Neue Runde in Auseinandersetzung um Gatterjagd

5. März 2018, 16:45
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Tierschützer klagten den Landesjägermeister auf die Herausgabe angeblich geraubter Gegenstände. Das Urteil ergeht schriftlich

Salzburg/Anthering – Der seit rund zwei Jahren schwelende Streit zwischen dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) und dem Salzburger Landesjägermeister Maximilian Mayr-Melnhof beschäftigt erneut die Justiz. Der Unternehmer soll am 20. November 2017 bei einer Wildschweinjagd in seinem Jagdgatter im Flachgau mit Helfershelfern zwei Tierschützern ihre Videokameras samt Speicherkarten und ein Funkgerät abgenommen haben.

Der VGT klagte darauf auf Herausgabe der Gegenstände im Wert von 1.300 Euro. Mayr-Melnhof sagte am Montag bei der Verhandlung am Bezirksgericht Salzburg aber, den Aktivisten nie etwas abgenommen zu haben. Und auch andere Jagdteilnehmer beschworen, keine Kameras gesehen zu haben. Welche Seite damit die Unwahrheit erzählt, ist unklar.

Auf der Lauer

Um die Jagd zu dokumentieren, hatte der VGT damals eigenen Angaben nach an zehn Aktivisten Video- oder Fotokameras und Funkgeräte verteilt. Danach habe man sich rund um das Gatter positioniert, um die Jagd zu filmen. Dabei kam es zu zwei Zwischenfällen. Er habe von einem Treppelweg aus in das Gatter hinein gefilmt, als Mayr-Melnhof gemeinsam mit zwei Personenschützern in einem Pick-up-Truck aufgetaucht sei, erzählte heute ein Tierschützer (23). Nachdem die Männer aus dem Auto gestiegen sind, habe ihn einer der beiden Securities von hinten gepackt, gewürgt und ihm schließlich Kamera und Funkgerät entrissen. Die Gegenstände habe er Mayr-Melnhof gegeben. "Als ich ihn aufgefordert habe, sie mir zurückzugeben, hat dieser nur gelacht", erklärte der Aktivist. Außerdem habe ihn der Security bedroht: "Wenn du dich hier noch einmal blicken lässt, schmeißen wir dich in die Salzach."

Der Betroffene alarmierte über Handy seine Kollegen, die brachten ihn wegen Würgeverletzungen ins Krankenhaus und später zur Polizei, um dort Anzeige zu erstatten. "Warum haben Sie nicht gleich die Polizei oder Rettung gerufen", fragte die Richterin. "Ich wollte zuerst mit meinen Leuten reden. Das war ja eine Ausnahmesituation."

Schon früher am Tag soll der Landesjägermeister mit Helfern auch einen zweiten vermummten Aktivisten gestellt haben. Mayr-Melnhof sagte dazu heute vor Gericht, von seinen Befugnissen als beeidetes Jagdschutzorgan Gebrauch gemacht zu haben. "Ich bin ihm nachgelaufen und habe ihn am Oberarm gefasst. Dann habe ich die Festnahme ausgesprochen und mich ausgewiesen." Die Polizei sei zu diesem Zeitpunkt schon verständigt gewesen. "Ich habe ihn aufgefordert, dass er sich ausweisen und entmummen soll."

Unterschiedliche Sichtweise

Er hätte auch das Recht gehabt, den Mann zu durchsuchen und Gegenstände zu beschlagnahmen. Davon habe er aber an diesem Tag Abstand genommen. "Wir wollten es nicht zu einer Eskalation kommen lassen." Eine Kamera habe der Mann nicht dabei gehabt – was auch die Jagdhelfer Mayr-Melnhofs bezeugten. Der Tierschützer sah das freilich anders. Der Unternehmer sei ihm mit dem Fuß auf die Hand getreten und habe ihm den Camcorder mit Gewalt entwendet.

Das Urteil wird schriftlich ergehen. Der heutige Prozess war allerdings nur ein Nebenschauplatz. Mit dem Vorfall beschäftigt sich derzeit auch das Landesverwaltungsgericht, weiters läuft ein Verwaltungsverfahren, weil Mayr-Melnhof die Vorwürfe als "infame Lüge" bezeichnet hat. Zugleich erstatteten die Tierschützer Anzeige wegen Raubs, Körperverletzung, Nötigung, Amtsmissbrauch und Verleumdung. Der VGT hält die Gatterjagd für Tierquälerei und führt seit über zwei Jahren eine Kampagne gegen Mayr-Melnhof. Der Konflikt hat in der Vergangenheit bereits zu einer Vielzahl an Verfahren geführt. (APA, 5.3.2018)

  • Ein Rehlein im Wald.
    foto: apa/dpa/felix kästle

    Ein Rehlein im Wald.

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