen Händen halten

Es geht nicht nur um die Tatsache, sondern auch um das Timing: Selbst wenn man Eva Glawischnig mit viel gutem Willen zugestehen will, dass sie idealistischer Veränderungswille zu Novomatic trieb, ist der Zeitpunkt schlicht zum Kopfschütteln. Einen solchen Schritt just zwei Tage vor einer für die eigene Partei heiklen Wahl zu verkünden, zeugt von sagenhafter Instinktlosigkeit – oder von viel aufgestautem Zorn auf grüne Exkollegen.

Die größten Feinde sitzen bei dieser Partei oft im eigenen Lager, so auch in Kärnten selbst. Einmal mehr haben sich die Grünen als unfähig erwiesen, Konflikte so zu lösen, dass nicht flächendeckend verbrannte Erde zurückbleibt. Das gilt nicht nur für Exlandessprecherin Marion Mitsche, die aus Frust über ihre Niederlage bei der grünen Listenwahl mit einer aussichtslosen wie wahnwitzigen Gegenkandidatur gleich die ganze Bewegung mit nach unten zog. Auch Frontmann Rolf Holub hat bisweilen Öl ins Feuer gegossen und beim Krisenmanagement versagt.

Dennoch dürfen die Grünen aus der Erfahrung der heurigen drei Wahlen Hoffnung schöpfen: Sie wissen nun, dass sie ihr Schicksal in eigenen Händen halten. Wie die Daten aus Kärnten nahelegen, war es in erster Linie nicht der strahlende Konkurrent von der SPÖ, der Stimmen kostete, sondern die eigene Stümperei. Dass Professionalität hilft, zeigen die respektablen Resultate in Tirol und Niederösterreich: Der Fall ins Bodenlose ist kein Naturgesetz. (Gerald John, 5.3.2018)

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