Kein Beben an den Börsen nach Italien-Wahl

5. März 2018, 17:04
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An Italiens Börse hatte der Wahlausgang keinen großen Effekt. Kursschwächen wurden ausgeglichen. Nun beginnt das Warten auf eine neue Regierung

Trotz des Wahlsiegs der beiden euroskeptischen Parteien, Movimento 5 Stelle (M5S) und der ausländerfeindlichen Lega, ist das befürchtete Erdbeben an Italiens Finanzmärkten am Montag ausgeblieben. Zwar hat die Mailänder Börse in den Vormittagsstunden um bis zu zwei Prozent nachgegeben, doch die Kursverluste konnten bis zum Nachmittag halbiert werden. Als ausschlaggebend dafür gelten die Zusicherungen der Wahlsieger Matteo Salvini (Lega) und Luigi Di Maio (M5S). Salvini, der zur stärksten Kraft in der Mitte-rechts-Koalition avancierte, bestätigte, dass er keinen Euro-Austritt anstrebe und Reformen einleiten wolle. Das Schreckgespenst eines Zusammengehens zwischen Lega und M5S wurde von Salvini klar abgelehnt. Er wolle mittels einer rechten Allianz (Berlusconis Forza Italia, Fratelli d'Italia, Lega) regieren.

Zu den Verlierern an der Börse zählten die Bankenwerte. Auf diese wirkt sich das wahrscheinliche Hinauszögern der Regierungsbildung empfindlicher aus als auf andere Werte. Eine Erhöhung des Spreads – der Zinsdifferenz zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen – könnte die Folge sein.

Größter Verlierer war am Montag Silvio Berlusconis Mediengesellschaft Mediaset. Berlusconi hat mit seiner Forza Italia weit weniger Stimmen kassiert, als vorausgesehen wurde.

Chefvolkswirt Giovanni Zanni von der Credit Suisse ist der Ansicht, dass die Auswirkungen der Wahlergebnisse die Märkte nur kurzfristig negativ beeinflussen werden. Zwar sei ein Bündnis zwischen den extremen Parteien (Lega/M5S) theoretisch möglich, aber nicht wahrscheinlich. Wahrscheinlicher sei eine künftige Mitte-rechts-Allianz. Zanni schließt das Risiko eines Italexits aus. Auch Matteo Ramenghi, Chefanalyst bei UBS, erwartet mittelfristig keine großen Folgen. Negativ würden sich Neuwahlen auswirken. Diese scheinen aber nicht in Sicht. Laut Ramenghi werde Regierungschef Paolo Gentiloni in den kommenden Wochen weiterhin die Regierungsgeschäfte wahrnehmen, bis sich eine Mehrheit für eine neue Regierung bildet. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 5.3.2018)

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