iPhone-Brand soll Haus zerstört haben, Apple hält Betroffene hin

    6. März 2018, 17:44
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    Öffentliche Petition nach einem Jahr erfolgloser Kommunikation gestartet, Versicherung und iPhone-Hersteller im Clinch

    Familie Finley hat 2013 einen Bio-Landwirtschaftsbetrieb in British Columbia, Kanada, ins Leben gerufen. Die "Laurica Farm" belieferte Betriebe in der Region mit frischen Lebensmitteln, veranstaltete Abendessen und Kinder-Lehrcamps. Im Oktober 2016 schlug jedoch das Schicksal zu. Ein Brand zerstörte das Haus der Familie. Die Feuerwehr konnte die Flammen zwar tilgen, doch das hauptsächlich aus Holz errichtete Gebäude war laut Einschätzung der Brandbekämpfer aufgrund der Rauchschäden und hohen Hitzeentwicklung nicht mehr zu retten.

    Auch rund anderthalb Jahre später noch beschäftigt der Vorfall die Finleys, berichtet CBC. Mutmaßlicher Brandauslöser war ein iPhone 6, das während des Aufladens in Flammen aufgegangen sein soll. 600.000 Dollar hatte die Familie von ihrer Brandschutzversicherung erhalten. Doch mit Behandlungskosten und Geschäftsentgang reichte dieser Betrag nicht, um alle Kosten abzudecken. Im vergangenen Jänner stellte man, auch als Folge dieser Belastung, den Farmbetrieb großteils ein.

    foto: langley fire department
    Das vollkommen verschmorte iPhone.

    Weil der Familie der Verlust ihres neuen, in Bau befindlichen Hauses droht, versuchten sie, auch bei Apple Entschädigung geltend zu machen. Seit über einem Jahr soll der Konzern sie hinhalten, auch weil er sich in einer Auseinandersetzung mit ihrer Versicherung befindet. Nun haben sie eine öffentliche Petition gestartet, um Aufmerksamkeit für ihren Fall zu schaffen. Weitere 600.000 Dollar sollen fehlen.

    Feuerwehrbericht belastet iPhone

    Eine Brandursache wurde offiziell noch nicht festgestellt. Fakt ist jedoch, dass in dem Haus das (originale und weitgehend unversehrte) Ladegerät sowie das verbrannte Kabel und komplett verschmorte Smartphone sichergestellt wurden. Die Feuerwehr benennt auch Hitzeentwicklung durch Ladegerät oder Telefon als anzunehmenden Auslöser der Katastrophe.

    Dabei hatte die Familie noch Glück im Unglück, so die Schilderung im Petitionstext. Farmbetreiberin Cathy Langley war gerade außer Haus und Ziegen füttern, als das auf einem Ledersessel liegende Gerät Feuer gefangen haben soll. Ihr Ehemann war auswärts arbeiten, ihre Kinder in der Schule. Sie bemerkte, dass Rauch aus dem Gebäude aufstieg. Die Hitze und der Rauch machten ihr es unmöglich, das Haus zu betreten, sodass sie schließlich zu einem Nachbarn lief und von dort die Einsatzkräfte alarmierte. Ihr iPhone, sagt sie, habe sich in den Tagen vor dem Vorfall seltsam verhalten.

    foto: langley fire department
    Das Ladegerät sowie das im Endbereich versengte Ladekabel.

    Gefangen zwischen Apple und Versicherung

    Im Februar 2017 nahm die Familie schließlich Kontakt zu Apple auf. Mehrfach versprach der Konzern, sich um die Angelegenheit zu kümmern und auf die Finleys zuzukommen. Mehrfach verstrichen die vom Konzern selbst genannten Zeiträume dafür, so die Schilderung auf der Petitionsseite. Erst im vergangenen Oktober bat der Konzern um die Daten der Versicherung, mit der Ankündigung, einen Sicherheitsexperten zu beauftragen.

    Allerdings ergab sich in weiterer Folge ein neues Problem: Denn das zerstörte Handy ist derzeit in Gewahrsam einer privaten Forensikfirma, die im Auftrag der Brandschutzbehörden tätig ist. Gleichzeitig stehen der iPhone-Hersteller und die Versicherung der Familie mittlerweile gerichtlich auf Kriegsfuß. Und bis Apple das Telefon selber untersuchen kann, will der Konzern keinerlei Schritte setze.

    Weder die Versicherung, noch Apple, wollten gegenüber CBC zu dem Fall Stellung nehmen. Ihre Korrespondenz mit Apple haben die Finleys öffentlich zugänglich gemacht. Die Petition wurde bislang rund 2.000 Mal unterzeichnet. (red, 06.03.2018)

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